NOZ: Hannes Wader will keine 68er-Ikone sein
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Liedermacher kam aus Einsamkeit zur linken Ideologie - Bei Demo
nach Dutschke-Attentat Zähne ausgeschlagen
Osnabrück. Der Liedermacher Hannes Wader (75) sieht sich weit
entfernt davon, eine Ikone der 68er-Bewegung zu sein. Zum politischen
Menschen sei er erst geworden, weil ihn der Erfolg einsam gemacht
habe. "Ich bin ein Junge vom Lande, und plötzlich war ich bekannter,
als ich eigentlich sein wollte", sagte der Sänger der "Neuen
Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) in einem Interview über den 50.
Jahrestag der Proteste von 1968. Aus dem "Gefühl der Isolation
heraus" habe er Anschluss gesucht und deshalb begonnen, sich mit
linker Ideologie zu beschäftigen. "Zunächst habe ich das
,Kommunistische Manifest' gelesen; das hat mich richtig umgehauen.
Dann kam eins zum anderen, und 1977 bin ich dann in die DKP
eingetreten", erzählte Wader.
Die Studentenbewegung hat der Musiker hingegen distanziert
wahrgenommen: "Ich war rebellisch und aufmüpfig, aber ohne
politisches Programm dahinter." Daher hätten ihn als Vertreter des
"Landproletariats" entsprechende Debatten genervt. Über die
legendären Konzerte auf "Burg Waldeck", die ihn in der zweiten Hälfte
der 60er-Jahre bekannt gemacht hatten, sagte Wader, "die radikalen
Studenten haben das Festival gesprengt. Die kamen aus allen Ecken
angereist und sagten, wenn einer sang: ,Stell' die Gitarre in die
Ecke und nimm die Kalaschnikow in die Hand.'"
Gewalt erlebte er bei einer Demonstration nach dem Attentat auf
Rudi Dutschke, das sich nächste Woche zum 50. Mal jährt. Ihn habe
insbesondere gestört, "wie unglaublich die gehetzt und welche
Schweinereien die geschrieben hat", sagte Wader über die
"Bild"-Zeitung. Währen der Demo in Berlin habe ihn "die Polizei in
die Zange genommen und mir die Zähne ausgeschlagen". In den Fokus der
Polizei und Justiz war Wader später noch einmal geraten, "ohne es zu
wollen". Er habe den Schlüssel seiner Hamburger Wohnung "einer jungen
Frau überlassen, von der ich nicht wusste, dass es sich bei ihr um
Gudrun Ensslin handelte". Im Herbst 1971 wurde Wader nach einem
Konzert in Essen verhaftet und verhört. Es folgte ein Boykott durch
die Medien, und bei einem Konzert in Berlin, das im Rundfunk
übertragen wurde, wäre er wegen des Vorwurfs, die RAF-Terroristin
unterstützt zu haben, fast mit einem Auftrittsverbot belegt worden.
Letztlich hätten seine Kollegen, darunter Katja Ebstein, Reinhard Mey
und Insterburg und Co. seinen Auftritt durchgesetzt. Eine
Unterstützung, der er seinen anhaltenden Erfolg verdanke: "Unter
anderem aus diesem Grund bin ich heute noch da", sagte Wader.
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Datum: 03.04.2018 - 15:59 Uhr
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