Neue Bundesregierung muss Ausbau der Erneuerbaren mindestens verdoppeln, um Klimaschutzziel einzuhal

Neue Bundesregierung muss Ausbau der Erneuerbaren mindestens verdoppeln, um Klimaschutzziel einzuhalten

ID: 1538332
(ots) - Deutsche Umwelthilfe hat nachgerechnet: Nationale
Klimaziele für 2020 und 2030 sind nur mit einer Verdoppelung des
Ausbaus von Wind und Solarenergie zu erreichen - DUH fordert
Sofortmaßnahmen bis 2020 und neue Ausbauziele für erneuerbare
Energien bis 2030 - Kohleausstieg muss mit mehr erneuerbaren Energien
abgesichert werden - Mehr finanzielle Teilhabe an
Windenergieprojekten für engagierte Gemeinden ermöglichen

Um das Klimaschutzziel zu erreichen, müssen erneuerbare Energien
doppelt so schnell ausgebaut werden, wie derzeit im
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgesehen. Zu diesem Schluss kommt
die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Bis zum Jahr 2020 ist der
CO2-Ausstoss um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, dazu fehlen
derzeit noch fast neun Prozent. Die Umwelt- und
Verbraucherschutzorganisation appelliert an die Koalitionäre in
Berlin, in den Verhandlungen die notwendigen Weichen zu stellen, um
mit mehr Erneuerbaren den Klimaschutz wieder auf Kurs zu bringen.

Insgesamt noch rund 150 Millionen Tonnen CO2 müssen eingespart
werden, um das Klimaschutzziel für 2020 zu erreichen. 2016 betrugen
die Emissionen 906 Millionen Tonnen Treibhausgas, 2020 dürfen es noch
750 Millionen Tonnen laut Klimaprogramm sein. Betroffen sind alle
Sektoren (Strom, Wärme und Verkehr) - der weitaus größte Teil der
Einsparung muss jedoch aus der Energiewirtschaft kommen, denn hier
sind die Kosten am geringsten und Erfolge am schnellsten zu
erreichen. Das bedeutet mindestens eine Halbierung der
Kohlestromerzeugung von derzeit 260 Milliarden Kilowattstunden, denn
auf diese gehen etwa 256 Millionen Tonnen des klimaschädlichen
Treibhausgases CO2 zurück. 130 Milliarden Kilowattstunden müssen dann
aus erneuerbaren Quellen kommen.

"Der Ausstieg aus der Kohle ist der effektivste Weg, um
CO2-Emissionen zu reduzieren. Um den klimaschädlichen Kohlstrom zu


ersetzen, brauchen wir eine Reduzierung des Stromexports und deutlich
mehr Strom aus Erneuerbaren. Mit einer kurzfristigen Sofortmaßnahme
für Erneuerbare können Teile des wegfallenden Kohlestroms ersetzt
werden", sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.
Beispielsweise könnten bereits genehmigte Windprojekte, die bei den
letzten Ausschreibungen nicht zum Zuge gekommen sind, den Ausgleich
leisten. So sind in Süddeutschland nur sehr wenige Projekte in der
Ausschreibung erfolgreich gewesen. In Nordrhein-Westfalen ist von 56
Projekten nur eins erfolgreich gewesen, in Rheinland-Pfalz nur eins
von 18 Projekten.

"Die ausgeschriebene Menge an Windkraft an Land muss von jetzt
2900 auf 5800 Megawatt netto pro Jahr verdoppelt werden. Das
entspricht etwa 2000 neuen Anlagen pro Jahr", rechnet Peter Ahmels,
Leiter Energie und Klimaschutz bei der DUH vor. Diese Größenordnung
sei mit Blick auf den schon jetzt hohen Ausbau von jeweils mehr als
1500 Anlagen in 2016 und 2017 machbar. Für 2018 werden derzeit jedoch
nur noch etwa 1000 Anlagen erwartet. Ab 2020 wird es gemäß des EEG
hingegen nur noch die festgelegte Ausschreibungsmenge von 2900
Megawatt brutto bei Wind geben. In den letzten Ausschreibungsrunden
hat sich gezeigt, dass im Süden nur noch ganz wenige Windmühlen einen
Zuschlag bekommen. Die neue Bundesregierung muss diese Schieflage
beseitigen. Auch der Offshore-Zubau muss aus Sicht der DUH von jetzt
etwa 900 Megawatt auf 1800 Megawatt pro Jahr verdoppelt werden. Bei
Solarenergie sind die ausgeschriebenen Mengen in den letzten Jahren
nicht erreicht worden, nur 1500 Megawatt von 2500 Megawatt wurden
zugebaut. Ab 2018 müssten jedoch 5000 Megawatt pro Jahr installiert
werden.

"Durch die Herausnahme der Kohle dürfte sich auch der Börsenpreis
für Strom wieder nach oben bewegen. Die Mehrkosten für die
erneuerbaren Energien - die sich auch aus der hohen Differenz
zwischen Börsenstrompreis und ausgeschriebener Vergütung für
erneuerbare Energien ergeben - dürften damit überschaubar bleiben",
ergänzt Ahmels.

Die DUH fordert, die Verdoppelung des Ausbautempos der
Erneuerbaren bis mindestens 2030 beizubehalten. Nur so könne der
weitere Ausstieg aus der Kohle und auch der restliche Atomausstieg ab
2022 kompensiert werden. Der Atomausstieg schlägt mit 85 Milliarden
Kilowattstunden zu Buche, die durch Erneuerbare ersetzt werden
müssen.

Aus Sicht der DUH wird der notwendige Zubau von erneuerbaren
Energien nur gelingen, wenn bei der Planung von Windparkprojekten die
Menschen vor Ort früher mit einbezogen werden. Bei weniger als 18
Anlagen pro Windpark erfahren die Anwohner manchmal erst kurz vor dem
Bau, wo die Anlagen stehen werden. Auch die Möglichkeit der
finanziellen Teilhabe der Standortgemeinde und der Anwohner muss
verbessert werden. In der Vergangenheit ist, anders als erwartet, oft
kaum Gewerbesteuer bei den Kommunen angekommen. "Es muss über eine
finanzielle Unterstützung nachgedacht werden, um den Gemeinden einen
sicheren Nutzen für ihr Engagement zu bieten und die Akzeptanz für
die dezentrale Energiewende zu stärken", fordert Sascha
Müller-Kraenner.

Mehr Informationen: http://www.duh.de/duh-energiewende/



Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Dr. Peter Ahmels, Leiter Energie und Klimaschutz
030 2400867-91, 0151 16225863, ahmels@duh.de

DUH-Pressestelle:
Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de
www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe

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Datum: 09.10.2017 - 13:51 Uhr
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