Neue Westfälische (Bielefeld): Nachwuchsmangel bei der Bundeswehr
Imageprobleme und mehr
Carsten Heil
ID: 1555495
Arbeitgeber gewonnen hat, tut sich leichter mit der Entscheidung, ob
besagter Arbeitgeber dauerhaft der richtige ist. Arbeitsgebiete, die
Atmosphäre unter den Kollegen, Kundenverhalten und vieles mehr sind
bekannt. Deshalb gibt es Hospitanzen und Praktika. Nach der
Abschaffung der Wehrpflicht 2011 fehlt der Bundeswehr diese
verpflichtende Praxisphase. Sie gerät immer wieder in die
Schlagzeilen, weil es dem Nachwuchs entweder an Zahl oder an Qualität
mangelt. Kein Wunder. Mit ein paar - zugegeben sehr guten -
Werbefilmen sind nicht viele wirklich qualifizierte junge Menschen zu
locken. Die Bundeswehr hat gleich ein ganzes Bündel von Problemen:
Sie hat ein schlechtes Image, mit häufig unzureichender veralteter
oder nicht funktionierender Ausrüstung. Die regelmäßig
wiederkehrenden Kameraden- und Ausbildungsskandale machen es nicht
reizvoll, Vater Staat an dieser Stelle als Dienstherren zu haben.
Unsere Soldaten müssen inzwischen weit weg von Familien und Freunden
über Wochen Dienst tun. Die Arbeit ist nicht ungefährlich und spielt
sich in unbequemen Weltgegenden ab. Gleichzeitig benötigt die Armee
immer besser ausgebildetes Personal. Waffensysteme, Maschinen,
Navigationsgeräte erfolgreich zu bedienen, erfordert großes Wissen
und Geschick. Die gutqualifizierten Menschen bekommen angesichts
brummender Wirtschaft und fehlender Fachkräfte im Zivilbereich leicht
angenehmere und teils besser bezahlte Arbeitsplätze. Und schließlich:
Die Debatte läuft nicht in Richtung Bundeswehr. Die
Sicherheitsdiskussion dreht sich um Weihnachtsmärkte und andere
Großveranstaltungen. Da ist die Bundeswehr nicht gefragt.
Internationale Einsätze werden nicht gelobt, sondern in der
Öffentlichkeit eher kritisiert. Wer will sich schon ständig für seine
Berufswahl rechtfertigen müssen? Nach mehr als 70 Jahren Frieden im
Kern des europäischen Festlandes ist das Bewusstsein, dass eine
schlagkräftige Landesverteidigung zwingend erforderlich ist, merklich
zurück gegangen. Trotz zurückgekehrter Spannungen mit Russland glaubt
niemand wirklich, dass "die Russen kommen", wie es früher hieß. Das
Gegenteil ist richtig. Die sehr unterschiedlichen Herausforderungen
und Bedrohungen von Afrika bis Saudi-Arabien, die veränderte Position
der USA, die schon genannten Reibereien mit Moskau sollten klar
machen, dass die Bundeswehr nicht vernachlässigt werden darf.
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Datum: 26.11.2017 - 20:00 Uhr
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