NOZ: Lucas Gregorowicz: ",Polizeiruf 110' hat viel Luft nach oben"
ID: 1673571
Luft nach oben"
Schauspieler beklagt Widerstand des Senders gegen polnische
Sprache seiner Figur: ARD will keine Untertitel - "Keine besonders
liebsame Aufgabe"
Osnabrück. Schauspieler Lucas Gregorowicz (42), Darsteller des
Kommissars Adam Raczek im "Polizeiruf 110" aus Brandenburg, ist nicht
sonderlich zufrieden mit diesem Job. Im Rückblick erweise er sich als
"schwieriger als gedacht", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung":
"Das Konzept, die Idee, die damals im Raum stand, ist nur sehr schwer
einzulösen. Diplomatisch gesagt: Es gibt noch viel Luft nach oben."
Die Gründe dafür lägen auf der Hand, meinte der 42-Jährige: "Es gibt
jedes Mal einen neuen Drehbuchautor, jedes Mal einen anderen
Regisseur, jedes Mal eine neue Produktion. Das heißt: Bei jedem Film
sind die Spielregeln und Vorlagen wieder anders. Man muss sich immer
wieder neu einstellen, und zwar mit den alten Ansprüchen. Ich
versuche als Kommissar immer, so wenig wie möglich zu reden und zu
erklären, aber in dem Format hat das nun mal eine Tradition. Für mich
ist es allerdings keine besonders liebsame Aufgabe, diese
Erklärstücke lebendig zu machen und mit Situationen zu unterfüttern."
Es sei ein "großer Kampf" gegen Widerstände in der ARD gewesen, dass
seine Figur eines aus Polen stammenden Kommissars in den Krimis
gelegentlich Polnisch spreche, berichtete Gregorowicz weiter: "Als
wir die Folge ,Das Beste für das Kind' drehten, haben wir gegen
großen Druck durchgesetzt, dass wir Polnisch sprechen. Man hat mich
schließlich engagiert, weil ich Polnisch kann - die Figur ist dafür
da, mit den Polen zu kommunizieren. Wie absurd ist es dann, wenn man
zwei tolle polnische Schauspieler verpflichtet, die kein Deutsch
können, aber Deutsch sprechen sollen?" Dagegen half Gregorowicz
zufolge nur Rebellion: "Die ARD wollte partout keine Untertitel, aber
wir haben die Szene unter Protest nur auf Polnisch und nicht auf
Deutsch gedreht. Das ist dann auch durchgekommen und die Leute fanden
es toll." Untertitel seien bei seiner Figur unerlässlich, betonte
Gregorowicz: "Ich kann nicht glauben, die Zuschauer hätten keinen
Bock darauf oder wären zu blöd dafür. Wenn ich nicht Polnisch
sprechen darf, ist das mit der Figur unvereinbar. Einen polnischen
Lkw-Fahrer kann ich nur auf Polnisch befragen, warum brechen wir uns
damit jedes Mal einen ab? Der Polizeiruf hat doch einen Anspruch auf
Authentizität und soziale Relevanz. Das muss man dann auch ausreizen,
sonst ist es für mich als Schauspieler zu langweilig. Kommissar zu
sein allein reicht mir nicht." Das Erste zeigt am Sonntag (25.11.,
20.15 Uhr) den "Polizeiruf 110: Der Fall Sikorska" aus Brandenburg.
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Datum: 23.11.2018 - 10:38 Uhr
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