"Das Märchen von der Inklusion" - Story im Ersten von Radio Bremen am Montag, 21.1., 22:45 Uhr
ID: 1688079
einer Schule. Jeder Mensch kann überall dabei sein, am Arbeitsplatz,
beim Wohnen oder in der Freizeit: Das ist Inklusion. Eine Idee, so
schön wie ein Märchen. Die Radio Bremen-Reportage "Das Märchen von
der Inklusion - Eine Bilanz nach 10 Jahren" von Hanna Möllers schaut
genau hin.
2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention
unterschrieben. Einige Bundesländer haben die Inklusion in der Schule
radikal umgesetzt. In Bremen beispielsweise besuchen jetzt über 80
Prozent aller Kinder mit Behinderung eine Schule zusammen mit Kindern
ohne Behinderung. Doch ob das so märchenhaft ist, wie es klingt,
darüber gibt es große Uneinigkeit.
Das Radio Bremen-Team trifft die 10-jährige Nike. Auf der
Regelschule wurde das Mädchen mit Down-Syndrom von Mitschülern
ausgegrenzt. "Nike kann jetzt prima Basketball spielen, denn das geht
auch allein", sagt ihre Mutter. Sie schickte ihre Tochter lieber
wieder auf eine private Förderschule. Amelie ist 14 Jahre alt, lebt
mit Down-Syndrom und besucht eine Gesamtschule. Sie fühlt sich wohl
dort, will später Fotografin oder Tierwirtin werden. Das sollte
möglich sein, denken auch Eltern, Mitschüler und Lehrer.
Doch selbst wenn die Inklusion an deutschen Schulen teilweise
vorankommt, hat sich auf dem Arbeitsmarkt kaum etwas getan.
Spätestens nach der zehnten Klasse endet, egal in welchem Bundesland,
das inklusive Miteinander. Lukas möchte Lokführer werden. Der geistig
behinderte 18-jährige war auf einer inklusiven Schule und doch
bedeutet das Schulende für ihn: Endhaltestelle "Werkstatt für
Menschen mit Behinderung". Ganze 67 Euro im Monat verdient er dort.
Selbstbestimmt leben kann er davon nicht.
Nur knapp ein Prozent beträgt die Vermittlungsquote von Menschen
aus einer Werkstatt auf den Arbeitsmarkt. Zwar sind Unternehmen in
Deutschland verpflichtet, eine Fünf-Prozent-Schwerbehindertenquote
einzuhalten. Doch sie können sich freikaufen. Und über 60 Prozent der
Unternehmen tun das auch. Eine höhere Strafabgabe lehnen Politik und
Wirtschaft rigoros ab. Das gute Beispiel soll die Arbeitgeber
überzeugen, künftig mehr Menschen mit Behinderung einzustellen. Doch
in den letzten zehn Jahren hat das an den niedrigen Zahlen kaum etwas
geändert.
Der Radio Bremen-Film für "Die Story im Ersten" wirft einen Blick
auf die Inklusion in der Schule, im Arbeitsleben und im Alltag.
Menschen mit Behinderung, Eltern, Lehrer, Arbeitgeber und Politiker
zeichnen das Bild einer zerrissenen Republik. Ist die inklusive
Gesellschaft ein unerreichbares Ideal? Oder braucht sie einfach noch
mehr Zeit? Zehn Jahre Inklusion: eine ernüchternde Bestandsaufnahme.
Ein Märchen - bislang ohne Happy End.
Eine Bremedia Produktion im Auftrag von Radio Bremen für das Erste
© 2019
"Das Märchen von der Inklusion - Eine Bilanz nach 10 Jahren" steht
für akkreditierte Pressevertreterinnen und -vertreter im Vorführraum
des Pressedienstes Das Erste (https://presse.daserste.de) zur Ansicht
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Datum: 17.01.2019 - 13:47 Uhr
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