Organspende, Digitalisierung, Gutachterstelle und MFA
ID: 1664457
Die Zahl der Organspender in Deutschland ist im ersten Halbjahr
2018 deutlich gestiegen. Wie die Deutsche Stiftung für
Organtransplantation (DSO) berichtete, konnten 484 Spendern Organe
entnommen werden. Das sind 18 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2017.
"Diese Entwicklung ist erfreulich, darf aber nicht darüber
hinwegtäuschen, dass in Deutschland mehr als 10.000 Menschen auf ein
neues Organ warten", meinte Dr. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der
Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), im Vorfeld des 77. Bayerischen
Ärztetages in Nürnberg. Außerdem sei im 1. Halbjahr 2018 in Bayern
die Zahl der postmortalen Organspender von 69 auf 65 leicht
zurückgegangen. "Ich plädiere deshalb für einen dualen Ansatz bei der
Organspende: Diskussion über die Einführung der Widerspruchslösung
und strukturelle Verbesserungen bei der
Transplantationsorganisation", bekräftigte der Vizepräsident. Aktuell
wurde eine breite gesellschaftliche Debatte über die
Widerspruchslösung, wie sie zum Beispiel in Spanien und Österreich
praktiziert werde, angestoßen. "Die Frage der Organspende muss jeder
für sich selbst entscheiden. Da aber rund 80 Prozent der Bevölkerung
einer Organspende positiv gegenüberstehen, sich aber nur 35 Prozent
die Arbeit machen, einen Organspendeausweis auszufüllen, unterstütze
ich die Idee einer Widerspruchslösung", erklärte Rechl. Die
Widerspruchslösung alleine sei aber zu wenig, deshalb müssten
flankierende Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehörten zum Beispiel
verbindliche Freistellungsregeln und mehr Einfluss für die
Transplantationsbeauftragten. Auch die Vergütung der Organentnahme
müsse neu justiert werden.
Digitalisierung: Standards und Datenschutz
Die Digitalisierung mache auch vor dem Gesundheitswesen keinen
Halt, ganz im Gegenteil: Immer wieder stehe ein "smarter Patient" in
der Praxis und hätte gerne Informationen zur Sinnhaftigkeit von
Gesundheits-Apps, würde gerne online mit dem Arzt kommunizieren oder
möchte seine digitale Patientenakte. Erst im September wurde die neue
App "Vivy", die einige Patientendaten elektronisch bündelt, der
Öffentlichkeit vorgestellt. "Der Datenschutz ist im Gesundheitswesen
eine große Herausforderung und darf nicht der Bequemlichkeit geopfert
werden", forderte Rechl. Datenschutz dürfe aber auch kein
K.O.-Argument sein, um die digitale Weiterentwicklung zu blockieren.
Neben der Datensicherheit seien vor allem technische Standards eine
wichtige Voraussetzung für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten und
den Datenaustausch. Hier seien Politik und Industrie gefordert
Standards zu setzen, damit finanzierbare Lösungen implementiert
werden können. "Wenn es einen technischen Standard gibt, der
Datenschutz gewährleistet und die Finanzierung geklärt ist, sind auch
wir Ärzte bereit, unseren Teil zum sinnvollen Einsatz der
Digitalisierung im Gesundheitswesen beizutragen", bekräftigte Rechl.
Qualitätsstandards in der Gutachterstelle
Die Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen bei der Bayerischen
Landesärztekammer (BLÄK) hat im Berichtszeitraum 2017/18 1.050
Verfahren abgeschlossen. Durchschnittlich dauerte ein
Gutachterverfahren 76 Wochen. "Wir legen hohe Qualitätsstandards an
die Verfahren der Gutachterstelle. Im Verlauf eines solchen
standardisierten Verfahrens erhalten die Beteiligten an mehreren
Stellen die Möglichkeit zur Stellungnahme, das sogenannte 'Rechtliche
Gehör'", erklärte Rechl. Dadurch ergäben sich immer wieder
Leerlaufzeiten und die Bearbeitungszeiten verlängerten sich. Auch die
Begutachtung selbst, die in der Regel durch klinisch tätige Fachärzte
des betroffenen Fachgebiets vorgenommen werde, benötige oft mehrere
Monate Bearbeitungszeit. "Wir binden in jedem Verfahren die
Beteiligten intensiv mit ein, deshalb werden die Entscheidungen der
Gutachterkommission häufig akzeptiert", erläuterte Rechl. Das koste
zwar etwas Zeit, liefere aber mehr Verständnis mit dem Ergebnis. Bei
28 Prozent der abgeschlossenen Verfahren wurde ein Behandlungsfehler
festgestellt. In den vergangenen zehn Jahren lag die Fehlerquote in
Bayern zwischen 25 und 33 Prozent. Die bundesweite Quote für das Jahr
2017 lag bei 24,4 Prozent. Bei weiteren 5,9 Prozent wurde ein
Behandlungsfehler festgestellt, die Kausalität wurde aber verneint.
