Studie der Deutschen Umwelthilfe: Bioplastik bereitet Kompostwerken große Probleme
ID: 1652105
für die große Mehrheit deutscher Kompostierer Störstoffe - Meist
erfolgt keine normgerechte Kompostierung für einen problemlosen Abbau
- Bioplastik wird oft aufwendig aussortiert und teuer entsorgt -
Große Mehrheit der deutschen Kommunen verbietet Tüten aus Bioplastik
für die Sammlung von Bioabfall - Bioplastik löst keine
Abfallprobleme, sondern verschärft diese - Hersteller und Händler
sollen auf Abfallvermeidung und Wiederverwendung setzen
Die Begriffe "Bioplastik" und "biologisch abbaubar" kennzeichnen
inzwischen eine Vielzahl von Verpackungen und Produkten und sollen
einen besonders umweltfreundlichen Eindruck erwecken. Verbraucher
werden dazu angeregt Tüten, Becher, Teller oder Einweg-Besteck, die
als kompostierbar beworben werden, in der Biotonne zu entsorgen.
Hierzu führte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) im Jahr 2015/16 eine
Umfrage unter rund 1.000 Kompostierungsanlagen in Deutschland
(Bezugsjahr 2015/16) durch. Nachdem eine jahrelang andauernde und
existenzbedrohende Schadenersatzklage des Bioplastiktütenherstellers
Victor-Group in Millionenhöhe gegen die DUH gescheitert ist, werden
die Ergebnisse nun veröffentlicht.
Demnach bereiten biologisch abbaubare Kunststoffe der großen
Mehrheit der Kompostierer ganz erhebliche Probleme. Sie stellen
Störstoffe dar, werden meist nicht normgerecht abgebaut und in den
meisten Fällen aufwendig aussortiert und teuer entsorgt. Nach
Einschätzung des Umwelt- und Verbraucherschutzverbandes sollten
biologisch abbaubare Kunststoffe grundsätzlich nicht in der Biotonne
entsorgt werden. Solange für diese keine Recyclinginfrastruktur
existiert, gehören sie in den Restmüll.
Kurzlebige und ressourcenvergeudende Wegwerfverpackungen sind
nicht durch den Einsatz von Biokunststoffen zu rechtfertigen.
Biologisch abbaubares Plastik ist auch keine Lösung gegen die
Plastikvermüllung der Meere. Vorhandene Ökobilanzen können bislang
keine gesamtökologischen Vorteile von Biokunststoffen im Vergleich zu
Plastik aus fossilem Rohöl belegen. Die DUH fordert deshalb ein Ende
des Greenwashings von Wegwerfverpackungen aus Bioplastik. Stattdessen
sollten Maßnahmen zur Abfallvermeidung umgesetzt und
ressourcenschonende Mehrwegsysteme gefördert werden.
"Für 80 Prozent der befragten Kompostierer stellen biologisch
abbaubare Kunststoffe Störstoffe dar. Entgegen der Werbeaussagen baut
sich Bioplastik bei der Kompostierung oft nur unzureichend ab. Die
biologische Abbaubarkeit von Kunststoffen ist ein Versuch großer
Handelskonzerne und Verpackungshersteller ihre unnötigen
Einwegprodukte grün zu färben. Wir brauchen keine Einwegverpackungen
- egal aus welchem Werkstoff - sondern Mehrwegsysteme zur Schonung
von Ressourcen. Bioplastik hat weder etwas in der Umwelt zu suchen,
noch in der Biotonne", sagt der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen
Resch.
Viele Biokunststoffhersteller setzen anstelle eines geschlossenen
Recyclingkreislaufs auf die Kompostierbarkeit ihrer Produkte und
lassen diese nach der Norm EN 13432 als biologisch abbaubar
zertifizieren. "Unsere Umfrage zeigt, dass in 95 Prozent der
befragten Kompostanlagen biologisch abbaubare Kunststoffe nicht nach
der Norm EN 13432 kompostiert werden. Während sich die Zertifizierung
als biologisch abbaubar auf labortechnische Bedingungen bezieht, ist
der Abbau unter realen Kompostierungsverhältnissen hingegen nicht
gesichert. Beispielsweise wenn die notwendige Temperatur,
Sauerstoffverfügbarkeit, der pH-Wert oder die optimale Feuchte nicht
gegeben sind, wie etwa in der äußeren Schicht der Kompostmiete",
erklärt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.
