Rheinische Post: Kreative Ideen gegen Arzneimittelknappheit
Kommentar Von Birgit Marschall
ID: 1737278
hochentwickeltes Industrieland wie Deutschland mit
Gesundheitsausgaben von jährlich 375 Milliarden Euro nicht in der
Lage, seine Bevölkerung jederzeit ausreichend mit Medikamenten zu
versorgen. Bislang hat es einen echten Notstand noch nicht gegeben,
doch Ärzte und Apotheker schlagen Alarm, weil sie spüren, dass sich
die Engpässe bei wichtigen Medikamenten häufen. Darauf müssen
Bundesregierung und Gesundheitsbranche Antworten finden. Die
bisherigen Lösungen im Klein-Klein der Gesetzgebung sind aus Sicht
der Mediziner und Apotheker nicht ausreichend. Der Ruf der
Ärzteschaft nach einer nationalen Arzneimittelreserve klingt zwar
plakativ, wäre aber in der Praxis allenfalls im Krisenfall, etwa bei
einer drohenden Epidemie, realisierbar. Die Arzneimittelhersteller
ließen sich zum Aufbau solcher Notlager nicht zwingen, der Staat
müsste das übernehmen. Er wäre damit jedoch überfordert. Denn die
Engpässe bei den Medikamenten variieren ja nach internationaler
Marktlage. Auf jeden Engpass mit einem staatlichen Medikamentenlager
zu reagieren, erscheint utopisch. Vernünftiger wäre, wenn die Politik
zunächst einmal für mehr Durchblick sorgen würde. Sie müsste die
Hersteller verpflichten, über drohende Lieferengpässe frühzeitig zu
berichten und damit für mehr Transparenz sorgen. Zudem könnte der
Gesetzgeber die ausgegebenen Medikamenten-Mengen rationieren, die die
Bürger in oft viel zu großen Packungen erhalten. Ohnehin stellt sich
auch aus finanziellen und ökologischen Gründen die Frage, warum
Tabletten nicht wie einst auch wieder einzeln oder Salben in Töpfchen
statt in großen Tuben ausgegeben werden können. Auch könnten
Versicherte nicht abgelaufene Medikamentenpackungen an die Apotheken
zurückgeben.
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Datum: 15.07.2019 - 00:00 Uhr
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