Rheinische Post: Kommentar /
Ein echter Plan für mehr E-Autos sieht anders aus
= Von Birgit Marschall
ID: 1731998
zum Beispiel viel leiser als Autos mit Verbrennungsmotor. Sie starten
in der Regel auch viel schneller aus dem Stand. Außerdem haben ihre
Nutzer zumeist ein besseres ökologisches Gewissen. Trotzdem kommt die
Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland anders als etwa in
Skandinavien nicht in Schwung.
Schuld daran sind sicher die deutschen Hersteller, die viel zu
spät auf die E-Mobilität umsteigen. Bisher haben sie nicht die
E-Modelle auf dem Markt, die wirklich mit Neuwagen herkömmlicher Art
bei Preis und Reichweite konkurrieren könnten. Das soll nun Schritt
für Schritt gelingen. Deutsche Autofahrer könnten sich allerdings
längst auch E-Autos ausländischer Hersteller kaufen. Sie tun es nur
nicht.
Das wiederum liegt daran, dass man in Deutschland nicht sicher
sein kann, ob man noch zur nächsten öffentlichen Ladesäule gelangt,
wenn der Batteriestand plötzlich gegen Null geht. Hier haben Staat
und Wirtschaft bisher komplett versagt. Nur 17.000 öffentliche
Ladesäulen gibt es in Deutschland, bis zu eine Million werden aber
gebraucht, wenn bis 2030 bis zu zehn Millionen E-Autos auf deutschen
Straßen rollen sollen.
Nach ihrem "Autogipfel" wollen Regierung und Hersteller jetzt mit
einem "Masterplan" das Ladesäulen-Angebot ausbauen. Eine Ankündigung,
die geradezu sprachlos macht. Warum kommt er erst jetzt, der große
Plan, fünf Jahre nachdem Angela Merkel den Ausbau der
Elektromobilität auf den Schirm genommen hat? Was hochtrabend
"Masterplan" genannt wird, ist zunächst nur ein Lippenbekenntnis,
solange völlig unklar bleibt, ob der Staat oder die Wirtschaft den
Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur bezahlt. Der Staat sollte hier
einfach in Vorleistung gehen, sonst klappt es niemals mit dem
Klimaschutz im Verkehr.
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Datum: 25.06.2019 - 21:19 Uhr
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