neues deutschland: Kommentar zum Verbot des»Kinderkopftuchs« in Österreich: Stigma statt Integration
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beobachten: Die Zahl der Erstklässlerinnen, die im Unterricht ein
Kopftuch tragen, wächst. Dies, obwohl selbst konservative Imame
meinen, dass Mädchen es erst aufsetzen sollten, wenn sie in die
Pubertät kommen. Aus freien Stücken entscheiden sich aber auch
Teenager häufig nicht für das Kopftuch.
Ein Verbot des »Kinderkopftuchs«, wie es die rechtskonservative
Koalition in Österreich jetzt beschlossen hat, stärkt Mädchen jedoch
nicht. Im Gegenteil: Es vertieft die Gräben zwischen islamophober
Mehrheitsgesellschaft und konservativen Muslimen. Und es fördert
Radikalisierungstendenzen bei letzteren. Denn das Verbot richtet sich
ausdrücklich nicht gegen Kleidungsstücke, die die Zugehörigkeit zu
anderen Glaubensgemeinschaften symbolisieren. Zudem sind
Bildungseinrichtungen in Österreich, anders als etwa in Frankreich,
eben nicht generell eine religionsfreie Zone.
Weil das auch in der Bundesrepublik so ist, wäre ein
Kopftuchverbot, wie es die Organisation Terre des Femmes sogar bis
zur Volljährigkeit fordert, ähnlich verheerend wie im Nachbarland.
Denn in vielen Bundesländern zieren christliche Kreuze die
Klassenräume, und es gibt Religionsunterricht, aber meist nur
christlichen. Solange Schulen nicht weltanschaulich neutrales Terrain
sind, würde jedes Kopftuchverbot Ausgrenzung, Stigmatisierung und
damit die von Politikern beklagte Bildung von Parallelgesellschaften
fördern.
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Datum: 16.05.2019 - 18:06 Uhr
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