Pharma-Skandal: Fragwürdige Medikamente wurden in mindestens neun Bundesländern verkauft

Pharma-Skandal: Fragwürdige Medikamente wurden in mindestens neun Bundesländern verkauft

ID: 1632961
(ots) - Im Skandal um in Griechenland gestohlene
Krebsmedikamente, die von der Firma Lunapharm in Brandenburg
vertrieben wurden, sind Patienten in weiten Teilen Deutschlands
betroffen. Dies geht aus einer so genannten Rückruf-Liste des
Gesundheitsministeriums Brandenburg hervor, die dem rbb vorliegt.
Pharmahändler und Apotheken in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hamburg,
Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Sachsen
und Sachsen-Anhalt sind von Lunapharm in den Jahren 2015 bis 2017 mit
den betroffenen Medikamenten beliefert worden.

Nach Erkenntnissen der ARD-Politikmagazins "Kontraste" hatte
Lunapharm aber bereits seit 2013 mit den Krebsmedikamenten aus
Griechenland gehandelt. Betroffen sind 10 verschiedene Arzneien -
griechische Behörden gehen von bis zu 14.000 Packungen aus.
Lieferungen aus den Jahren 2013 bis 2015 sind in der Liste nicht
enthalten. Die griechischen und inzwischen auch die brandenburgischen
Gesundheitsbehörden befürchten, dass die Medikamente unwirksam sein
könnten, weil die Kühl- und Lagervorschriften nicht eingehalten
worden sind. Die griechische Polizei sagte hierzu Anfang Mai 2018,
aufgrund der Lagerung und des Transports gehe man davon aus, dass
diese Medikamente "eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit"
darstellen.

Die Medikamente wurden nach Recherchen des ARD-Politikmagazins
"Kontraste" in Griechenland aus Krankenhäusern gestohlen.
Anschließend wurden sie nach Aussagen griechischer Behörden unter
anderem auf einem Fischmarkt und in Privatwohnungen zwischengelagert,
bevor sie in Koffern per Flugzeug nach Deutschland gebracht wurden,
wo sie dann von Lunapharm vertrieben wurden.

Erst diese Woche riefen die zuständigen Behörden in Brandenburg
die betroffenen Medikamente, von denen viele offenbar bereits
verbraucht wurden, zurück. Zuvor hatte es seitens der Brandenburger


Behörden auch keine Information der Öffentlichkeit gegeben, obwohl
schon Ende 2016 erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten vorlagen.



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