"Und selbst wenn die Bedingungen der Zertifizierungsnorm EN 13432
eingehalten würden, garantiert auch dies keinen rückstandsfreien
Abbau. Die Norm fordert lediglich einen Zerfall des Kunststoffs
innerhalb von zwölf Wochen zu mindestens 90 Prozent in Teile kleiner
als zwei Millimeter. Der Biokunststoff kann also auch nach der
Kompostierung zu zehn Prozent in großen Kunststoffteilen und zu 90
Prozent als Mikroplastik vorliegen. Die Norm ist ganz offenkundig
Augenwischerei. Sie nutzt vor allem der Bioplastikindustrie, die mit
vermeintlich ökologischen Wegwerfprodukten ein Geschäft machen
möchte", so Fischer.
In vielen Kompostierungsanlagen erreicht Bioplastik noch nicht
einmal den Kompostierungsprozess, weil es unter anderem Probleme beim
Abbau bereitet und schon zu Beginn des Prozesses ausgeschleust wird.
77 Prozent der befragten Anlagenbetreiber gaben an, Einkaufstüten aus
Bioplastik noch vor der eigentlichen Kompostierung in einer
Vorsortierung zu entfernen. Die Entsorgung der aussortierten Stoffe
kostet viel Geld und wird über die Abfallgebühren wieder auf die
Verbraucher umgelegt.
Verbraucher sollten als kompostierbar beworbene Produkte,
Verpackungen oder auch Tüten nicht in der Biotonne entsorgen. Bereits
die Bioabfallverordnung verbietet die Entsorgung von Produkten wie
Verpackungen, Besteck oder Kaffeekapseln aus biologisch abbaubaren
Kunststoffen in der Biotonne.
Die Verwendung von Bioplastikbeuteln für die Sammlung von
Bioabfall ist nach der Bioabfallverordnung unter bestimmten
Voraussetzungen zwar zulässig, wird jedoch auf kommunaler Ebene weit
überwiegend ausgeschlossen. So lehnten nach einer Recherche der DUH
im Jahr 2016 alle Landkreise und kreisfreien Städte Einkaufstüten aus
Bioplastik für die Sammlung von Bioabfall ab - obwohl diese auch
gerade für diesen Zweck vermarktet wurden. Lediglich zwölf Prozent
der Kommunen erlaubten besonders dünnwandige Bioplastikbeutel für die
Sammlung von Bioabfall. Die ganz überwiegende Mehrzahl der Kommunen
sieht Sammelbeutel aus Bioplastik jedoch kritisch, etwa aufgrund
ihres unzureichenden Abbaus, der Gefahr der Verunreinigung des
Komposts mit Mikroplastik und Additiven oder einer unerwünschten
Vorvergärung des Bioabfalls, die zur Freisetzung von Schadstoffen
oder störenden Gerüchen führen kann. Für die Sammlung von Bioabfall
empfiehlt der Umwelt- und Verbraucherschutzverband Papiertüten oder
das Auslegen der Sammelbehälter mit Küchen- oder Zeitungspapier.
Biologisch abbaubare Kunststoffe bauen sich in der Landschaft oder
in den Meeren oft nur ähnlich langsam ab wie konventionelle
Kunststoffe. Bioplastik ist daher nicht die Lösung gegen marines
Littering oder die Vermüllung der Natur. Die Kennzeichnung solcher
Kunststoffe als angeblich "kompostierbar" oder "abbaubar" könnte
sogar dazu führen, dass mehr Plastik in der Umwelt entsorgt wird und
sich die Plastikstrudel in den Meeren vergrößern, befürchtet der
Umwelt- und Verbraucherschutzverband.
Links:
Hintergrundpapier zur DUH-Umfrage unter deutschen Kompostierern:
http://l.duh.de/p180920
Infopapier zu Biokunststoffen: http://l.duh.de/p180920
Weitere Informationen zum Thema Bioplastik: www.duh.de/bioplastik
Kontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de
Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft
0151 18256692, 030 2400867-43, fischer@duh.de
DUH-Pressestelle:
Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de
www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe
Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell
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Datum: 20.09.2018 - 16:37 Uhr
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