Kein Murks zum Ende der betäubungslosen Ferkelkastration
ID: 1544454
falschen Weg bei der Wahl der Alternativen zur betäubungslosen
Ferkelkastration. Aus Tierschutzgründen lehnen sie die von
Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und der Fleischwirtschaft
gepriesene Kastration mit Lokalanästhesie durch den Landwirt ab. Um
das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration, das am 1. Januar
2019 in Kraft tritt, umzusetzen, gibt es bessere Möglichkeiten als
den sogenannten »Vierten Weg«. Die örtliche Betäubung ist keine
Lösung im Sinne der Tiere. Das Ziel sollte sein, möglichst ohne
Eingriffe am Tier auszukommen, so die Sicht der
Tierschutzorganisationen Albert Schweitzer Stiftung für unsere
Mitwelt, Bundesverband Tierschutz, Bund gegen Missbrauch der Tiere,
Deutscher Tierschutzbund, PROVIEH und VIER PFOTEN.
Wenn ein grausames Verfahren wie die betäubungslose Kastration der
Ferkel endlich abgeschafft wird, darf dieses nicht durch eine andere
schmerzhafte Prozedur ersetzt werden, fordern die
Tierschutzorganisationen. Der jetzt angepeilte vierte Weg geht erneut
auf Kosten der Tiere. Da muss unbedingt gegengesteuert werden. Zuvor
hatten bereits die Bundestierärztekammer, die Tierärzte für
verantwortbare Landwirtschaft und die Tierärztliche Vereinigung für
Tierschutz vor der lokalen Anästhesie zur Kastration gewarnt.
Bei der Kastration unter örtlicher Betäubung ohne Tierarzt besteht
das Risiko, das Medikament falsch zu injizieren. Eine Fehlinjektion
verursacht dem Tier nicht nur erhebliche Schmerzen, sondern kann
schlimme, womöglich tödliche Folgen haben. Ohnehin sind Stress und
Belastung für die Tiere durch die Fixierung und mehrfachen
Injektionen mit den Wirkstoffen Procain oder Lidocain hoch. Auch eine
richtig gesetzte Injektion der Lokalanästhetika in Hoden oder
Samenstrang ist sehr schmerzhaft, zumal das Medikament Lidocain das
Gewebe reizt. Und Procain, der einzige derzeit für Schweine
zugelassene Wirkstoff zur lokalen Betäubung, schaltet den Schmerz
nicht immer ausreichend aus. Dann bliebe sogar die Kastration selbst
ein schmerzhafter Eingriff.
Die Tierschutzorganisationen ziehen Alternativen vor, die keine
oder nur geringe Eingriffe beim Tier erfordern wie die Ebermast.
Hierfür müssen die Haltungsbedingungen an die Tiere angepasst werden.
Das bedeutet: mehr Platz sowie mehr Möglichkeiten für die Schweine,
sich zu beschäftigen. Als Alternative zur Kastration bietet sich bei
der Ebermast die Gabe des Impfstoffs Improvac an, der die
Geschlechtsreife unterdrückt (Immunokastration) und so einen
möglichen Ebergeruch des Fleischs verhindert.
Zur betäubungslosen Kastration gibt es noch weitere Alternativen,
die seit mehreren Jahren genutzt werden. Auch sie haben Nachteile,
die aber bei weitem nicht so schwer wiegen wie die von Schmidt und
der Fleischlobby angestrebte Lokalanästhesie: Eine Kastration mit
Inhalationsnarkose (Isofluran) und Schmerzausschaltung ermöglicht
unter fachkundiger Anwendung einen für die Tiere vergleichsweise
stressarmen Eingriff sowie ein schnelles Aufwachen. Für ältere Ferkel
ist auch die Injektionsnarkose eine Alternative, sofern sie der
Tierarzt vornimmt.
Hier finden Sie die ausführliche Position »Alternativen zur
betäubungslosen Ferkelkastration« des Bündnisses für
Tierschutzpolitik als PDF zum Herunterladen:
www.albert-schweitzer-stiftung.de/positionspapier-ferkelkastration
Hier können Sie die Position des Deutschen Tierschutzbunds zur
Ferkelkastration nachlesen: http://ots.de/3WAXO
Pressekontakt:
Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Andreas Grabolle
Tel.: 030 - 400 54 68 15
presse@albert-schweitzer-stiftung.de
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Datum: 25.10.2017 - 10:13 Uhr
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