Gorch Fock: Rekonstruierte E-Mails deuten auf Betrug an der Marine
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bislang bestritten, die Deutsche Marine bei der Instandsetzung der
Gorch Fock betrogen zu haben. Doch jetzt konnten gelöschte E-Mails
rekonstruiert werden, die dem NDR vorliegen. Die ehemaligen
Geschäftsführer geraten so weiter unter Druck.
Als die beiden Geschäftsführer Klaus Wiechmann und Marcus Reinberg
am 31. Januar diesen Jahres aus dem Vorstand der Werft entlassen
wurden, blieb den beiden Managern nicht viel Zeit, belastendes
Material zu vernichten, der neue Vorstand stand bereits auf dem Hof.
Die von den Servern der Elsflether Werft rekonstruierten E-Mails
könnten nun den Betrug an der Deutschen Marine belegen, organisiert
von den ehemaligen Geschäftsführern der Elsflether Werft.
Aus den E-Mails geht hervor, dass der Vorstand der Elsflether
Werft mit den bei der Instandsetzung der Gorch Fock beschäftigen
Unterauftragnehmern mündlich Vergünstigungen nach Auftragserteilung
vereinbart hatte. Doch die erzielten Vergünstigungen wurden nicht an
den Auftraggeber weitergeleitet, die Werft behielt den Rabatt ein.
In einem Schriftwechsel Anfang 2018 tauschten sich die beiden
Vorstände Reinberg und Wiechmann darüber aus, wie man mit den
nachträglich korrigierten Rechnungen zukünftig verfahren solle.
Offenbar suchten die beiden Manager eine Möglichkeit, wie man die
nachträglichen Rechnungskorrekturen abrechnet, damit sie nicht
auffallen. Bis dato wurden der Werft - das geht aus den E-Mails
hervor - von den beschäftigten Unterauftragnehmer Gutschriften in
Höhe von 15 Prozent gewährt.
In einer E-Mail vom 11. Januar 2018 schrieb Klaus Wiechmann an
seinen Vorstandskollegen Marcus Reinberg: "Kannst du bitte prüfen
lassen ob es eine Möglichkeit gibt mit der wir der '15%
Rechnungskorrektur' bei den Unterauftragnehmern aus dem Weg gehen
können."
Das Problem an der nachträglichen Rechnungskorrektur ist: Der
Vertrag zwischen Werft und Marine sieht vor, dass nachträglich
erzielte Preisreduzierungen an die Marine weiterzureichen sind. Diese
Vertragsabsprache wurde von beiden ehemaligen Managern offenbar nicht
eingehalten.
Wiechmann schrieb weiter: "Am Ende sind wir durch die erteilten
Gutschriften i. H. v. 15% immer angreifbar weil wir sie nach
Ausschreibungsordnung an die Marine weiterreichen müssten. [...]
Daher ist die Idee bspw. über eine Art Rahmenvertrag eine
Aufwandsentschädigung i. H. v. 15% abgelten zu können."
Marcus Reinberg schrieb daraufhin in seiner Antwort-E-Mail vom 15.
Januar 2018 zurück: "Wenn ich das richtig verstehe, geht es um
'unsere' 15 %." Und weiter: "Lass mich mal überlegen, was gehen
könnte wäre vielleicht: Eine Art Umsatzmiete [...]
Vermittlungsprovision vielleicht oder so eine Art
Abrechnungs/Bearbeitungspauschale. Vielleicht auch ein Mix aus
allem?!?"
Wiechmann betonte in seiner Antwort nochmal, dass die Praxis nicht
legal sei: "Dennoch ist es so, dass wir den erstatteten Betrag, also
Gutschriften, Rabatte etc., eigentlich lt. Ausschreibung an die
Marine weitergeben müssten. Ich denken [sic] auch, dass es über eine
pauschale Regelung funktionieren kann..." Daraufhin antwortet eine
weitere Kollegin an Wiechmann und Reinberg: "In diesem Fall ist es
nicht gleich offensichtlich."
Reinberg bestritt bislang, von einem möglichen Betrug der Werft an
der Marine Kenntnis zu haben. In einem Interview mit Panorama die
Reporter, das vor wenigen Wochen geführt wurde, wies er den Vorwurf
zurück. Es habe keine falschen und überhöhten Abrechnungen gegeben.
Das "hätte ich auch, wie Sie sich vorstellen können, in keiner Weise
genehmigt oder dem zugestimmt." Angesprochen auf den Betrug mit den
15 Prozent sagte Reinberg damals: "Was sich dahinter verbirgt weiß
ich nicht. Ich würde das gerne mal lesen, was die uns angeblich
vorwerfen. Ich kenne das bisher nicht, aber ich bin da hoch
gespannt."
Der nun aufgetauchte Schriftwechsel legt nahe, dass Reinberg sehr
wohl Kenntnis von den Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen hatte.
Auf Vorhalt wollte er sich zu den E-Mails selbst nicht äußern.
Wiechmann hat auf eine Anfrage des NDRs nicht reagiert.
Gegenüber dem NDR bestätigt der aktuelle Geschäftsführer der
Elsflether Werft Axel Birk, dass die ehemalige Werftführung
nachträgliche Rabatte entgegen der vertraglichen Vereinbarung mit der
Marine nicht weitergeleitet hat.
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die beiden
ehemaligen Vorstände, wegen des Verdachts auf Betrug an der Deutschen
Marine.
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Presse und Information
Bettina Brinker
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Datum: 24.05.2019 - 10:54 Uhr
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