Psychologische Langzeitstudie zeigt: Zeit ist das beste Schmerzmittel gegen Heimweh
ID: 1613215
Wissenschafter der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems untersuchte Heimweh-Empfinden von Auslandsstudierenden.
Heimweh schmerzt. Mehr als das. Es kann zu gesundheitlichen und kognitiven Beeinträchtigungen, Lernschwierigkeiten, Zurückgezogenheit und allgemeinen psychischen Problemen führen. Berücksichtigt man all diese möglichen Konsequenzen, dann wundert es, wie wenig das Phänomen bisher wissenschaftlich untersucht wurde - vor allem, wenn die zunehmende Mobilität und Entwurzelung der Menschen im 21. Jahrhundert berücksichtigt wird. Wissenschafter der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems (KL Krems), der University of Cambridge (UK) und der Universität Konstanz (D) haben sich der Thematik angenommen und eine weltweit einmalige Langzeitstudie zum Heimweh durchgeführt. Erstmals gelang ihnen, die Gefühlswelt Betroffener direkt während eines Auslandsaufenthalt zu erfassen. Das Tool dafür war eine eigens konzipierte Smartphone-App.
Heimwehstudie (nicht) daheim
"Tatsächlich" so erläutert einer der Studienautoren, Prof. Stefan Stieger vom Department für Psychologie und Psychodynamik der KL Krems, "wurden die meisten bisherigen Studien zu einem Zeitpunkt durchgeführt, als die Betroffenen bereits wieder heimgekehrt waren. Die Aussagen der Personen wurden dabei natürlich durch die Erinnerung "gefiltert" und beeinflusst. Genau diesen Einfluss haben wir durch die Entwicklung einer App erstmals eliminieren können." Eine Methode, die es auch erlaubte, die Entwicklung von Heimweh über einen Zeitraum von drei Monaten wissenschaftlich zu analysieren.
Die Ergebnisse der nun in "Environment and Behavior" veröffentlichten Studie überraschten dann zum Teil sogar die Studienautoren. So ergab die Auswertung der Daten, dass Heimweh bereits am Beginn eines Auslandsaufenthalts am stärksten war; danach aber rasch abflaute. Einen kräftigen Effekt der das Heimweh hingegen unterstütze sah das Team in einem Hang zur Neurotik bei den Probanden. Personen, die zu emotionaler Instabilität neigen, empfanden Heimweh stärker als andere Betroffene – genauso wie Personen, die als besonders umgänglich erscheinen, da sie bemüht sind, es allen Personen in ihrem Umfeld recht zu machen. "Das erscheint zunächst vielleicht widersinnig." meint Prof. Stieger dazu. "Doch dieser Zusammenhang lässt sich vielleicht damit erklären, dass solchermaßen veranlagte Personen darunter leiden, dass sie den Wünschen und Bedürfnissen von Freunden und Familie zu Hause nicht mehr in ausreichendem Maße gerecht werden können."
Erste Hilfe gegen Heimweh
Auch Faktoren, die zur Verringerung des Heimwehempfindens beitrugen, konnten im Rahmen der Studie gefunden werden. Diese waren insbesondere die Unterstützung beim Einleben durch die Gasthochschulen, vorherige Auslandsaufenthalte, die freiwillige Bereitschaft, überhaupt ins Ausland zu gehen und die Identifikation mit der Gastnation. Hier waren die Effekte auf Grund der allgemein geringen Intensität des Heimwehs eher schwach, bestätigten aber Ergebnisse aus anderen Studien. Deren Resultate basieren jedoch auf den erwähnten nachträglichen Befragungen. Die Bestätigung durch die aktuelle Studie mit ihrem verbesserten Design ist somit eine wichtige Ergänzung.
Im Rahmen der Studie erfolgte die Befragung der Probanden durch eine eigens entwickelte Smartphone-App. Diese forderte über einen Zeitraum von drei Monaten die Beteiligten auf, einen Heimwehfragebogen zu beantworten. Somit erfolgte die Beantwortung unmittelbar in Phasen, in denen Heimweh empfunden wurde – und nicht Wochen später. Insgesamt nahmen knapp 150 Probanden im Alter von 18 bis 29 Jahren freiwillig an der Studie teil.
Die international publizierte Studie wurde auch dank ihres zukunftsweisenden Erhebungsverfahrens mittels Smartphone-App möglich. Dieses plant Prof. Stieger zukünftig verstärkt in seiner wissenschaftlichen Arbeit einzusetzen. Die KL Krems bestätigt damit ihre innovativen Ansätze zum Erkenntnisgewinn in wichtigen Brückendisziplinen wie u.a. der Medizintechnik, der Psychologie und Psychodynamik. Auch das macht ihre Forschungsarbeit für weltweite Kooperationspartner interessant.
Originalpublikation: The Emergence and Volatility of Homesickness in Exchange Students Abroad: A Smartphone- Based Longitudinal Study. F. M. Götz, S. Stieger & U.-D. Reips. Environment and Behavior, 2018, in press. https://doi.org/10.1177/0013916518754610
Über die Karl Landsteiner Privatuniversität Krems
Die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) ist Wegbereiterin und Katalysatorin für zukunftsorientierte, gesellschaftlich relevante Lehr- und Forschungsbereiche in der Medizin, Psychologie und den Gesundheitswissenschaften. In diesem Sinne fokussiert sie auf ein fächerübergreifendes, international ausgerichtetes Studienprogramm, das eine sinnvolle Ergänzung zum klassischen Ausbildungsangebot der öffentlichen Universitäten darstellt. Mit ihrem europaweit anerkannten Bachelor-Master-System stellt die KL eine flexible Bildungseinrichtung dar, die auf die Bedürfnisse der Studierenden und Anforderungen des Arbeitsmarkts abgestimmt ist. In der Forschung konzentriert sich die KL gezielt auf Nischenfelder in gesundheitspolitisch relevanten Brückendisziplinen wie der Medizintechnik, der Psychologie und Psychodynamik sowie dem Thema Wasserqualität und den damit verbundenen gesundheitlichen Aspekten. Die KL wurde 2013 gegründet und von der Österreichischen Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung (AQ Austria) akkreditiert.
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