Die Polizei löst keine Drogenprobleme
ID: 1613419
polizeiliche Aktivitäten in den Vordergrund. Was Schäden durch
Drogenkonsum stattdessen nachhaltig reduzieren könnte, zeigen
Fachverbände in einer neuen Handreichung für die Politik: "Eine
moderne Drogenpolitik nützt allen"
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und das
Bundeskriminalamt haben heute mit einer Pressekonferenz in Wiesbaden
ihren Bericht zur "Rauschgiftkriminalität 2017" vorgestellt.
Dazu erklärt Prof. Dr. Heino Stöver, Vorstandsvorsitzender des
Bundesverbandes akzept e.V.:
"Bei allem Respekt für Polizeiarbeit: Drogenprobleme löst man
nicht mit strafrechtlicher Verfolgung von Konsumierenden. Der
fortgesetzte Anstieg der Delikte spiegelt einen teuren Kampf gegen
Windmühlen, der Unsummen verschlingt, ohne das Problem zu lösen:
Illegale Substanzen sind heute so leicht und billig zu bekommen wie
nie. Es ist Zeit für neue, wissenschaftlich abgesicherte Wege."
Lösungen für Individuen und die Gesellschaft
Wie individuelle und gesellschaftliche Schäden durch Drogen sich
eindämmen ließen, skizzieren Fach- und Selbstorganisationen in einer
neuen Handreichung für die Politik. Titel: "Eine moderne
Drogenpolitik nützt allen".
akzept, die Deutsche AIDS-Hilfe und JES beschreiben in der
Broschüre kurz und prägnant evaluierte Strategien und Best-Practice
Beispiele aus anderen Ländern. Das thematische Spektrum reicht von
Alkohol und Tabak über "Partydrogen" bis Heroin.
Winfried Holz, Mitglied im Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe
betont:
"Wir können mehr Leben retten, die Gesundheit von Drogen
Konsumierenden besser schützen und viele Menschen davor bewahren,
abhängig zu werden. Zugleich können wir Folgeschäden des
Drogenkonsums für die Gesellschaft erheblich reduzieren. Die Erfolge
moderner drogenpolitischer Interventionen sind eindeutig. Es gibt
keine Rechtfertigung mehr, einfach weiterzumachen wie bisher."
Marco Jesse vom Vorstand des Selbsthilfe-Netzwerkes JES erklärt:
"Wer Schäden durch Drogen begrenzen will, muss zunächst
akzeptieren, dass manche Menschen Drogen konsumieren. Sie brauchen
Unterstützung, um ihre Gesundheit zu erhalten. Damit wird nicht
Drogenkonsum gefördert, sondern Gesundheit. Die massenhafte
Strafverfolgung von Konsumierenden verschärft gesundheitliche
Probleme und schneidet Menschen von Prävention und Beratung ab."
Repression ist erfolglos und teuer
Der Versuch, Drogen durch Repression in den Griff zu bekommen,
gilt mittlerweile international in Fachkreisen als gescheitert. Er
marginalisiert nicht nur Konsumierende, sondern führt auch zu
Schwarzmärkten und verunreinigten Substanzen. Er fördert kriminelle
Strukturen statt sie zu zerschlagen. Zugleich verschlingt der Kampf
in Polizei, Justiz und Gesundheitssystem enorme Ressourcen, die sich
effektiver einsetzen ließen.
Erprobte Maßnahmen, gute Beispiele
Die Broschüre "Eine moderne Drogenpolitik nützt allen" gibt
Impulse, um Kontrolle zu gewinnen. Aus dem Inhalt:
- BtMG auf den Prüfstand: Das Gesetz verfehlt seinen Zweck,
Individuen und Gesellschaft vor Schaden zu bewahren - eine
Reform ist überfällig
- Keine Werbung für Tabak und Alkohol: Beim Konsum der Volksdrogen
ist Deutschland Spitzenreiter, bei den Gegenmaßnahmen
Entwicklungsland
- Ein Nasenspray, das Leben rettet: Ein Notfallmedikament könnte
die Zahl der Drogentoten drastisch senken
- Raum für Sicherheit: Drogenkonsumräume retten Leben, verhindern
HIV- und Hepatitis-Infektionen und beruhigen Wohnumfelder
- Sicher durch die Nacht: Im Nachtleben konsumieren nicht nur
viele junge Menschen zeitweilig Drogen. "Safer Nightlife"
schützt sie vor Abhängigkeit und Gesundheitsschäden.
In Deutschland sterben jedes Jahr rund 1.300 Menschen an den
Folgen des Konsums illegaler Substanzen. Hinzu kommen rund 75.000
Tote durch Alkohol mehr als 120.000 durch Tabakkonsum.
Der Konsum zahlreicher Substanzen, zum Beispiel Cannabis und
Crystal Meth, hat in den letzten Jahren zugenommen.
Bestellung/Download der Handreichung:
https://www.aidshilfe.de/shop/moderne-drogenpolitik-nutzt-allen
Download des Covers als Pressebild (Credit: Deutsche AIDS-Hilfe):
http://ots.de/d071Sh
Keine Entwarnung bei Drogentodesfällen (Pressemitteilung vom
16.6.2018): http://ots.de/WPUiFs
Pressekontakt:
Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht - Pressesprecher
Tel. 030 69 00 87 16
mobil 0171 274 95 11
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de
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Datum: 23.05.2018 - 12:19 Uhr
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