Fünf Jahre nach Entführung von Chibok / Noch immer verschleppt Boko Haram junge Frauen in Nigeria
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276 Schülerinnen aus einem Internat in der Stadt Chibok im Nordosten
Nigerias verschleppt hat, befinden sich noch mindestens 100 Mädchen
in der Gewalt der Entführer. Genauso wie tausende weitere Mädchen,
deren Schicksale es nicht in die Weltöffentlichkeit geschafft haben.
Noch immer werden in Nigeria regelmäßig Mädchen und Frauen entführt -
ihre Zahl wird seit Ausbruch der humanitären Krise in der Region um
den Tschadsee vor zehn Jahren auf über 2000 geschätzt. Sie werden
vergewaltigt, geschlagen, geschwängert oder als
Selbstmordattentäterinnen missbraucht.
"Wir müssen verhindern, dass diese Mädchen weiterhin als
Kriegswaffen für den Terror instrumentalisiert werden. Gleichzeitig
müssen wir erkennen, dass wir es ohne sie nicht schaffen werden,
diese Krise zu überwinden", warnt Maike Röttger, Geschäftsführerin
der Kinderhilfsorganisation Plan International Deutschland.
Auch zehn Jahre nach Ausbruch der humanitären Katastrophe ist Boko
Haram noch immer in großen Teilen von Nigerias Nordosten sowie in den
angrenzenden Ländern Kamerun, Niger und Tschad aktiv. Millionen
Menschen sind weiterhin auf der Flucht. Elf Millionen Menschen sind
täglich auf Hilfe zum Überleben angewiesen, die Hälfte davon Kinder.
Der Jahrestag der Entführung von Chibok am 14. April zeigt, wie sehr
Mädchen und junge Frauen in dieser Region traditionell unterdrückt
werden - eine Tatsache, die letztlich auch Mitauslöser und Treiber
dieser humanitären Krise ist.
Maike Röttger: "Das perfide Ziel von Boko Haram ist es, Bildung
für Mädchen und Frauen zu verhindern. Deshalb ist es umso wichtiger,
dass wir ihnen zuhören und ihre Stärke erkennen. Gemeinsam mit ihnen
können wir es schaffen, tradierte Rollenmuster aufzubrechen und so
den Kreislauf aus Armut, Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und fehlenden
Perspektiven zu durchbrechen - Faktoren, die wie Treibstoff für die
zunehmende Radikalisierung junger Menschen durch Boko Haram wirken."
Eine Studie von Plan International zur Situation von Mädchen in
der Tschadsee-Region hat gezeigt, dass Angst vor Überfällen und
Entführungen durch Aufständische sowie vor sexueller und physischer
Gewalt ihren Alltag bestimmen. Die Gefahr geht dabei nicht nur von
Boko Haram aus, sondern auch von Sicherheitskräften, Nachbarn oder
der eigenen Familie. Jedes fünfte Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren
gab in der Befragung an, im vergangenen Monat geschlagen worden zu
sein. Nahezu alle Mädchen berichteten, keinen Einfluss auf ihr Leben
zu haben.
Plan International hat ein länderübergreifendes Programm in
Nigeria, Niger und Kamerun, das vor allem Kinder und Jugendliche
sowie von Gewalt betroffene junge Frauen im Fokus hat. Da Schulen
bevorzugte Ziele von Terrorakten durch Boko Haram sind, führt Plan
auch das Pilotprojekt "mobile Schulen" durch, bei dem Lehrkräfte in
entlegene Dörfer fahren, um dort Kinder zu unterrichten, deren
Schulen zerstört wurden oder deren Schulwege zu gefährlich sind. So
soll verhindert werden, dass Mädchen und Jungen über Jahre Bildung
verloren geht.
Ergebnisse aus der Plan-Studie zur Situation von Mädchen in der
Tschadsee-Region:
- Jedes dritte befragte Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren fühlt
sich im häuslichen Umfeld nicht sicher.
- Laut Aussage der Mädchen sind sie seit der Krise einem noch
größeren Risiko ausgesetzt, vor ihrem 18. Geburtstag
zwangsverheiratet zu werden. Über die Hälfte der verheirateten
Mädchen in der Region ist bei der Hochzeit zwischen 14 und 15
Jahre alt.
- Mehr als die Hälfte der Mädchen gab zudem an, in letzter Zeit
hungrig schlafen gegangen zu sein, weil es nicht genügend
Lebensmittel gibt.
- Besonders kritisch ist die Situation für Mädchen, die von ihren
Familien getrennt wurden: Um ihr Überleben zu sichern, arbeiten
sie oft als Hausangestellte in sklavenähnlichen Verhältnissen.
Viele von ihnen berichten, von ihren Arbeitgebern sexuell
missbraucht oder vergewaltigt worden zu sein.
- Fast ein Zehntel der Mädchen gab an, kürzlich sexualisierte
Gewalt erlebt zu haben.
- Der Report zeigt nicht nur auf, wo die Probleme liegen, er gibt
den Mädchen auch eine Stimme, um ihre Träume und Bedürfnisse zu
beschreiben. So wünscht sich ein Großteil von ihnen
Berufstrainings, um die Familie finanziell unterstützen zu
können. Gleichzeitig war den meisten Mädchen der Besuch einer
Schule sehr wichtig.
Pressekontakt:
Plan International Deutschland e.V.
Sabine Marxen, Leiterin des Presseteams, Tel. 040 61140-278,
presse@plan.de
Anabela Brandao, Pressereferentin, Tel. 040 61140-146, presse@plan.de
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Datum: 11.04.2019 - 11:23 Uhr
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