"So viel Neugier braucht die Kirche"/
Präses Schwaetzer berichtet vor EKD-Synode in Bonn
ID: 1550329
Neugier und Offenheit begegnen. Diesen Schluss aus dem
Reformationsjubiläum 2017 hat die Präses der Synode der Evangelischen
Kirche in Deutschland (EKD, Irmgard Schwaetzer auf der Synodentagung
gezogen.
"Mit den Erfahrungen des Reformationsjubiläums sowie den aktuellen
gesellschaftlichen Entwicklungen, steht die Aufgabe für künftige
Zeiten klar vor uns", sagte Schwaetzer in ihrem Bericht des
Präsidiums auf der laufenden Synodentagung in Bonn: "Wir sind mit
Neugier dem begegnet, was der christliche Glaube in der heutigen
säkularen Gesellschaft an Relevanz für das Leben des Einzelnen
ausmacht. So viel Neugier braucht eine Kirche, die weiter im Dialog
sein wird, die sprachfähig in ihrem Auftrag sein wird, die weiter vor
der Kirchentür und auf den öffentlichen Plätzen sein wird, die weiter
ansprechbar ist und sein wird", so die Präses.
"2017 war ein Glaubensjubiläum, ein Beteiligungs-, Ökumene- und
Kulturjubiläum." Auskunft auf die Frage: "Was nehmen wir mit?" würden
vor allem die Berichte der sogenannten "Scouts" gegeben, die das
Reformationsjubiläum für das Präsidium beobachtet und ausgewertet
haben.
Schwaetzer benannte in Ihrem Bericht gleich mehrere
Lernerfahrungen: "Überall dort, wo Kirche in neuen Formaten an neuen
und überraschenden Orten und mit vielfältigen Kooperationspartnern in
der Öffentlichkeit mit ihren Inhalten präsent war, gelang es Menschen
anzusprechen, denen wir sonst eher selten begegnen", fasste die
Präses eine Grunderkenntnis zusammen.
Die Frage, die sich ihr nach unzähligen Begegnungen im
Jubiläumsjahr stelle, sei: "Wie kommen wir mehr ins Gespräch mit den
Menschen, die dem Glauben und der Kirche fernstehen? In welchen
Momenten und an welchen Orten begegnen wir denen, die nicht in unsere
Gottesdienste kommen?" Und auch dies sei richtig: "Über den eigenen
Glauben zu sprechen braucht Mut, weil man gleichzeitig viel über sich
selbst sagt. Und wenn wir nach unserem Glauben gefragt werden, dann
ist es so wichtig, dass wir Christinnen und Christen sprachfähig
werden und auch theologisch gebildet sind."
Eine weitere Erfahrung war laut Schwaetzer, dass die Unterschiede
zwischen der evangelischen und katholischen Glaubenslehre nicht mehr
überzeugend darzulegen gewesen seien. So hätten "die christlichen
Kirchen" als Begriff und Bild mehr überzeugt als "evangelisch" oder
"katholisch". "Die Stimme der christlichen Kirchen in unserer
säkularen Gesellschaft wird eher und mehr gehört, wenn sie gemeinsam
christliche Freiheit und Verantwortung in die säkulare Gesellschaft
hineinsprechen und vor allem leben."
Schwaetzer warb dafür die eigenen mentalen und kirchlichen Mauern
zu überwinden: "Nehmen wir den Schwung und die Energie aus den
Erfahrungen dieses Jahres mit in unsere Gemeinden, in die
Landeskirchen, in die EKD, in die Werke und tragen wir vor allem die
wiederentdeckten Botschaften der Reformation in die säkulare Welt.
Der gesamte mündliche Bericht der Präses der EKD-Synode, Irmgard
Schwaetzer, steht unter https://www.ekd.de/bericht-des-praesidiums-de
r-synode-der-ekd-29827.htm zum Download zur Verfügung.
Bonn, 12. November 2017
Pressestelle der EKD
Carsten Splitt
Über die Synode der EKD: Die Synode der EKD ist neben Rat und
Kirchenkonferenz eines der drei Leitungsorgane der EKD. Sie tagt vom
12. bis 15. November in Bonn. Nach der Grundordnung der EKD besteht
die 12. Synode aus 120 Mitgliedern. Zu den Aufgaben der Synode zählen
die Erarbeitung von Kundgebungen und Beschlüssen zu Fragen der Zeit
sowie die Begleitung der Arbeit des Rates der EKD durch Richtlinien.
Die Synode berät und beschließt aber auch den Haushalt und die
Kirchengesetze. Geleitet wird die Synode vom Präsidium unter dem
Vorsitz von Präses Irmgard Schwaetzer. Sie ist zugleich Mitglied des
15-köpfigen Rates der EKD. Vorsitzender des Rates der EKD ist
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Die EKD ist die Gemeinschaft
von 20 lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen. 21,9
Millionen evangelische Christinnen und Christen in Deutschland
gehören zu einer der 14.412 Kirchengemeinden.
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Carsten Splitt
Evangelische Kirche in Deutschland
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Datum: 12.11.2017 - 15:08 Uhr
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