Rheinische Post: Kommentar /
Tierkliniken müssen entlastet werden
= Von Merlin Bartel
ID: 1743034
Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. Dass
zwei bekannte Kliniken in Düsseldorf und Duisburg seit Kurzem nachts
geschlossen bleiben, ist ein Alarmsignal. Dass die Klinik in Haan ein
Einzugsgebiet von 100 Kilometern hat, kann im dicht besiedelten NRW
nicht sein. Dort können unmöglich alle Tier-Patienten aus Düsseldorf
und Duisburg zusätzlich behandelt werden.
Die Politik hat einen Entwurf in Umlauf gebracht und will auf die
Forderungen der Tiermediziner eingehen. Das ist ein gutes Zeichen und
zeigt, dass der drohende Versorgungsengpass für Tiere erkannt worden
ist. Jetzt müssen zeitnah Maßnahmen folgen. Ein großer Schritt wäre,
das Arbeitszeitgesetz für Tierärzte dem von Humanmedizinern
anzugleichen. So könnte ein Tierarzt eine OP beenden, ohne mit einer
Strafe rechnen zu müssen. Auch zusätzliche Notdienst-Ringe von
Tierarztpraxen würden die Kliniken entlasten.
Andererseits sollten sich auch Tierbesitzer selbst hinterfragen.
Es ist verständlich, dass sie sich Sorgen machen, wenn ihr Hund nicht
mehr frisst oder ihre Katze kränkelt. Aber muss es immer direkt die
Klinik sein? Tierärzte berichten, dass sie schon nachts wegen
Flohbefall kontaktiert wurden. Das führt zu unnötigen Wartezeiten,
denn es gilt: Notfälle gehen vor. Die Kritik an den langen
Wartezeiten ist fehl am Platz: Schließlich arbeiten die Ärzte rund um
die Uhr, Tag und Nacht.
Um tierische Patienten mit Lappalien abzuschrecken und die hohen
Kosten der 24-Stunden-Bereitschaft in Kliniken zu decken, sind die
geforderten höheren Gebühren ein adäquates Mittel. Es muss jedoch
verhindert werden, dass sich Tierbesitzer wichtige Operationen nicht
mehr leisten können. Niemand sollte überlegen müssen, ob sein Geld
reicht, um das Leben des Haustieres zu retten.
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Datum: 06.08.2019 - 20:55 Uhr
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