NABU: Mehr Tempo beim Moorschutz

NABU: Mehr Tempo beim Moorschutz

ID: 1692915
(ots) - Zum Welttag der Feuchtgebiete (2.2.) fordert der
NABU von der Bundesregierung mehr Tempo bei der Umsetzung der selbst
gesteckten Ziele im Moorschutz. Moore sind nicht nur wichtige
Kohlenstoffspeicher, sondern auch Lebensraum für zahlreiche Pflanzen
und Tiere und natürliche Wasserreservoirs.

"Die Dürre im vergangenen Sommer war voraussichtlich nur ein
kleiner Vorgeschmack dessen, was im schlimmsten Fall zur Normalität
werden könnte. Wir brauchen daher in Deutschland mehr naturnahe Moore
und eine Umstellung auf eine klimaschonende Moorbodennutzung", sagt
NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Ziel müsse es sein, das Wasser nicht
mehr so schnell wie möglich abzuleiten, sondern so lange wie möglich
in der Landschaft zu halten. Nicht nur zum Wohle von Bekassine,
Moorfrosch und vielen anderen Arten. Ein stabiler Wasserhaushalt und
das Erreichen der gesetzten Klimaschutzziele sei auch im Sinne einer
Landwirtschaft, welche auch in Zukunft in der Lage sein soll,
Lebensmittel zu produzieren. Jährliche Dürrehilfen werde sich
Deutschland nicht auf Dauer leisten können.

Die derzeitige intensive Nutzung durch die Landwirtschaft
verhindert, dass Moore ihre für den Naturhaushalt und den Menschen
wichtigen Funktionen wahrnehmen können. Sie führt sogar dazu, dass
unsere Atmosphäre in Deutschland mit über 35 Millionen Tonnen
klimaschädlicher Treibhausgase jährlich aus landwirtschaftlich
genutzten Mooren weiter aufgeheizt wird.

"Landwirte dabei zu unterstützen, den Wandel der bisher
praktizierten klimaschädlichen Landnutzung zu einer den
gesellschaftlichen Interessen ausgewogenen Produktionsweise zu
gestalten, wäre eine wichtige Aufgabe des zuständigen
Bundeslandwirtschaftsministeriums", so Tschimpke weiter. Daher ist
es wichtig, dass Deutschland sich bei den derzeitigen Verhandlungen


zur Neuausrichtung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP)
für eine zukunftsfähige Landwirtschaft endlich engagiert einbringt.
Um Landnutzer bei Leistungen für den Moor- und Klimaschutz genügend
zu unterstützen, müsse der Moorbodenschutz auch im künftigen
Klimaschutzgesetz eine wichtige Rolle spielen. "Zusätzlich zu einer
Stärkung der GAP beim Klimaschutz, wäre ein Moorklimafonds im
Haushalt der Bundesregierung in Höhe von jährlich 500 Millionen Euro
ein wichtiger Schritt, um den Klimaschutz in diesem Bereich
voranzutreiben", so der NABU-Präsident.

Mit dem Klimaschutzplan möchte die Bundesrepublik Deutschland ihre
Emissionen bis zum Jahr 2050 um bis zu 95 Prozent reduzieren. Ohne
einen ambitionierten Moorschutz wird dieses Ziel nicht zu erreichen
sein.

Daher müssen Moore ein wichtiger Bestandteil des
Klimaschutzgesetzes werden, das die Bundesregierung in diesem Jahr
auf den Weg bringen will.

Besonders in moorreichen Regionen bedeutet die Umstellung der
landwirtschaftlichen Produktion für die Betriebe große
Herausforderungen. Angesichts der langen Vorlaufzeiten von
erfolgreichen Moorschutzprojekten müssen die erste Maßnahmen zügig
geplant und zeitnah umgesetzt werden.

"Neben der Förderung nasser und damit klimaschonender
Bewirtschaftung von Moorböden braucht es auch klare
ordnungsrechtliche Vorgaben auf europäischer sowie auf nationaler
Ebene", so NABU-Moorschutzexperte Felix Grützmacher. "So ist unter
anderem der besonders schädliche und vielerorts praktizierte
intensive Ackerbau auf tief entwässerten Moorstandorten kurzfristig
zu beenden."

Hintergrund: Intakte Moore sind die effizientesten Ökosysteme in
Sachen Kohlenstoffspeicherung. In ihnen lagert weltweit doppelt so
viel Kohlenstoff wie in allen Wäldern der Erde. In Deutschland sind
mit über 45 Millionen Tonnen Treibhausgase aus Mooren diese nach den
energiebedingten Emissionen die zweitgrößte Einzelquelle. Der größte
Teil stammt dabei aus der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung von
Moorböden. Im Landwirtschaftssektor betragen sie ca. 30 Prozent an
den Gesamtemissionen. Deutschland war in großen Teilen ursprünglich
ein Moorland. Von ca. 1,5 Millionen Hektar sind heute jedoch nur noch
rund fünf Prozent naturnah. Der Rest wurde entwässert, land- und
forstwirtschaftlich genutzt, bebaut oder für den Torfabbau in
Anspruch genommen.

Mehr Infos: www.NABU.de/moorschutz



Pressekontakt:
Felix Grützmacher, NABU-Moorschutzexperte, Mobil +49 (0)173.16722 91,
E-Mail: Felix.Gruetzmacher@NABU.de

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Datum: 01.02.2019 - 10:56 Uhr
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