Cannabis Freigabe - ein politischer Irrweg
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medizinischer Sicht sagt Alexander Taube, Chefarzt der Psychosomatik
der Max Grundig Klinik: "Mich hat die Diskussion über Cannabis
schockiert. Selten wurden in der Rechtsgeschichte Gesetze erlassen,
die derart im Widerspruch stehen zu evidenzbasierten Erkenntnissen
der medizinischen Forschung." Taube bezieht sich dabei auf die
Freigabe von Cannabis in mehreren Bundesstaaten der USA und im
Oktober 2018 in Kanada. Inzwischen entstehen milliardenschwere
Unternehmen mit einem Kerngeschäft rund um Cannabis.
Auch in Deutschland werden seriöse politische Stimmen lauter, die
den Verkauf von Cannabis in beschränktem Rahmen erlauben wollen. Der
Psychiater und Psychotherapeut Taube warnt: "Dem internationalen
Trend zu folgen, wäre für Deutschland ein fataler politischer
Irrweg."
Taube weist in diesem Zusammenhang insbesondere auf eine
aufwändige Studie hin. Das Bundesministerium für Gesundheit hat die
sogenannte CaPRis Studie (Cannabis Potenzial und Risiken) in Auftrag
gegeben. Diese wurde nach 2 Jahren Arbeit vor gut einem Jahr
veröffentlicht. Für diese Untersuchung wurden 2.100 Publikationen aus
5 internationalen Datenbanken zum Thema Cannabinoide, Cannabiskonsum,
Cannabis, Arzneimittel und verwandte Themen von Experten analysiert.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter versicherten an Eidesstatt, ihre
Motivation sei normative Wissenschaft und keine Verfolgung
partikularer Interessen.
Zusammengefasst kommt die Studie zu folgenden Ergebnissen: Auch zu
den vermeintlich klassischen Indikationen "chronische Schmerzen" und
"Spastizität bei neurodegenerativen Erkrankung" (eine krampfartige
Erhöhung der Muskelspannung als Ausdruck einer Nervenerkrankung) war
keine signifikante(positive) Wirksamkeit von Cannabis erkennbar. Bei
psychischen Erkrankungen ist die Datenlage so unzureichend, dass
keine verlässlichen Aussagen getroffen werden können. Ein
therapeutischer Nutzen von pflanzlichen, synthetischen sowie
teilsynthetischen Cannabinoiden wurde nur mit der Indikation
"Übelkeit und Erbrechen bzw. Appetit Stimulation" bei Menschen unter
chemotherapeutischer Behandlung von Krebserkrankungen und HIV/AIDS
nachgewiesen. Längst hinlänglich bekannt sind die - zum Glück
überwiegend reversiblen - unerwünschten Wirkungen von Cannabinoiden.
Katastrophal hingegen sind die gefürchteten Nebenwirkungen einer
durch Cannabis Konsum ausgelösten Schizophrenie. Alexander Taube von
der Max Grundig Klinik sagt: "Vor dem Hintergrund dieser Fakten ist
jede Form einer Legalisierung Unfug und zum Schaden von Menschen."
Auch die Erfahrungen in langer praktischer Tätigkeit widersprechen
der Lockerung der Gesetze. Alexander Taube erinnert an die Behandlung
eines jungen, viel versprechenden und umfänglich begabten Mannes, der
durch Cannabiskonsum schizophren wurde. Eine Remission gelang nicht.
Statt der geplanten akademischen Karriere wurde der Patient ein
Behandlungsfall für den sozialpsychiatrischen Dienst - für den Rest
seines Lebens. Und das ist kein Einzelfall.
Alarmierend sei die Tatsache, so Taube, dass nach der
Veröffentlichung der CAPRis Studie des Bundesgesundheitsministerium
der Deutschen Bundestag seinen einstimmigen Beschluss zu "Cannabis
als Medizin vom 19.1.2017" nicht zurückgezogen und damit einer
nachweislich nicht wirksamen Behandlungsform grünes Licht gegeben
hat.
Fazit: Es gibt nach wissenschaftlichem Kenntnisstand keine
Erkrankung, auf die Cannabinoide irgendeinen positiven Effekt haben,
hingegen ist der schädliche Aspekt gut dokumentiert: Rund 10 Prozent
der Menschen, die jemals in ihrem Leben in welcher Form auch immer
Cannabis konsumiert haben, entwickeln cannabisbezogene Störungen. In
Europa ist die Zahl der Personen, die erstmals eine Suchtbehandlung
wegen cannabisassoziierter Probleme beginnen, von 43.000 im Jahr 2006
auf 76.000 im Jahr 2015 angestiegen. Chronisch erhöht ist auch das
Risiko für respiratorische Erkrankungen. Cannabiskonsum erhöht das
Verkehrsunfallrisiko bis zu einem Faktor von 2,6. Früher
Cannabiskonsum ist mit geringeren Bildungserfolgen assoziiert, mit
affektiven Störungen, psychotischen Störungen und Angststörungen. Die
Suizidalität erhöht sich um Faktoren zwischen 1,5 und 3. Alexander
Taube abschließend: "Es ist verständlich, dass politische und
gesellschaftliche Debatten emotional geführt werden. Im Bereich der
Medizin wurden in den letzten 30 Jahren jedoch erhebliche
Aufwendungen betrieben, um Verfahren und Behandlungen auf
wissenschaftliche Evidenz zu gründen. Für die Cannabis Diskussion
bedeutet dies, dass mit einer Freigabe sehenden Auges die Ebene der
evidenzbasierten Medizin von höchster Stelle verlassen werden würde."
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Dr. Klaus Westermeier Medienbüro
Römerstraße 4
80801 München
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Datum: 13.12.2018 - 15:38 Uhr
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