Allg. Zeitung Mainz: Trollt euch! / Kommentar von Markus Lachmann zur Facebook-Anhörung
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bei der US-Wahl im vergangenen Jahr zu tun. Und die Erde ist eine
Scheibe. Wenn Moskaus Politiker mit unschuldigem Augenaufschlag
beteuern, es gebe keine staatliche Einflussnahme auf die Inhalte von
Facebook, Twitter und Co., dann muss man schon sehr naiv sein, das zu
glauben. Russland hat sich die sozialen Netzwerke geschickt zunutze
gemacht, um Meinungsbildungsprozesse im Ausland in seinem Interesse
zu lenken. Naiv wäre aber auch derjenige, der glaubte, die USA würden
nicht ebenso agieren. Dass die Vertreter von Facebook, Google und
Twitter im US-Senat jetzt regelrecht kleinlaut aufgetreten sind,
dürfte Gründe haben. Denn die Zeichen stehen in den USA eher auf mehr
Regulierung. Facebook hat sehr lange gebraucht, sich öffentlich dazu
zu bekennen, von sogenannten Troll-Armeen - staatlich gelenkten
Manipulateuren in Russland - missbraucht worden zu sein. Man kann
nur hoffen, dass beim Zuckerberg-Konzern ein Umdenken eingesetzt hat.
Bislang sah sich das Unternehmen als neutralen Vermittler von
Inhalten. Doch mit konzertierter, möglicherweise staatlich gelenkter
Beeinflussung, von Menschenhand oder virtuellen Robotern ("Bots"),
können Facebook oder Twitter zur politischen Waffe umfunktioniert
werden. Die Unternehmen müssen deshalb unbedingt für mehr Transparenz
sorgen, offenlegen, wer Anzeigen finanziert, und sich stärker zu
ihrer Verantwortung bekennen. Auch wenn die Wirkung umstritten ist:
Was 2016 in den USA passiert ist, war nichts anderes als ein Anschlag
auf die Demokratie.
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Datum: 01.11.2017 - 18:15 Uhr
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