Rheinische Post: Gutachten: Firmen ohne Meisterzwang geben häufiger auf und bilden seltener aus

Rheinische Post: Gutachten: Firmen ohne Meisterzwang geben häufiger auf und bilden seltener aus

ID: 1702807
(ots) - Die Lockerung des Meisterzwangs vor 15 Jahren
hat offenbar nicht die von der damaligen rot-grünen Bundesregierung
gewünschte Wirkung erzielt. Trotz eines massiven Booms und
zahlreicher Neugründungen in den zulassungsfreien Berufen gaben viele
Betriebe aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks und fehlender Qualität
schon bald wieder auf. Das belegt ein Gutachten der Düsseldorfer
Wettbewerbsökonomen Justus Haucap und Alexander Rasch im Auftrag des
Zentralverbands des Deutschen Handwerks, aus dem die Düsseldorfer
"Rheinische Post" (Freitag) zitiert. Während in den Berufen mit
Meisterzwang 70,1 Prozent der Betriebe fünf Jahre nach ihrer Gründung
noch existierten, waren es bei den Berufen ohne Meisterzwang gerade
einmal 45,9 Prozent. Die Bestandsfestigkeit der Unternehmen ist
bedeutsam, weil Kunden bei Gewerken oft erst im Laufe der Zeit
erkennen können, wie qualitativ hochwertig diese ausgeführt wurden:
"Im Falle nur zeitverzögert erkennbarer Qualitätsmängel ist eine
Gewährleistung besonders bedeutsam, für welche wiederum der
Fortbestand beziehungsweise Bestandsfestigkeit des
leistungserbringenden Betriebes wichtig ist", schreiben die Autoren.
Neben dem hohen Druck durch Konkurrenz führen die Experten als
Erklärung für die Standfestigkeit der Meisterbetriebe die erworbene
Kompetenz eines Handwerksmeisters an. "Dies kann zum einen positiv
für die Qualität der Leistungen und damit die Kundenzufriedenheit
sein." Zum anderen argumentieren sie damit, dass der Meister ja
bereits Geld in seine Ausbildung, also sein Humankapital, gesteckt
habe und deswegen weniger schnell aufgebe. Unterschiede stellten sie
auch bei der Ausbildung fest: So zeige sich "insbesondere in den
letzten zehn Jahren in den zulassungsfreien Handwerken ein stärkerer
Rückgang der Ausbildungsleistungen als in den zulassungspflichtigen


Handwerken, in denen zudem seit 2015 eine Stabilisierung der
Ausbildungszahlen zu beobachten ist", während die Anzahl in den
zulassungsfreien Handwerken weiter rückgängig sei, schreiben Haucap
und Rasch.



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