Zu viele Fische gehenüber Bord - Deutsche Umwelthilfe und Our Fish fordern umfassende Kontrollen de

Zu viele Fische gehenüber Bord - Deutsche Umwelthilfe und Our Fish fordern umfassende Kontrollen der EU-Fischereien

ID: 1612944
(ots) - Bericht des Wissenschafts-, Technik- und
Wirtschaftsausschuss für Fischerei der EU (STECF) zur Umsetzung des
Rückwurfverbotes deckt schwere Mängel auf - Umsetzung der
Anlandeverpflichtung wird nicht ausreichend kontrolliert - Deutsche
Umwelthilfe und Our Fish fordern umfassende Kontrollen -
Nachhaltigkeitssiegel MSC gibt keine Garantie für nachhaltige
Fischerei - DUH und Our Fish veröffentlichten Infoblatt über
unzureichende Berücksichtigung der Anlandeverpflichtung in der
MSC-Zertifizierung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Our Fish kritisieren, dass die
EU-Fischerei und die Umsetzung der Anlandeverpflichtung, die durch
die Reform der europäischen Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP)
eingeführt wurde, noch immer nicht ausreichend dokumentiert und
kontrolliert wird. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngst vom
Wissenschafts-, Technik- und Wirtschaftsausschuss für Fischerei der
EU (STECF) herausgebrachte Bericht. Aufgrund unzureichender
Dokumentation ist es unmöglich, den wahren Umfang der Rückwürfe
einzuschätzen. Einige Mitgliedstaaten der EU reduzierten sogar den
Kontrollaufwand auf See. Mangelhafte Kontrollen machen es erst
möglich, dass noch immer zu viel Fisch über Bord geworfen wird, der
gemäß der Anlandeverpflichtung mit an Land gebracht werden müsste.
Die EU Mitgliedstaaten werden aufgefordert, effektivere
Kontrollsysteme, einschließlich neuer Techniken wie der
elektronischen Fernüberwachung, einzuführen, um die Umsetzung der
Anlandeverpflichtung zu garantieren sowie Verstöße aufzudecken und zu
ahnden.

"Vieles, was beim Fischfang an Bord gezogen wird, bleibt
undokumentiert", kritisiert Sascha Müller-Kraenner,
DUH-Bundesgeschäftsführer. "Es existieren keine effektiven
Vorschriften der vollständigen Erfassung aller Fischfänge. Ohne
umfangreiche Kontrollen wird weiterhin ungewollter Fisch, der mit an


Land gebracht werden müsste, über Bord geworfen."

Leider sehe sich kein europäischer Mitgliedstaat in der Pflicht,
eine Vorreiterrolle zu übernehmen. "Angesichts der noch immer
angespannten Lage der Fischbestände besteht dringender
Handlungsbedarf. Deutschland muss hier vorangehen," fordert
Müller-Kraenner.

Durch die 2014 reformierte GFP der EU wurde festgelegt, dass alle
Fische, für die Fangbegrenzungen oder Mindestreferenzgrößen
existieren, mit an Land gebracht werden müssen.

"Bei einer korrekten Umsetzung der Anlandeverpflichtung kann diese
der wichtigste Wegbereiter für den Übergang zu einer nachhaltigen und
transparenten Fischerei in der Geschichte der GFP sein", sagt Rebecca
Hubbard, Direktorin der Our Fish-Kampagne. "Die Anlandeverpflichtung
kann als Anreiz zur Verbesserung der Selektivität von Fanggeräten
dienen, um den unerwünschten Beifang anderer Arten und kleiner Fische
zu reduzieren."

Die Mitgliedstaaten sind dazu aufgefordert, jährlich einen Bericht
über den Fortschritt der Umsetzung der Anlandeverpflichtung
abzugeben. Aber nur 15 von 23 Mitgliedsstaaten mit eigenen
Fischereiflotten reichten 2017 einen Bericht ein. Eine Beurteilung
des Status quo ist dadurch unmöglich; die vorhandenen Berichte weisen
außerdem gravierende Lücken auf. Die mangelnde Umsetzung und
Kontrolle der Anlandeverpflichtung durch die EU-Mitgliedstaaten
ermöglicht illegale Rückwürfe auf See und belastet die Lieferketten
der Handelsunternehmen mit Risiken.

