Ärzte ohne Grenzen Jahresabschluss 2017 - EU nimmt Leid von Geflüchteten bewusst in Kauf - Dramatische Krise im Jemen hält an
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Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und der Europäischen Union
scharf kritisiert. "Um weitere Menschen von einer Flucht nach Europa
abzuhalten, wird menschliches Leid vor unserer Haustür bewusst in
Kauf genommen", sagte Florian Westphal, Geschäftsführer der deutschen
Sektion, am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2017 in
Berlin. "Auf dem Mittelmeer sitzen gerade 629 aus Seenot Gerettete
auf dem Rettungsschiff "Aquarius" fest, darunter Schwangere, Menschen
mit Verätzungen und Unterkühlung und 123 unbegleitete Minderjährige.
Währenddessen streiten EU-Staaten darüber, wo diese Menschen von Bord
gehen dürfen." Westphal hat vor Kurzem das Flüchtlingslager Moria auf
der griechischen Insel Lesbos besucht. "Statt menschliches Leid zu
lindern, macht die EU-Flüchtlingspolitik die Menschen dort physisch
und psychisch krank", sagte er. "Das ist eine moralische
Bankrotterklärung für die EU."
Das Lager Moria ist ausgelegt für 3.000 Menschen, derzeit leben
dort jedoch mehr als 7.400. "Moria ist heillos überbelegt", so
Westphal. "Die Lebensumstände und die Hoffnungslosigkeit machen die
Menschen krank. Die Asylprozesse dauern viel zu lang, und die
Verfahren sind für die meisten Geflüchteten vollkommen intransparent.
Sie stecken seit Monaten oder sogar Jahren in Moria fest. Die meisten
kommen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan, und viele haben
Anspruch auf besonderen Schutz. Europa und die Bundesregierung müssen
die Lebensbedingungen der Menschen auf den griechischen Inseln
verbessern und dafür sorgen, dass besonders Schutzbedürftige schnell
auf das griechische Festland weiterreisen dürfen. Asylverfahren
müssen verbessert werden. Menschen müssen auf sicheren und legalen
Wegen nach Europa kommen können und hier Schutz suchen dürfen."
Der Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen Deutschland,
Volker Westerbarkey, machte auf die katastrophale Situation der
Menschen im Jemen aufmerksam. Der Einsatz in dem kriegszerstörten
Land war 2017 einer der größten der Organisation weltweit. Die
Menschen brauchen dringend noch mehr Hilfe. Das Gesundheitssystem ist
zusammengebrochen, es fehlt an Nahrung und sauberem Wasser. "Die
offensichtlichsten Opfer der seit Jahren andauernden Gewalt sind
Menschen, die von Schüssen, Granaten, Minen und bei Luftangriffen
verletzt wurden", sagte Westerbarkey. "Doch auch die grundlegende
Gesundheitsversorgung ist so gut wie weggefallen, sowie medizinische
Hilfe für chronisch Kranke, Schwangere und Kinder." Viele Kinder sind
akut mangelernährt als Folge von Krankheiten, die vermieden werden
könnten. Ohne die notwendigen Impfungen kommen längst überwunden
geglaubte Erkrankungen zurück, wie im vergangenen Jahr die Diphterie
in 15 von 20 Provinzen. Es gab Dutzende Tote, vor allem Kinder. Den
letzten Diphterie-Fall hatte es zuvor 1992 gegeben.
Ärzte ohne Grenzen leistete im Jahr 2017 in rund 70 Ländern
weltweit Nothilfe. Die deutsche Sektion finanzierte mit 136 Mio. Euro
Projekte in mehr als 40 Einsatzländern. Die Gesamtausgaben von Ärzte
ohne Grenzen Deutschland lagen bei 154,6 Mio. Euro, die
Gesamteinnahmen bei 153,6 Mio. Euro. Aus privaten Spenden und
Zuwendungen stammten 147,7 Mio. Euro. Das waren 14,9 Mio. Euro mehr
als im Vorjahr.
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Datum: 12.06.2018 - 11:00 Uhr
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