Neue Westfälische (Bielefeld): Kompromiss im Streit um den Strafrechtsparagrafen 219a
Informationsverbot bleibt bestehen
Carolin Nieder-Entgelmeier
ID: 1691700
Paragrafen 219a hat sich die große Koalition auf einen Kompromiss
geeinigt. Aus dem Gesetzesentwurf geht hervor, dass Ärzte und
Krankenhäuser künftig darauf hinweisen dürfen, dass sie
Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Für weitere Informationen müssen
Mediziner jedoch an staatliche Stellen verweisen. Außerdem soll es
eine zentrale Liste mit Ärzten geben, die Abtreibungen vornehmen.
Diese minimalen Verbesserungen täuschen jedoch nicht darüber hinweg,
dass das Informationsverbot für Ärzte bestehen bleibt, ebenso wie die
Strafandrohung von zwei Jahren Gefängnis. Der umstrittene Paragraf,
der Werbung für Abtreibungen verbietet, bleibt bestehen und soll
lediglich ergänzt werden. Anstatt mit einer Streichung des Paragrafen
Rechtssicherheit für Ärzte zu erreichen, will die Bundesregierung die
Informationsmöglichkeiten von Ärzten also weiter einschränken.
Deshalb handelt es sich bei dem Kompromiss in Wahrheit um einen Sieg
der Abtreibungsgegner. Einer kleinen, fundamentalen Gruppe von
Menschen, die seit Jahren Ärzte terrorisiert und mit Strafanzeigen
überhäuft. Das Beispiel der Gießener Ärztin Kristina Hänel zeigt,
welche Macht diese selbst ernannten Lebensschützer in Deutschland
haben. Hänel ist zu einer Geldstrafe in Höhe von 6.000 Euro
verurteilt worden, weil sie auf ihrer Homepage angegeben hatte, dass
sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt und welche Methoden möglich
sind. Sollte der Gesetzentwurf tatsächlich verabschiedet werden,
bleibt die Homepage von Hänel weiter strafbar, obwohl sie Frauen
lediglich informiert. Diese Stimmung wird aktuell auch von
Kirchenvertretern angeheizt. Der Paderborner Moraltheologe Peter
Schallenberg kommentierte die Demonstrationen Tausender Gegner des
Paragrafen am Wochenende mit dem Begriff Kaltschnäuzigkeit.
Schallenberg, der den Vatikan in Sozialfragen berät, wirft den
Demonstrantinnen, die in einer aufgeklärten Gesellschaft
selbstbestimmt und mit uneingeschränktem Zugang zu allen relevanten
Informationen entscheiden wollen, ob sie eine Schwangerschaft
abbrechen möchten oder nicht, vor, dass sie das
Selbstbestimmungsrecht von lebenden Menschen gegen das Lebensrecht
von Ungeborenen ausspielen. Solange die Diskussion weiter so
unsachlich geführt wird und der Paragraf bestehen bleibt, werden
Ärzte kriminalisiert und Abbrüche tabuisiert. Die Folge: Die
Bereitschaft junger Ärzte, Abbrüche vorzunehmen, sinkt. Die Zahl der
Einrichtungen, die Abbrüche vornehmen, ist seit 2003 um 40 Prozent
eingebrochen. Diese Entwicklung gefährdet die Versorgung und damit
das Leben vieler Frauen.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Original-Content von: Neue Westfälische (Bielefeld), übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 29.01.2019 - 20:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1691700
Anzahl Zeichen: 3129
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 453 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kompromiss im Streit um den Strafrechtsparagrafen 219a
Informationsverbot bleibt bestehen
Carolin Nieder-Entgelmeier"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westf (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Den Gewerkschaften droht eine Spaltung wegen der Gaspreis-Bremse. Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis wirft seinem Amtskollegen bei Verdi, Frank Werneke, wegen dessen Sondervotum zur Gas-Krise eine Beschädigung der deutschen Gewerkschaften vor. Werneke fördere ohne Not und wider besseres W
Gewerkschaften gespaltenüber Gaspreis-Bremse: IGBCE-Chef Vassiliadis droht Verdi-Vorsitzendem Werneke ...
Den Gewerkschaften droht eine Spaltung wegen der Gaspreis-Bremse. Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis wirft seinem Amtskollegen bei Verdi, Frank Werneke, wegen dessen Sondervotum zur Gas-Krise eine Beschädigung der deutschen Gewerkschaften vor. Werneke fördere ohne Not und wider besseres W
Energiekrise: NRW will mehr Biogas produzieren ...
Düsseldorf. Die schwarz-grüne NRW-Landesregierung setzt im Zuge der Energiekrise auf die verstärkte Produktion von Biogas. Wirtschafts- und Energieministerin Mona Neubaur (Grüne) sieht in der Ausweitung der Biogasproduktion ein "notwendiges Instrument", um der aktuellen Energie-Knapp
Weitere Mitteilungen von Neue Westf
BERLINER MORGENPOST: Gut gemacht! / Leitartikel von Julia Emmrich ...
Was macht man, wenn der eine Schwarz will und der andere Weiß? Genau: Man trifft sich bei Grau. Das klingt erst mal mittelmäßig. Aber am Ende funktioniert gutes Regieren exakt so: Demokratie ist die Kunst des Kompromisses. Und genau das haben Union und SPD beim Streit um das Werbeverbot für
Mittelbayerische Zeitung: Putins gefährlicher Geheimplan / Wenn nicht alles täuscht, setzt der Kremlchef auf eine kontrollierte militärische Offensive im Osten Europas. ...
Wladimir Putin hält wenig davon, der Öffentlichkeit allzu tiefe Einblicke in sein Privatleben zu geben. Am vergangenen Wochenende zeigte sich der russische Präsident bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Sankt Petersburg nun aber von einer sehr persönlichen Seite. Am Grab seines Bruders Vikto
BERLINER MORGENPOST: Weichen noch nicht gestellt / Kommentar von Dominik Bath ...
Der Konjunktur-Motor in der Hauptstadtregion beginnt zu stottern. Der bevorstehende Brexit und drohende Handelskriege trüben die bislang gute Laune. Das Alarmsignal sollte der Politik zu denken geben. Jahrelang konnten sich vor allem die Landespolitiker in Berlin auf die Stärke der Wirtschaft
FZ: Gefährliche Ignoranz Kommentar der "Fuldaer Zeitung" (Mittwochausgabe) zur Bundeswehr: ...
Ursula von der Leyen sieht charmant aus, wenn sie im weißen Hosenanzug die Truppe besucht. Sie kann auch kämpfen - für ihre Karriere, an deren Höhepunkt sie vermutlich das Kanzleramt sah. Ihr Kampf für eine schlagkräftige Bundeswehr hat entweder gar nicht stattgefunden oder wurde ohne Einsa




