Greenpeace-Aktivisten demonstrieren an Deutschlands schmutzigstem Kohlekraftwerk für mehr Klimagerechtigkeit / Klimaschützer projizieren in Neurath Protestbilder und fordern Kohleausstieg
ID: 1549856
gegen die Erderhitzung demonstrieren Aktivisten von Greenpeace und
Betroffene aus der Pazifikregion heute gemeinsam am
Braunkohlekraftwerk in Neurath. Auf die Kühltürme des Kraftwerks
projizieren die Klimaschützer in riesigen Leuchtbuchstaben "Kohle
zerstört unsere Zukunft", sowie die Portraits von Menschen aus aller
Welt, die von Industriestaaten wie Deutschland mehr Engagement
fordern. Die Folgen des Klimawandels gefährden schon heute die
Existenz pazifischer Inselstaaten. Immer stärkere Wirbelstürme und
der steigende Meeresspiegel drohen sie unbewohnbar zu machen. "Auch
deutsche Kohlekraftwerke heizen den Klimawandel weiter an", sagt
Karsten Smid, Greenpeace-Klimaexperte. "Löst Bundeskanzlerin Merkel
ihre eigenen Klimaversprechen nicht ein, enttäuscht sie die Hoffnung,
die Millionen vom Klimawandel bedrohte Menschen in das Pariser
Abkommen gesetzt haben."
Das Kohlekraftwerk Neurath ist mit einer Leistung von 4400
Megawatt das größte in Deutschland und mit einem CO2-Ausstoß von 32
Millionen Tonnen das schmutzigste. Deutschland fördert und verfeuert
mehr klimaschädliche Braunkohle als jedes andere Land der Welt. Ein
immer größerer Teil des Kohlestroms wird inzwischen ins europäische
Ausland exportiert, weil ihn der wachsende Anteil erneuerbarer
Energien in Deutschland überflüssig macht. Mit 15 Gigawatt könnten
etwa 35 der ältesten Braunkohleblöcke in Deutschland sofort
abgeschaltet werden, ohne dadurch die Stromversorgung zu gefährden,
hat bereits 2015 eine Studie von Energy Brainpool im Auftrag von
Greenpeace gezeigt. "Ohne den Ausstieg aus der Kohle kommt
Deutschland beim Klimaschutz nicht voran", so Smid. "Nur wenn die
nächste Bundesregierung einen gesetzlich verankerten Fahrplan zum
Kohleausstieg beschließt, und bis spätestens 2030 den letzten
Kohlemeiler vom Netz nimmt, leistet Deutschland einen fairen Beitrag
zum Klimaschutz."
Ausbau Erneuerbarer Energien zeigt sich nicht in Klimabilanz
50 Kilometer entfernt von Neurath verhandeln in Bonn knapp 200
Staaten darüber, wie der Ausstoß an Treibhausgasen rasch genug
gesenkt werden kann, um die katastrophalsten Folgen des Klimawandels
abzuwenden. Als Gastgeber der UN-Klimakonferenz steht Deutschland
dabei unter besonderer Beobachtung. Während das Land den Anteil
erneuerbarer Energien an der Stromversorgung innerhalb von wenigen
Jahren auf etwa ein Drittel ausgebaut hat, schlägt sich diese
Anstrengung nicht in der Klimabilanz nieder. Deutschland wird 2017
voraussichtlich im zweiten Jahr in Folge mehr Treibhausgase statt
weniger ausstoßen. Angela Merkels Versprechen, den CO2-Ausstoß bis
2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, droht ohne Einschnitte
bei der Kohleverstromung um ein sattes Viertel verfehlt zu werden.
Während Länder wie Großbritannien, Kanada und Italien inzwischen
den Ausstieg aus der besonders klimaschädlichen Kohle beschlossen
haben, sträuben sich FDP und Union bei den derzeitigen
Sondierungsgesprächen eine Jamaika-Koalition gegen einen
Kohleausstieg.
Achtung Redaktionen: Rückfragen bitte an Karsten Smid, Tel.
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Datum: 10.11.2017 - 05:28 Uhr
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