Studie: Die Energiewende kann naturverträglich gelingen / Wuppertal Institut zeigt Lösungsweg auf
ID: 1721361
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich Anfang der Woche positiv zu
Frankreichs Initiative zur Treibhausgasneutralität der EU bis 2050
geäußert. Deutschland kann dazu einen Beitrag leisten und bis Mitte
des Jahrhunderts Treibausgasneutralität erreichen - und zwar
naturverträglich! Zu diesem Ergebnis kommt eine vom NABU beauftragte
und heute in Berlin vorgestellte Studie "Strategien für eine
naturverträgliche Energiewende". Die Meta-Studie zeigt, dass sowohl
Klimaschutzziele erreicht werden können und gleichzeitig ein hohes
Naturschutzniveau erhalten bleiben kann.
Es ist grundsätzlich möglich, die energiebedingten
Treibhausgasemissionen Deutschlands bis Mitte des Jahrhunderts
gegenüber 1990 um bis zu 100 Prozent zu reduzieren, so das Fazit des
Gutachtens. Das Wuppertal Institut untersuchte für den NABU dazu
vorliegende Energieszenarien und identifizierte daraus diejenigen
Klimaschutzstrategien, die bisher deutlich unterrepräsentiert sind
und künftig deutlich stärker gefördert werden sollten. Dazu zählen
Photovoltaik, Steigerung von Energieeffizienz, Förderung natürlicher
Senken und Ressourcenschutz.
"Wir brauchen die Energiewende für wirksamen Klimaschutz. Aber
entscheidend ist, dass wir dabei Natur und Umwelt nicht zerstören.
Wir können nicht einfach den Kohle- durch Windstrom ersetzen, sondern
müssen zunächst versuchen, deutlich weniger Energie zu verbrauchen.
Hier brauchen wir ordnungspolitische Rahmenbedingungen und auch die
Verbraucherinnen und Verbraucher müssen ihren Teil dazu beitragen.
Außerdem müssen natürliche Kohlenstoffspeicher wie Moore verstärkt in
den Fokus rücken", sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Neben einem
nachhaltigeren, ressourcenschonenderen Lebensstil müssten mehr
Maßnahmen in die Steigerung der Energieeffizienz fließen. Im
Gebäudesektor würde eine steuerliche Abschreibung bei der
Gebäudesanierung schnell mehr Effizienz bringen. Auch eine gut
umgesetzte CO2-Bepreisung würde effiziente Technologien in allen
Sektoren fördern.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien führt auch zu einem
steigenden Druck auf Flächen. "Erneuerbare-Energie-Anlagen sind immer
auch Eingriffe in den Naturraum. Schlecht geplante und platzierte
Windenergieanlagen können gravierende Folgen für Fledermäuse und
Vögel haben. Durch die Bauwerke verlieren die Tiere Lebensraum oder
sie sterben durch Rotoren. Der großflächige Energiepflanzenanbau zur
Biogaserzeugung kann sich auch negativ auf Insekten, Vögel und
anderen Tiere auswirken, weil ihnen Lebensräume verloren gehen", so
NABU-Präsidiumsmitglied Heinz Kowalski. Stattdessen sei es dringend
notwendig, die Nutzung von Photovoltaik auszubauen, künftige
Förderinstrumente entsprechend auszurichten und vorhandene Hürden zu
minimieren, so die Expertise des Wuppertal Institut-Gutachtens. "Ein
deutlich stärkerer Ausbau der Photovoltaik gegenüber den letzten
Jahren wäre ein wichtiger Baustein für das Erreichen der deutschen
Klimaschutzziele und könnte zur gesellschaftlichen Akzeptanz sowie
zur Naturverträglichkeit der Energiewende beitragen", so Dr. Sascha
Samadi vom Wuppertal Institut.
Der NABU begrüßte die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel diese
Woche beim internationalen Petersberger Klimadialog in Berlin, dass
sich Deutschland der Initiative unter Frankreichs Präsident Emmanuel
Macron anschließen wolle, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen. Die
Kanzlerin hatte gesagt, dass nicht darüber diskutiert werden müsse,
"ob wir es erreichen können, sondern wie können wir es erreichen."
Aus NABU-Sicht liefert die Studie hier einen guten Ansatz, wie die
Treibhausgasneutralität bis 2050 erreicht werden kann mit einem
möglichst geringen Einfluss auf das Ökosystem. "Klimaschutz ist neben
dem Umbau des Energiesystems und der Förderung erneuerbarer Energie
vor allem auch die Förderung natürlicher Senken und Wälder. Deshalb
arbeiten wir daran, Moore zu renaturieren und zu schützen und mehr
Totholz in Wäldern zu belassen. Das hilft nicht nur dem Klima, es ist
auch ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt", so
Kowalski.
Mehr Infos:
www.nabu.de/energiewende/studie
Studie zum Download
www.nabu.de/energiewende/pdf
Pressekontakt:
Heinz Kowalski, NABU-Präsidiumsmitglied, Mobil +49 (0)160-8856396,
Heinz.Kowalski@NABU.de
Sebastian Scholz, NABU-Leiter Energiepolitik und Klimaschutz,
Tel. +49 (0)30-28 49 84 1617, E-Mail: Sebastian.Scholz@NABU.de
Dr. Sascha Samadi, wissenschaftlicher Mitarbeiter im
Forschungsbereich Sektoren und Technologien am Wuppertal Institut für
Klima, Umwelt, Energie gGmbH,, Tel. +49 (0) +49 202 2492-107,
E-Mail: sascha.samadi@wupperinst.org
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Datum: 17.05.2019 - 09:49 Uhr
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