Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Verkehr
Für ein Tempolimit
Matthias Bungerot
ID: 1689065
Scheuer (CSU) gefahren? Mit zynischen Worten wetterte er jüngst gegen
Argumente einer Expertenkommission, die ein generelles Tempolimit auf
Autobahnen in Deutschland in die Debatte eingebracht hatte. Solche
Vorschläge seien "gegen jeden Menschenverstand", polterte der
Minister. Dabei wird eine solche Debatte seit vielen Jahren geführt -
mit ernsthaften Argumenten. Nicht nur, dass Scheuer die von ihm
selbst berufenen Experten mit dieser Wortwahl zu Witzfiguren
degradiert. Bei einem Blick ins Ausland könnte man meinen, alle
Nationen um uns herum hätten den Verstand verloren: In Dänemark (130
km/h), Tschechien (130), Österreich (130), der Schweiz (120),
Frankreich (130), Luxemburg (130), Belgien und den Niederlanden (120)
gibt es ein solches Tempolimit. Man könnte diese Liste beliebig
fortsetzen, denn laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist die
Bundesrepublik weltweit das einzige Land, in dem es ein generelles
Tempolimit auf Autobahnen noch nicht gibt. All diese Länder haben die
entsprechende Debatte bereits hinter sich, der sich Scheuer mit
lapidaren Sätzen wie: "Wir wollen die Bürger von den Chancen der
Mobilität der Zukunft begeistern und mitreißen" komplett entzieht. So
warnt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat 2017, dass zu schnelles
Fahren "eine der Hauptunfallursachen darstellt und - auch auf
Autobahnen - für zahlreiche schwere Unfälle ursächlich ist". Das
Statistische Bundesamt stellt in seinem Bericht zur Unfallentwicklung
auf den deutschen Straßen im Jahr 2017 fest: "Eine der
Hauptunfallursachen auf Autobahnen ist zu schnelles Fahren." Zu
schnelles Fahren erhöhe zudem die Wahrscheinlichkeit, bei einem
Unfall getötet zu werden. Eine wichtige Entscheidungshilfe für eine
Regierung, die die Zahl der Todesopfer bis 2020 um 40 Prozent senken
will. Langsameres Fahren senkt den Spritverbrauch und führt zu
geringeren Schadstoffemissionen in der Luft. Statt sich mit
wissenschaftlichen Fakten inhaltlich auseinanderzusetzen, macht
Scheuer Stimmung: "Forderungen, die Zorn, Verärgerung, Belastungen
auslösen oder unseren Wohlstand gefährden, werden nicht Realität und
lehne ich ab", sagt er. Mit dieser Stammtisch-Rhetorik gibt Scheuer
der Debatte ums Tempolimit eine Ideologie zurück, die sie längst
verloren hatte. Scheuer sollte die Zeichen der Zeit erkennen und
richtig deuten. Es wird Zeit, dass darüber nicht mehr nur geredet,
sondern auch gehandelt wird.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Original-Content von: Neue Westfälische (Bielefeld), übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 21.01.2019 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1689065
Anzahl Zeichen: 2957
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 440 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Verkehr
Für ein Tempolimit
Matthias Bungerot"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westf (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Den Gewerkschaften droht eine Spaltung wegen der Gaspreis-Bremse. Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis wirft seinem Amtskollegen bei Verdi, Frank Werneke, wegen dessen Sondervotum zur Gas-Krise eine Beschädigung der deutschen Gewerkschaften vor. Werneke fördere ohne Not und wider besseres W
Gewerkschaften gespaltenüber Gaspreis-Bremse: IGBCE-Chef Vassiliadis droht Verdi-Vorsitzendem Werneke ...
Den Gewerkschaften droht eine Spaltung wegen der Gaspreis-Bremse. Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis wirft seinem Amtskollegen bei Verdi, Frank Werneke, wegen dessen Sondervotum zur Gas-Krise eine Beschädigung der deutschen Gewerkschaften vor. Werneke fördere ohne Not und wider besseres W
Energiekrise: NRW will mehr Biogas produzieren ...
Düsseldorf. Die schwarz-grüne NRW-Landesregierung setzt im Zuge der Energiekrise auf die verstärkte Produktion von Biogas. Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) sieht in der Ausweitung der Biogasproduktion ein "notwendiges Instrument", um der aktuellen Energie-Knapp
Weitere Mitteilungen von Neue Westf
Frankfurter Rundschau: Brexit - Planlos in London May spielt nur auf Zeit ...
Nachdem das britische Parlament das Brexit-Abkommen verworfen hat, hat Theresa May nun einen "Plan B" vorgestellt. Der besteht im Kern darin, mit den britischen Abgeordneten und den Spitzen der EU über ihren Plan A zu reden. Die britische Premierministerin spielt offensichtlich auf Ze
Mitteldeutsche Zeitung: zum Tempolimit ...
Es ist höchste Zeit, die Debatte über ein generelles Tempolimit frei von ideologischen Scheuklappen zu führen. Denn die Alternative heißt ja nicht 110 oder 300 Kilometer pro Stunde. Es gibt eine Vielzahl an Lösungen dazwischen. Was spräche dagegen, die Geschwindigkeit auf deutschen Autoba
Mitteldeutsche Zeitung: zu Schäuble und Kramp-Karrenbauer ...
Es ist seit jeher die Methode Schäubles: Treuherzige Unschuld umhüllt einen umso schärferen Kern. Seine Botschaft ist klar: Kramp-Karrenbauer ist für ihn nicht mehr als eine Übergangschefin. Friedrich Merz hat verloren, aber er bleibt im Spiel. Der Kampf um die Nachfolge Merkels ist noch nic
Mitteldeutsche Zeitung: zum Brexit ...
Die Union tritt weiter auf der Stelle, weil sich die Brüsseler Diplomaten immer noch fragen, an welchen Alternativen, vielleicht sogar Zugeständnissen sie denn arbeiten sollten, so lange aus London nichts darüber zu hören ist, was denn zu den Knackpunkten des Brexit-Austrittsvertrages zählt.




