Rheinische Post: Kommentar /
Achse der Not
= VON GEORG WINTERS
ID: 1640501
ist ein symbolischer Akt, der in erster Linie dazu dienen soll, die
Finanzmärkte zu beruhigen und neues Vertrauen in die türkische
Währung zu schaffen. Mit der Erholung der Lira ist das gelungen, aber
die Probleme auf dem Bosporus sind damit nicht gelöst. Wohin die 15
Milliarden Dollar Soforthilfe aus Doha fließen sollen, weiß niemand,
weil Investitionsprojekte sich bekanntlich nicht über Nacht
anschieben lassen. Außerdem decken sie gerade mal zehn Prozent des
jährlichen Finanzierungsbedarfs der Türkei. Ankara braucht
gleichzeitig dringend den Schulterschluss mit Europa. Und das darf
sich gar nicht verweigern, weil es selbst ein valides Interesse an
einer wirtschaftlich gesunden Türkei haben muss.
Katar und die Türkei spielen mit dem Feuer. In Donald Trumps
Wahrnehmung sind jene, die sich mit Amerikas Feinden einlassen, eine
Achse der Bösen, und das ist für beide gefährlich. Will die Türkei
wieder zu einer echten politischen Einflussgröße in der Region
werden, muss sie sich irgendwann den Saudis zu- und von den Kataris
abwenden. Doha unterstützt mit der Türkei und Iran gleich zwei
Länder, die von den Amerikanern sanktioniert werden. Beide sind
politisch isoliert. Das kann nicht so bleiben. Insofern ist die Achse
der Bösen eine Achse der Not und auf Zeit.
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Datum: 16.08.2018 - 21:20 Uhr
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