BERLINER MORGENPOST: Von Macht und Medien / Leitartikel von Jörg Quoos zur Pressefreiheit
ID: 1640073
Diffamierungen über die "Lügenpresse" zu entlarven, braucht es eine
kritische Öffentlichkeit, der nicht egal ist, woher ihre
Informationen kommen. Nie war ein mündiger, selbstbewusster Leser
wichtiger als in einer Zeit, in der die Staatslüge salonfähig wird.
Mündig heißt dabei: kritisch, verantwortungsbewusst und realistisch.
Wem saubere, gut recherchierte Information keinen Cent mehr wert ist,
der darf sich nicht wundern, wenn er instrumentalisiert statt
informiert wird. Ja, öffentlicher Rundfunk, Qualitätsmedien -
gedruckt wie online - kosten Geld. Aber nur mit Erlösen ist
unabhängiger Journalismus auf Dauer zu finanzieren. Und wir
Journalisten dürfen uns nicht wundern, wenn der Leser den Medien
zunehmend misstraut, die ihn bevormunden oder ideologisch
beeinflussen wollen.
Der vollständige Leitartikel: Wenn amerikanische Leser heute ihre
Zeitung aufschlagen oder auf deren Webseiten gehen, werden sie alle
auf ein Thema stoßen. Sie werden einen Hilferuf der Chefredakteure
lesen gegen Medienhetze und "Fake News" und gleichzeitig ein
leidenschaftliches Plädoyer für die Freiheit der Presse. Für einen
Tag gilt nicht die Journalistenregel "zehn Chefredakteure, zehn
Meinungen", sondern es herrscht seltene Einigkeit: "Der schmutzige
Krieg gegen die freie Presse muss ein Ende haben." So sieht man es in
der Redaktion des renommierten "Boston Globe", der die Aktion
gestartet hat - und 100 Zeitungen wollen folgen. Die historisch
einmalige Kampagne zeigt, wie verzweifelt die US-Presse mittlerweile
gegen eine Administration kämpft, die alle Spielregeln für den Umgang
von Macht und Medien außer Kraft gesetzt hat. Eine knappe Mehrheit
der republikanisch gesinnten Amerikaner glaubt laut einer jüngsten
Studie offenbar, dass "Medien die Feinde des Volkes sind". Das ist
eine hässliche Nachricht für eine Nation, deren Söhne und Töchter
auch für die Meinungsfreiheit auf Schlachtfeldern in der ganzen Welt
gestorben sind. Das kontinuierliche Diffamieren und Hetzen gegen
kritische Medien hat Früchte getragen. Dabei macht man es sich zu
einfach, wenn man Donald Trump alleine dafür verantwortlich macht.
Ja, der US-Präsident hat nach Zählung der renommierten "Washington
Post" seit Amtsantritt 4500 Unwahrheiten oder Tatsachenverdrehungen
in die Welt gesetzt. Das ist ungeheuerlich, aber es gehören immer
zwei dazu, um Lügen erfolgreich in die Welt zu setzen: der Lügner und
derjenige, der die Lüge glaubt oder keinen Anstoß an ihr nimmt. Um
Lügen, "Fake News" und Diffamierungen über die "Lügenpresse" zu
entlarven, braucht es eine kritische Öffentlichkeit, der nicht egal
ist, woher ihre Informationen kommen. Nie war ein mündiger,
selbstbewusster Leser wichtiger als in einer Zeit, in der die
Staatslüge salonfähig wird. Mündig heißt dabei: kritisch,
verantwortungsbewusst und realistisch. Wem saubere, gut recherchierte
Information keinen Cent mehr wert ist, der darf sich nicht wundern,
wenn er instrumentalisiert statt informiert wird. Ja, öffentlicher
Rundfunk, Qualitätsmedien - gedruckt wie online - kosten Geld. Aber
nur mit Erlösen ist unabhängiger Journalismus auf Dauer zu
finanzieren. Und wir Journalisten dürfen uns nicht wundern, wenn der
Leser den Medien zunehmend misstraut, die ihn bevormunden oder
ideologisch beeinflussen wollen. Die Aktion der amerikanischen
Zeitungen darf man in ihrer Wirkung sicher nicht überschätzen. Aber
sie stößt eine wichtige Debatte an, die nicht nur die Amerikaner
betrifft. Nach jahrzehntelangem Siegeszug stagniert die Demokratie,
und die Pressefreiheit ist erkennbar im Abschwung. Die Organisation
Reporter ohne Grenzen dokumentiert dies eindrucksvoll Jahr für Jahr.
In Russland ist die Pressefreiheit schon lange unter Druck, zunehmend
aber auch in europäischen Ländern wie Polen, Ungarn und Tschechien.
Besonders drastisch ist der Verfall der Pressefreiheit in der Türkei.
Dabei muss man nicht - wie in der Türkei - Journalisten einsperren,
um die Freiheit der Presse zu erodieren. Es genügt, ihre Integrität
zu zerstören. Es ist erschreckend, wie leichtfertig mitunter der
Begriff "Lügenpresse" in der Debatte um die Qualität der Medien
verwendet wird, wie offen Journalisten mittlerweile angefeindet oder
bedroht werden. Daher ist es richtig, sich - wie nun in den USA - zu
wehren. Das sind Medien den Lesern und Zuschauern, die ihnen
vertrauen, schuldig.
Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Telefon: 030/887277 - 878
bmcvd@morgenpost.de
Original-Content von: BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 15.08.2018 - 19:28 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1640073
Anzahl Zeichen: 5088
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 574 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BERLINER MORGENPOST: Von Macht und Medien / Leitartikel von Jörg Quoos zur Pressefreiheit"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST
Allg. Zeitung Mainz: Irritationen / Kommentar von Reinhard Breidenbach zum dritten Geschlecht ...
Es ist wie so oft: Das Bundesverfassungsgericht hat ein gutes Urteil gesprochen, Politik und Interessenverbände wissen aber nichts damit anzufangen, geschweige denn den roten Teppich, der ihnen von Karlsruhe gelegt wurde, zu würdigen. Das Gericht hatte ein drittes Geschlecht anerkannt, damit d
Mitteldeutsche Zeitung: zur Debatteüber einen "Spurwechsel" für Migranten: ...
Zugleich ist der Einwand führender Unionspolitiker, das locke Migranten ohne Asylrecht an, eine Verdrehung: Ja, es wäre besser, sie könnten sich in Branchen mit Fachkräftemangel um Jobs bewerben statt um Asyl. Doch ist es ja gerade die Union, die das dafür nötige Einwanderungsgesetz aus i
Mitteldeutsche Zeitung: zu maroden Brücken in Deutschland ...
Genua ist nicht überall. Eine vergleichbare Katastrophe schließen Experten für Deutschland übereinstimmend aus. In Sachsen-Anhalt kann man gar noch entspannter als beispielsweise im Westen die Brücken von Autobahnen und Fernstraßen passieren. Fast alle sind hier wie im Osten generell im Zu
Rheinische Post: NRW-Innenminister Reul kritisiert Urteil zu Sami A.: "Wasser auf die Mühlen der Extremen" ...
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat das Urteil des nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgerichts zu Sami A. kritisiert und fürchtet "Wasser auf die Mühlen der Extremen". "Die Unabhängigkeit von Gerichten ist ein hohes Gut. Aber Richter sollten immer auch im Blick haben,




