Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu erfundenen Reportagen des»Spiegel«
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Journalisten, einer Zeitung, eines Magazins, eines Onlineportals, im
TV und Radio. Dennoch wird sie bisweilen mutwillig beschädigt. Meist
von Einzeltätern, übersehen von allen Kontrollinstanzen. Jetzt hat es
den »Spiegel« erwischt. Das Nachrichtenmagazin war nicht der erste
und wird nicht der letzte Betrogene sein - doch war man hier immer
besonders stolz darauf, alle Texte durch die eigene hochgelobte
Dokumentationsabteilung gegenzuchecken. Sie alle im Glaspalast an der
Ericusspitze 1 in Hamburg wurden von einem jungen Redakteur
getäuscht, der getrieben von Eitelkeit und Unsicherheit (er selbst
spricht von der Angst vor dem Scheitern) und der Gier nach Preisen
Geschichten erfand oder sie zumindest fälschte. Journalistenpreise
sind eine begehrte Währung in einer schwer verunsicherten Branche.
Und diese Auszeichnungen gewinnt man eben meist mit Reportagen, für
viele unter uns die Königsdisziplin. Es zählt das Außergewöhnliche,
in Sprache und Inhalt und Exklusivität. Gute Reporter sind häufig
Einzelkämpfer, allein schon deshalb ist Kontrolle schwer. Die Texte
von Claas Relotius waren fast unrealistisch schön, in Sprache und
Inhalt - und exklusiv. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Da ist einer
mit einer großen Zukunft oder ein Blender. Relotius ist nicht der
erste Täter (und zugleich Opfer) in einer Branche, in der Eitelkeit
systemimmanent ist. Dicht dran an den Promis, an den Wichtigen und
Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, Meinung machen, Trainer
»killen«: Für viele ist das ein Aphrodisiakum, besser als Koks, auf
dem viele Pressemenschen talwärts fuhren. Und manche versprachen
mehr, als sie halten konnten und sahen den Ausweg sogar nur im
Selbstmord. Nun sind Selbstüberschätzung oder Scheitern an den
eigenen Ansprüchen nicht Alleinstellungsmerkmale der Journalisten,
doch die werden derzeit überkritisch gesehen. Der Fall Relotius gibt
jenen vermeintlich die Bestätigung: alles Fake News, diese
Lügenpresse. Das ist natürlich Blödsinn. Doch es zeigt: Manchmal ist
der Preis zu heiß. Daran können sich nicht nur die unmittelbar
Geschädigten verbrennen, die Glaubwürdigkeit zu vieler wird so zu
Unrecht beschädigt.
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Westfalen-Blatt
Scholz Stephan
Telefon: 0521 585-261
st_scholz@westfalen-blatt.de
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Datum: 20.12.2018 - 21:00 Uhr
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