Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene für einen stärkeren Klimaschutz im Gebäudebereich einsetze

Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene für einen stärkeren Klimaschutz im Gebäudebereich einsetzen

ID: 1549016
(ots) - Im Zuge der gestern gestarteten Verhandlungen zur
europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) hat die Bundesregierung die
Chance, sich für eine langfristige, sozial gerechte und nachhaltige
Gebäudesanierung einzusetzen - Deutsche Umwelthilfe fordert die
Bundesregierung auf, diese Verantwortung gemeinsam mit anderen
Staaten auch wahrzunehmen

Gestern wurde zum ersten Mal im Trilog-Verfahren zwischen
Europäischem Parlament, Europäischer Kommission und Europäischem Rat
über die Europäische Gebäuderichtlinie (EPBD) verhandelt. Nachdem das
Europäische Parlament am 11. Oktober 2017 seine progressive
Stellungnahme verabschiedet hat, muss nun auch im Trilog ein
ambitionierter Entwurf zustande kommen. Vor dem Hintergrund, dass
EU-weit 40 Prozent der CO2-Emissionen vom Gebäudesektor verursacht
werden und laut einer Studie vom Buildings Performance Institute
Europe (BPIE) 97 Prozent des europäischen Gebäudebestandes
renovierungsbedürftig ist, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die
Bundesregierung auf, sich für eine Stärkung der Gebäuderichtlinie
einsetzen.

Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass in Deutschland
nur zwei Prozent des Gebäudebestandes "sehr effizient" ist, während
dies in Dänemark und Frankreich bereits auf sieben beziehungsweise
acht Prozent der Gebäude zutrifft. Deutschland hat seine
Vorreiterrolle beim Klimaschutz im Gebäudebereich also abgegeben.
Umso wichtiger ist es, dass die Bundesregierung sich im Trilog für
ambitionierte europäische Ziele einsetzt.

In der ersten Verhandlungsrunde am gestrigen 7.11.2017 blockierte
der Großteil der Regierungen ambitionierte Zielsetzungen und man
einigte sich lediglich auf die weitere Vorgehensweise für das nächste
Treffen. Während sich die Regierungen auf der Klimakonferenz in Bonn
gerade für den Klimaschutz, insbesondere im Gebäudebereich stark


machen, blockieren sie bei deren praktischer Umsetzung auf EU-Ebene.
Deutschland muss die Zeit bis zum nächsten Trilog am 5. Dezember
nutzen, um Koalitionen mit anderen Staaten zu schmieden, den Worten
auch Taten folgen zu lassen und die Umsetzung der Pariser Klimaziele
zu forcieren.

Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH "Eine
starke europäische Gebäuderichtlinie ist nicht nur für Deutschland
und ein zukünftiges nationales Gebäudeenergiegesetz (GEG) wichtig,
sondern auch für die gesamteuropäischen Ziele. Mehr Gebäudesanierung
im Rest Europas bietet auch für die deutsche Wirtschaft große
Potenziale, ihr Wissen und ihre Produkte zu exportieren. Wir fordern
die deutsche Bundesregierung daher auf, sich in den gestern
gestarteten Trilog-Verhandlungen gemeinsam mit Ländern wie Dänemark
oder Frankreich für ambitionierte und langfristige Ziele im
Gebäudebereich stark zu machen."

Die Beschlüsse zur EPBD müssen in Deutschland umgesetzt werden und
könnten im neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) Eingang finden, welches
die DUH für 2018 fordert. Wenn die europäischen Zielsetzungen nicht
klar und ambitioniert sind, droht bei einer Verabschiedung des GEG
eine starke Verwässerung. Doch gerade der Gebäudebereich kann und
muss einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und der Reduktion des
Energieverbrauchs leisten.

Konkret fordert die DUH, dass der Niedrigstenergiestandard (nZEB)
nicht nur den Primärenergiebedarf, sondern den gesamten Energiebedarf
eines Gebäudes berücksichtigt und die überarbeitete Definition des
Parlaments zum nZEB sich durchsetzt. Durch diesen Standard sollen
alle Neubauten ab 2019/2021 den Anforderungen der Energie- und
Klimaschutzziele für 2050 gerecht werden. Dies ist bereits heute
wirtschaftlich, vermeidet spätere, teure Nachrüstungen sowie
lock-in-Effekte und begrenzt durch niedrige Energieverbräuche und
Eigenerzeugung die Systemkosten der Energiewende. Darüber hinaus soll
dieser Standard nicht durch die Anrechnung erneuerbarer Energien aus
Fernwärme aufgeweicht werden. Erneuerbare Energien dürfen nicht gegen
Energieeffizienz ausgespielt werden, sie werden in der Erneuerbare
Energien Richtlinie (RED II) ausführlich behandelt.

Link:

Bericht des Europäischen Parlaments zur EPBD: http://ots.de/KtI28



Kontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Senta Schmatzberger, Projektmanagerin Energieeffizienz
030 408867-963, schmatzberger@duh.de

DUH-Pressestelle:

Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de

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Datum: 08.11.2017 - 12:08 Uhr
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