Auch Nachhaltigkeitssiegel wie der Marine Stewardship Council
(MSC) sind keine Garantie dafür, dass die geltenden Regelungen
ausreichend kontrolliert werden. Neben der anhaltenden Kritik am MSC
über die Zertifizierungen nicht nachhaltiger Fischereien ist die
mangelnde Durchsetzung der Anlandeverpflichtung ein weiterer Aspekt,
der die Nachhaltigkeit der EU-Fischereien - einschließlich der
MSC-zertifizierten Fischerei - gefährdet. Eine 2016 veröffentlichte
Studie untersuchte, inwieweit 25 MSC-zertifizierte Fischereien den
Anforderungen der Anlandeverpflichtung entsprechen. Das Ergebnis
dieser Studie ist, dass fast ein Viertel der untersuchten
MSC-Fischereien einer solchen Bewertung nicht standhielten.

Hintergrund:

Die Anlandeverpflichtung wurde mit der neuen GFP eingeführt. Alle
Mitgliedsstaaten verpflichten sich laut Artikel 15 der GFP, alle
Fische mit an Land zu bringen, für die Fangbegrenzungen (Fangquoten)
und Mindestgrößen existieren. In Artikel 13 und 15 werden alle MS
ausdrücklich dazu aufgefordert, detaillierte und genau Aufzeichnungen
von allen Fängen zu führen (vollständig dokumentierte Fischereien),
doch diese Berichte sind lückenhaft und teilweise nicht vorhanden.

Der MSC wurde vor mehr als zwanzig Jahren mit dem Ziel gegründet,
die Überfischung zu beenden und den Verbrauchern zu ermöglichen, sich
leichter für nachhaltig gefangenen Fisch zu entscheiden. Doch der MSC
gerät immer mehr in die Kritik. Anfang 2018 veröffentlichten 66
Umweltorganisationen, Wissenschaftler und Prominente einen offenen
Brief, in dem sie den MSC kritisieren, weil er sein Versprechen
gegenüber Händlern und Verbrauchern gebrochen hat. Gemeinsam
kritisierten sie, der MSC zertifiziere Fischereien, deren
Nachhaltigkeit sowohl von Umweltschützern als auch von
Wissenschaftlern während des Zertifizierungsprozesses in Frage
gestellt wurde. Die DUH und Our Fish kritisieren, dass geltenden
rechtliche Verpflichtungen der EU nicht ausreichend bei der
Zertifizierung des MSC Berücksichtigung finden und formulierten dazu
ein Briefing.

Über Our Fish:

Die Kampagne Our Fish will sicherstellen, dass die
EU-Mitgliedstaaten die GFP ordnungsgemäß durchführen und umsetzen und
- auch über eine effektive Kontrolle der europäischen Fischereien -
für nachhaltige Fischbestände in den europäischen Gewässern sorgen.
Our Fish arbeitet mit Organisationen und Personen in ganz Europa
zusammen, um eine starke und beharrliche Kernbotschaft zu verbreiten:
Die Überfischung muss beendet und die nachhaltige Befischung der
europäischen Meere gewährleistet werden.

Our Fish ruft alle EU-Mitgliedstaaten dazu auf, nachhaltige
Fanggrenzen auf der Grundlage wissenschaftlicher Empfehlungen
festzulegen und durch Überwachung und Dokumentation aller Fänge
sicherzustellen, dass ihre Fangflotten den Nachweis einer
nachhaltigen Fischerei erbringen.

Die Deutsche Umwelthilfe koordiniert diese Arbeit in Deutschland
für die Kampagne.

