BERLINER MORGENPOST: Taxi wird zum Auslaufmodell / Kommentar von Thomas Fülling zu Taxipreise
ID: 1752164
verschwinden, wird der Senat mehr tun müssen, als alle paar Jahre die
Tarife zu erhöhen. Dringend notwendig ist etwa ein praktikables
Verfahren für den neuen Hauptstadtflughafen BER. Der Senat verhandelt
dazu bereits seit vielen Jahren mit dem brandenburgischen Landkreis
Dahme-Spreewald. Bisher allerdings ohne Ergebnis.
Der vollständige Kommentar: Ohne Taxis kann man sich Berlin
eigentlich nicht vorstellen. Wer etwa nach einer langen Reise am
Flughafen Tegel ankommt, kann sich darauf verlassen, dass die
beigefarbenen Fahrzeuge dort in langer Reihe auf Kundschaft warten.
Und wer noch etwas Geld in der Urlaubskasse übrig hat, der verzichtet
dann gern auf das Gedrängel im überfüllten TXL-Bus und steigt für die
Heimfahrt in ein Taxi ein. Ein Vergnügen, auf das man vielleicht bald
verzichten muss. Denn der Branche geht es schlecht. Sie leidet unter
stetig steigenden Kosten etwa für Versicherungen und
Werkstattleistungen. Auch der Mindestlohn, der den Taxifahrern einen
fairen Verdienst sichern soll, schlägt auf die Bilanz der oft kleinen
Unternehmen hart durch. An deren schwieriger wirtschaftlicher Lage
werden auch die neuen Taxitarife nichts ändern, die der Senat nach
fast eineinhalb Jahren Prüfung jetzt beschlossen hat. Danach werden
die Fahrpreise um knapp elf Prozent steigen. Während die meisten
Geschäftsreisenden damit gut klar kommen, weil die Tarife in Berlin
noch immer günstiger sind als in vielen anderen Großstädten in
Europa, dürften sich viele Berliner nun noch intensiver nach
Alternativen umsehen. Davon gibt es inzwischen immer mehr. Da stehen
nicht nur private Chauffeurdienste wie Uber mit ihren Limousinen
bereit, auch immer mehr Carsharing-Unternehmen drängen auf den
lukrativen Mobilitätsmarkt. Gerade erst hat der VW-Konzern
angekündigt, mit 1500 E-Golfs nach Berlin zu kommen. Auch der
BerlKönig, das Rufangebot der landeseigenen BVG, jagt den Taxifahrern
traditionelle Kundschaft ab. Sollen Taxis nicht ganz aus der Stadt
verschwinden, wird der Senat mehr tun müssen, als alle paar Jahre die
Tarife zu erhöhen. Dringend notwendig ist etwa ein praktikables
Verfahren für den neuen Hauptstadtflughafen BER. Der Senat verhandelt
dazu bereits seit vielen Jahren mit dem brandenburgischen Landkreis
Dahme-Spreewald. Bisher allerdings ohne Ergebnis.
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Datum: 10.09.2019 - 20:43 Uhr
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