Börsen-Zeitung: Wo geht's hier lang?,
Kommentar zu Toyota von Sebastian Schmid
ID: 1643757
nur den Weg weisen, sondern gezielt von A nach B bringen. Eine ganze
Reihe von Firmen kämpft darum, eine Schlüsselposition in der Zukunft
der Mobilität einzunehmen: Autohersteller, Zulieferer,
Computerkonzerne wie Apple, Chiphersteller wie Nvidia,
Internetkonzerne wie Alphabet und Fahrdienstleister wie Uber
erwarten, dass die automobile Zukunft selbstredend selbstfahrend
sein wird.
Doch dafür, dass sie uns den Weg in die Zukunft weisen wollen,
scheinen die Konzerne selbst noch nicht besonders genau zu wissen, wo
es langgehen soll. Das aktuellste Beispiel liefert der japanische
Autobauer Toyota. Wenn es um hocheffiziente Fertigung geht, macht den
Japanern - das räumen hinter vorgehaltener Hand selbst Vertreter der
hiesigen Autoindustrie ein - so schnell niemand etwas vor.
Wenn es um Zukunftsthemen wie autonomes Fahren und
Mobilitätsdienstleistungen geht, wirkt der zweitgrößte Autobauer der
Welt bei seinen Versuchen, etwas auf die Beine zu stellen, allerdings
zuweilen unbeholfen und nachgerade planlos. Großzügig wird mit Geld
um sich geschmissen in der Hoffnung, dass irgendwo doch bitte etwas
davon kleben bleibt. Nun werden also 500 Mill. Dollar in den
weltgrößten Fahrdienstleister Uber gesteckt. Zuvor hatte man dem
asiatischen Pendant Grab schon 1 Mrd. Dollar zuteilwerden lassen.
Freundlich formuliert könnte man sagen, Toyota ist bei den global
führenden Mobilitätsdienstleistern relativ früh dabei, während etwa
VW, Daimler und BMW auf kleine, noch unbedeutende Anbieter wie Gett
oder Mytaxi setzen. Allerdings trauen sich die deutschen Hersteller
bei ihren Mobilitätsdiensten zumindest in den Fahrersitz, während es
Toyota scheinbar genügt, als Beifahrer bei diversen Partnern Platz zu
nehmen.
Dass mit einer Investition noch längst kein Ticket für eine
dauerhafte Mitfahrgelegenheit gelöst wurde, sollte sich Toyota
unterdessen bewusst machen. US-Wettbewerber General Motors hatte 2016
ebenfalls rund eine halbe Milliarde Dollar in den kleineren
Uber-Rivalen Lyft investiert, nur um zuzusehen, wie dieser im Herbst
2017 eine Partnerschaft mit dem Erzrivalen Ford einging. GM arbeitet
mittlerweile mit Uber zusammen, wo nun wiederum Toyota einen Fuß in
der Tür hat. Anders als in Kundenbeziehungen entscheidet der
Fahrdienstleister bei Partnerschaften selbst, wo die Reise endet.
Toyota zeigt, dass man nicht autonom fahren können muss, um das
Steuer aus der Hand zu geben.
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Datum: 28.08.2018 - 20:30 Uhr
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