Links:

DUH-Infoblatt "Die Bedeutung der Anlandeverpflichtung der EU für
MSC-zertifizierte Fischereien": http://l.duh.de/p180522b

STECF-Bericht: https://stecf.jrc.ec.europa.eu/plen1801

Studie zur Beurteilung der Implementierung der
Anlandeverpflichtung von MSC-zertifizierten Fischereien in Europa:
http://ots.de/Iq1BEB

Mehr über Our Fish: http://our.fish/de/



Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Rebecca Hubbard, Programmdirektorin Our Fish
+34 657669425, rebecca@our.fish

Katja Hockun, Projektmanagerin Meeresnaturschutz
030 2400867-895, hockun@duh.de

DUH-Pressestelle:
Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de
www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF   Zweites
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.05.2018 - 12:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1612944
Anzahl Zeichen: 8149

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Umwelttechnologien



Diese Pressemitteilung wurde bisher 374 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Zu viele Fische gehenüber Bord - Deutsche Umwelthilfe und Our Fish fordern umfassende Kontrollen der EU-Fischereien"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Deutsche Umwelthilfe e.V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Klageerfolg der Deutschen Umwelthilfe: Verwaltungsgericht Schleswig erklärt pfandfreien Grenzhandel mit Getränkedosen für rechtswidrig ...
- "Bordershops" in deutsch-dänischer Grenzregion verkaufen jährlich 650 Millionen Dosen illegal ohne Pfand an skandinavische Kundinnen und Kunden und verstoßen damit gegen das Verpackungsgesetz - Gericht stellt klar: Ausnahme von der Pfandpflicht gilt nur für den unmittelbaren Expo

Pressezitat: Expertenrat kritisiert Klimaschutzprogramm der Bundesregierung: Deutsche Umwelthilfe sieht Rückenwind für Klimaklage und fordert umgehende Nachbesserungen ...
In seinem heute veröffentlichten Gutachten kritisiert der Expertenrat für Klimafragen die CO2-Prognose der Bundesregierung als zu optimistisch: Die Verfehlung der Klimaziele sei vermutlich größer als angenommen. Auch das im März beschlossene Klimaschutzprogramm der Bundesregierung reiche nicht

Gebäudemodernisierungsgesetz und Neubau von Gaskraftwerken im Kabinett: Deutsche Umwelthilfe kritisiert fossile Rolle rückwärts bei Wärme und Strom ...
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die heutigen Kabinettsbeschlüsse zum Gebäudemodernisierungsgesetz und zum Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) scharf. Im Gebäudesektor wird der Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen rückgängig gemacht, obwohl private Haushalte d


Weitere Mitteilungen von Deutsche Umwelthilfe e.V.


"Report Mainz": Gemüselieferant von Rewe, Edeka, Aldi-Süd und Lidl wegen Umweltverbrechen in Spanien beschuldigt / Staatsanwaltschaft Murcia: "Schweres Verbrechen gegen die Umwelt&quo ...
Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" wird einer der größten Anbieter von Obst und Gemüse Europas für schwere Umweltschäden in der Region Murcia verantwortlich gemacht. Aus der Anzeigeschrift der Staatsanwaltschaft Murcia, die "Report Mainz" exklusiv vor

Neue Produktkonzepte für weniger Plastikverschmutzung - so Sagentia ...
Laut Sagentia, einem Unternehmen der Science Group, kann ein neues Verpackungskonzept für die Auslage einiger Verbraucherprodukte die Plastikverschmutzung beträchtlich reduzieren. (Logo: https://mma.prnewswire.com/media/694130/Sagentia_Logo.jpg ) Der Wissenschafts- und Technologiespe

Zum Tag der Biologischen Vielfalt (22. Mai): WWF benennt die Top 5 der gefährdeten Weltnaturerbestätten [Bilder s.u.] ...
Die schönsten und artenreichsten Regionen unserer Erde sind in akuter Gefahr. Darauf weist der WWF anlässlich des Internationalen Tags der biologischen Vielfalt am Dienstag hin. So stehen zahlreiche Unesco-Weltnaturerbestätten, Rückzugsgebiete für seltene Tier- und Pflanzenarten, aktuell un

Themen in "Report Mainz" Dienstag, 22. Mai 2018, 21:45 Uhr im Ersten / Moderation: Fritz Frey (FOTO) ...
"Report Mainz" bringt am Dienstag, 22. Mai 2018, um 21:45 Uhr im Ersten voraussichtlich folgende Beiträge: - Gemüse auf Kosten der Umwelt - wie deutsche Einkäufer spanische Bauern unter Druck setzen - Instagram und Co. - wie Pädophile ungehindert Internetdienste nutzen


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z