BERLINER MORGENPOST: Peinliches Papier - Kommentarüber den stagnierenden Wohnungsbau in Berlin
ID: 1569500
Richtig wäre es, den Berlinern ehrlich zu sagen, dass es eben
nicht nur fünf, sondern eher zehn Jahre oder sogar noch länger
dauert, bis überhaupt die ersten Bagger anrollen. Und dass auch die
verabredete umfangreiche Bürgerbeteiligung einige dieser Jahre zu
verantworten hat. Angezeigt wäre es ferner, wenn die Senatorin,
wohlwissend, dass die Entwicklungsgebiete kurz- bis mittelfristig
keinen wesentlichen Beitrag zur Lösung des Baulandproblems bieten
können, die innerstädtische Nachverdichtung und den
Dachgeschossausbau vorantreiben statt behindern würde.
Der ganze Kommentar:
Es ist für Amtsinhaber nicht schön, wenn interne Berichte an die
Öffentlichkeit gelangen. Besonders peinlich wird es aber, wenn diese
belegen, dass es beim wichtigsten Aufgabenfeld, das man sich auch
noch selbst gestellt hat, nicht vorangeht. Die Rede ist vom dringend
benötigten Wohnungsneubau in den großen Entwicklungsgebieten der
Hauptstadt. Lediglich bei drei der 13 Areale wird mit einem Baustart
noch in diesem Jahr gerechnet, weitere vier Gebiete müssten
eigentlich aus der Liste gestrichen werden, weil gar nicht klar ist,
ob dort überhaupt jemals gebaut werden kann. Das belegen vertrauliche
Dokumente aus der Verwaltung von Bausenatorin Katrin Lompscher
(Linke), die man der Öffentlichkeit lieber vorenthalten hätte. Nun
ist es zwar richtig, wenn Lompschers Baustaatssekretär darauf
verweist, dass es eben Zeit brauche, wenn auf einem bislang völlig
unerschlossenen Areal ein gut geplantes, urbanes Stadtquartier
entstehen soll. Platz für knapp 40.000 Wohnungen könne man eben nicht
so einfach aus dem Boden stampfen, dies habe auch schon beim
Vorgängersenat Jahre bis Jahrzehnte gedauert. Richtig wäre es dann
aber auch, den Berlinern ehrlich zu sagen, dass es eben nicht nur
fünf, sondern eher zehn Jahre oder sogar noch länger dauert, bis
überhaupt die ersten Bagger anrollen. Und dass auch die verabredete
umfangreiche Bürgerbeteiligung einige dieser Jahre zu verantworten
hat. Angezeigt wäre es ferner, wenn die Senatorin, wohlwissend, dass
die Entwicklungsgebiete kurz- bis mittelfristig keinen wesentlichen
Beitrag zur Lösung des Baulandproblems bieten können, die
innerstädtische Nachverdichtung und den Dachgeschossausbau
vorantreiben statt behindern würde. Dass es hier und auch bei der
besseren Anbindung der Stadtränder an den öffentlichen Nahverkehr nur
im Kriechgang vorangeht, kann sich dieser Senat angesichts der
Wohnungsnot nicht leisten.
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Datum: 12.01.2018 - 18:50 Uhr
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