BERLINER MORGENPOST: Tegel länger offen lassen / Kommentar von Thomas Fülling
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bleiben - oder nach der BER-Inbetriebnahme endlich geschlossen
werden? Diese Frage sorgt seit Jahren für Streit in Berlin - und
darüber hinaus. Doch zumindest bei den Fluggesellschaften - mit
Ausnahme von Ryanair - war das Votum zu Tegel bislang eindeutig: Der
einst so moderne Innenstadt-Flughafen ist hoffnungslos überlastet und
technisch völlig überaltert. Die Bundeshauptstadt braucht einen neuen
Airport mit moderner Technik und vor allem besserer
Nahverkehrsanbindung.
Dass ausgerechnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr jetzt öffentlich
eine Kehrtwende macht und anregt, die Frage eines Weiterbetriebs von
Tegel neu zu prüfen, ist bemerkenswert und sollte von Berlins
Politikern nicht voreilig vom Tisch gewischt werden. Spohr ist Chef
von Europas größter Airline-Gruppe, die in einem harten weltweiten
Wettbewerb steht. Spohr weiß, wie wichtig es ist, eine
leistungsfähige Infrastruktur zu haben. Gerade im Vorjahr mussten
Kunden der Lufthansa eine bislang einmalige Anzahl von Flugausfällen
und Verspätungen erleben. Auch weil Flughäfen wie Tegel die Grenze
ihrer Leistungsfähigkeit inzwischen überschritten haben.
Nun wachsen die Zweifel, dass der Mitte der 90er-Jahre konzipierte
BER bei seiner Eröffnung - nun vielleicht - im Oktober 2020 die für
den Berliner Luftverkehr ausreichenden Kapazitäten haben wird. Fast
35 Millionen Menschen sind bereits im Vorjahr von und nach Berlin
geflogen, das neue BER-Terminal ist gerade einmal für 22 Millionen
Fluggäste im Jahr ausgelegt. Schon vor Jahren ist die Politik daher
stillschweigend vom viel zitierten Konsensbeschluss zum BER
abgerückt, der auch besagt, dass Schönefeld-Alt geschlossen wird. Die
Abfertigungsgebäude aus DDR-Zeiten werden noch viele Jahre in Betrieb
bleiben. Warum also jetzt nicht noch einmal in Ruhe darüber
nachdenken, Tegel - mit klaren Flugzeit-Einschränkungen - länger zu
nutzen?
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Datum: 16.01.2019 - 21:29 Uhr
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