Tropenwald: Datenbasierte Vorhersage schont Boden, Klima und Geldbeutel / Landbesitzer in Mittelamerika von nachhaltiger Wiederaufforstungüberzeugen
ID: 1718676
Investmentfirmen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten Monokulturen
mit nichtheimischen Baumarten wie Teak entstehen, die möglichst
schnell wachsen, großflächig durch Kahlschläge abgeholzt und flott
vermarktet werden: Mit ökologischen Folgen wie Bodenerosion, Verlust
der Artenvielfalt, Schadstoffeintrag durch Dünge- und
Pflanzenschutzmittel. Eine Alternative stellen Mischwälder mit
heimischen Baumarten dar, die umweltschonender bewirtschaftet werden
können. Damit ein Umdenken erfolgt und ansässige Landbesitzer
überzeugt werden können, dass sich das Aufforsten nachhaltiger
tropischer Mischwälder langfristig auch finanziell auszahlt, will die
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zusammen mit der Firma PuroVerde
in Costa Rica ein datenbasiertes Entscheidungshilfesystem entwickeln.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das neue Projekt
fachlich und finanziell mit rund 400.000 Euro.
Nachhaltige Mischwälder mit heimischen Baumarten statt
Monokulturen
DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: "Um die Ziele des Pariser
Klimaschutzabkommens zu erreichen, ist der weltweite Schutz der
Wälder als Kohlenstoffspeicher von zentraler Bedeutung." Die
Wiederbewaldung sei eine einfache und wirkungsvolle Methode, das
Treibhausgas Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu ziehen. Doch seien
vor allem im tropischen Regenwald bereits viele Millionen Hektar
unter anderem dem exportorientierten Ananas- oder Sojaanbau zum Opfer
gefallen. Costa Rica habe darauf mit einem Abholzungsverbot reagiert:
Nachdem der Baumbestand 1987 etwa 21 Prozent der Landesfläche
ausgemacht habe, seien heute wieder 50 bis 60 Prozent bewaldet.
"Problematisch ist aber, dass für die Forstwirtschaft hauptsächlich
exotische Baumarten wie Teak in Monokulturen angebaut werden, die
nach 16 bis 20 Jahren in großflächigen Kahlschlägen gefällt werden -
mit großen umweltbelastenden Folgen", sagt Prof. Dr. Marc Hanewinkel
von der Universität Freiburg. Dieser Trend soll durch
Mischwaldkonzepte mit verschiedenen heimischen Baumarten, die sich
zugunsten der Boden-, Wasser- und Lebensraumqualität auswirken,
aufgehalten werden. Der Aufbau solcher Wälder erfordere umfangreiche
Kenntnisse über das Bewirtschaften und das Bewerten von Märkten und
Preisentwicklungen, um sie für Investoren interessant zu machen.
Klimasensitives Wachstumsmodell soll Waldentwicklung vorhersagen
Stefan Pröstler, Leiter des Projektverbunds FuturoVerde, zu dem
auch die Firma PuroVerde gehört: "Für ein Umdenken muss noch viel
Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn die Landbesitzer sind sehr
skeptisch, ob das alles funktioniert und sich finanziell auch lohnt."
Das noch zu entwickelnde prozessbasierte Entscheidungsinstrument soll
dabei helfen. Konkret soll ein klimasensitives Wachstumsmodell für
einheimische Baumarten ausgerichtet und für Vorhersagen der
Waldentwicklung genutzt werden. Das Entscheidungshilfesystem soll
übertragbar und damit auch in anderen tropischen Ländern nutzbar
gemacht werden. Am Ende werden die Forschungsergebnisse in ein in der
Praxis anwendbares Managementhandbuch überführt. Eine nachhaltige
Wiederaufforstung in den Tropen stelle im doppelten Sinn einen Gewinn
dar: Neben dem ökologischen Nutzen eines naturnahen Waldes mit
einheimischen Baumarten wie Guapinol, Almendro und Cebo biete sich
den Landbesitzern wieder eine dauerhafte wirtschaftliche Perspektive.
Außerdem könne der Mischwald vielen Tier- und Pflanzenarten als eine
Art Verbindungskorridor dienen, wenn ursprünglich gebliebene
Regenwälder angrenzten.
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Datum: 09.05.2019 - 09:14 Uhr
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