Seit über 40 Jahren sichere die BLÄK mit ihrer Gutachterstelle, dass
Patientinnen und Patienten bei einem vermuteten Schadensfall nicht
allein gelassen werden.
Medizinische Fachangestellte (MFA)
Um sich künftig ganz auf die Fortbildung der MFA konzentrieren zu
können, hat der Verein zur Förderung der Aus- und Fortbildung in den
medizinischen Berufen e. V. - Walner-Schulen - die Berufsfachschule
für Notfallsanitäter an das MKT-Institut für Notfallmedizin- und
Katastrophenschutzausbildung in Bayern gGmbH verkauft. "Die BLÄK und
die Walner-Schulen konzentrieren sich in Zukunft noch mehr auf
attraktive Fortbildungen für MFA", erklärte Rechl.
Pressekontakt:
Bayerische Landesärztekammer
Pressestelle
Dagmar Nedbal
Mühlbaurstraße 16
81677 München
Telefon: 089 4147-268
Fax: 089 4147-202
E-Mail: presse@blaek.de
www.blaek.de
Original-Content von: Bayerische Landesärztekammer, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 26.10.2018 - 11:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1664457
Anzahl Zeichen: 5886
Kontakt-Informationen:
Stadt:
München
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 325 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Organspende, Digitalisierung, Gutachterstelle und MFA"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Bayerische Landesärztekammer (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der 77. Bayerische Ärztetag (BÄT) fasste in seiner Arbeitssitzung in Nürnberg unter anderem folgende Beschlüsse: Medizinstudienplätze Der 77. BÄT fordert, die Anzahl der Studienplätze für Humanmedizin mindestens auf 17.000 pro Jahr zu erhöhen. So viele Studienplätze gab es de
Ausschließliche Fernbehandlung in Bayern im Einzelfall erlaubt ...
Mit zwei Änderungen der Berufsordnung beschlossen die Delegierten des 77. Bayerischen Ärztetages die "ausschließliche Fernbehandlung" zuzulassen und stärkten die "Wahrung ärztlicher Unabhängigkeit" Die Delegierten des 77. Bayerischen Ärztetages machten den Weg für
77. BayerischerÄrztetag: "Versorgung gestalten" ...
Der 77. Bayerische Ärztetag (BÄT) beschloss einen Leitantrag des Präsidiums der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) mit dem Schlagwort "Versorgung gestalten". Inhalte des Antrages lauten: Die Errungenschaften der Informations- und Biotechnologie sollen den Patientinnen und Pat
Weitere Mitteilungen von Bayerische Landesärztekammer
Digitalisierung - Chancen und Herausforderungen ...
Die Informations- und Kommunikationstechnologie ist für Dr. Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) eine der herausragenden Technologien des 21. Jahrhunderts. "Sie gilt es im Gesundheitswesen strukturiert und mit Bedacht zu nutzen, um für Ärzte und Patiente
Angehörige von Intensivpatienten sollten sich nicht überfordern ...
So hilfreich Besuche nahestehender Menschen für einen Patienten auf der Intensivstation sind - Angehörige sollten sich nicht selbst überfordern. Diese Gefahr besteht: Sie gönnen sich selten eine Pause, essen kaum, ihre Gedanken kreisen pausenlos um den Kranken. "Sie brauchen nicht jeden T
Familienhafen und LeFee starten Online-Plattform "Klabautermann Akademie" ...
Der ambulante Kinderhospizdienst Familienhafen aus Hamburg bietet ab sofort über seine Klabautermann Akademie kostenlose Kurse für betroffene Eltern, Geschwisterkinder und ehrenamtliche Betreuer an. Gemeinsam mit der auf den Gesundheitsmarkt spezialisierten LeFee Werbeagentur wurde der Auftritt
Makana - die gute Quelle für Ihr Pferd ...
Die Firma Makana wurde im Jahr 2004 gegründet und gehört damit zu den noch recht jungen Unternehmen. Das Gesamtangebot umfasst auch nicht nur Produkte für Pferde, sondern zusätzlich auch für Hunde und Menschen. Hergestellt werden alle diese hochwertigen Produkte fast ausschließlich in Offenbac




