Mitteldeutsche Zeitung: Sachsen-Anhalt/Politik
Muslime beklagen fehlenden Dialog mit dem Land
ID: 1591618
fehlenden Dialog mit der Landesregierung in Fragen der Integration.
"In den vergangenen zwei Jahren ist fast nichts zustande gekommen",
sagte Mamad Mohamad, Chef der größten Migrantenorganisation Lamsa,
der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung (Samstagausgabe).
Der Austausch mit den Gemeinden im eigens gegründeten Islamforum
sei eingeschlafen. "In zwei Jahren hat das Forum nicht einmal
getagt", beklagte Mohamad. 2015 war das Gremium vom damaligen
Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) ins Leben worden. Es sollte
zentrale Anliegen der Gemeinden diskutieren, etwa möglichen
Islam-Unterricht an Schulen und Bestattungen nach islamischer
Tradition. Doch der für Religion zuständige Landesminister Marco
Tullner (CDU) hält das Islamforum für entbehrlich. Dort seien in der
Vergangenheit "vorrangig Einzelprobleme" besprochen worden, die eher
vor Ort diskutiert werden sollten. 2015 und 2016 war die Zahl der
Muslime in Sachsen-Anhalt durch Flüchtlingszuzug stark gestiegen.
Grobe Schätzungen gehen von mindestens 20 000 Gläubigen aus.
Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) hat
reagiert und die Gemeinden jüngst ins Sozialministerium eingeladen.
"Wir hängen nicht an Strukturen, aber es ist wichtig, dass der
Kontakt wieder stärker aufgenommen wird", sagte Möbbeck der Zeitung.
Die Religionsgemeinden seien nicht nur Partner in der Integration -
sie seien auch wichtig, um Radikalisierung zu verhindern. Sie sagte,
"ich halte es für wichtig, dass sich der Minister dem Thema widmet".
Möbbeck und Tullner lagen zuletzt in Religionsfragen über Kreuz:
Als die SPD-Politikerin Muslimen in der Stendaler Moschee mit einem
Schal über dem Kopf begegnete, empörte sich Tullner: "Ich bin nur
noch sprachlos".
Pressekontakt:
Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200
hartmut.augustin@mz-web.de
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Datum: 17.03.2018 - 02:00 Uhr
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