"ttt - titel, thesen, temperamente" (hr) am Sonntag, 15. Dezember 2019, um 23:35 Uhr
ID: 1779078
Die geplanten Themen:
"Morgen ist da"
"ttt" über Navid Kermani, die Kraft der Rede und seinen Blick auf
Deutschland
Es ist schon eine besondere Gabe, die er hat. Wenn Navid Kermani über
den Zustand der Welt, die Grundfesten unserer Demokratie, die
Flüchtlingsfrage oder auch nur über seine große Begeisterung für den
1. FC Köln spricht, dann gelingt ihm etwas Beeindruckendes: eine
Intensität im Denken, die berührt, die oft auch moralische Fragen
aufwirft, ungewöhnliche Verknüpfungen schafft und Denkanstöße
liefert. Kermani ist wohl das, was man einen "öffentlichen
Intellektuellen" nennt, jemand, der sich in Debatten zu Wort meldet,
noch lieber aber mit seinen Texten selbst welche anstößt, wie im Jahr
2014 nach seiner großen Rede zum 65. Jahrestag des deutschen
Grundgesetzes im Bundestag. Auf keinen Fall wollte er - ein deutscher
Schriftsteller und Journalist mit iranischen Wurzeln, ein gläubiger
Muslim und habilitierter Orientalist - eine, wie er sagt,
"kriecherische" Rede auf die Verfassung halten. Aber es war ihm ein
großes Anliegen, diesen besonderen, grundlegenden Text auch besonders
zu würdigen. Und so hielt Kermani eine Rede, in der er weit über die
Verfassung hinausgeht, in der er beginnt, über Deutschland
nachzudenken, als "eine Nation, die über ihre Geschichte verzweifelt"
und zugleich am eigenen Versagen gereift ist; er kommt zum Kniefall
Willy Brandts und Brandts großem Satz "Ein guter Deutscher kann kein
Nationalist sein", um dann die Brücke zu Europa zu schlagen, in dem
Deutschland "zu sich selbst" heimkehre - und verbindet damit
gleichsam einen Appell für das Menschenrecht auf politisches Asyl.
Eine Rede, die den CSU-Abgeordneten und stellvertretenden
Fraktionschef Georg Nüßlein den Saal verlassen ließ und noch tagelang
die Zeitungen beschäftigte. Eine Rede, die sich auch dadurch
auszeichnete, dass sie einen Blick auf Deutschland warf, wie es wohl
nur ein Mensch wie Kermani kann, dessen Eltern als Einwanderer aus
dem Iran vor mehr als 60 Jahren hierher kamen. Sein neues Buch
"Morgen ist da" umfasst seine großen Reden der vergangenen 20 Jahre
und liest sich wie ein politisch-moralisches Protokoll entlang der
Lebensnerven unserer Gesellschaft. Freiheit, Pluralität, Frieden -
Kermani berührt darin alles, was wichtig ist.
"ttt" trifft Navid Kermani in seiner Heimatstadt Köln und spricht mit
ihm - anknüpfend an seine wichtigsten Reden - über den Zustand der
Republik und der Weltenlage kurz vor Weihnachten.
Außerdem bei "ttt":
-John Burnside - Über Liebe, Magie und den Fluch des Brexits: "ttt"
trifft Burnside kurz vor der UK-Wahl in Schottland, wo er über seinen
neuesten Roman "Über Liebe und Magie" spricht, die Unabhängigkeit
Schottlands von Großbritannien abwägt und den allumfassenden Einfluss
der Politik, der selbst bis in Liebesbeziehungen reicht.
-"Fuck the government and fuck Boris!" - Wie der Rapper Stormzy die
britische Jugend politisiert: "ttt" unterhält sich mit Stormzy in
seiner Heimatstadt London über sein neues Album "Heavy Is The Head".
-"Fiktion Kongo" - Vorurteile und Folgen auf beiden Seiten der
Kolonisation:
Im Museum Rietberg in Zürich spricht "ttt" mit kongolesischen
Künstlern wie Sinzo Aanza, David Shongo und Fiona Bobo über das
Leben, die Kunst und das koloniale Erbe im Kongo.
Moderation: Max Moor
Redaktion: Nora Binder, Christian Sprenger (hr)
Im Internet unter www.DasErste.de/ttt
Pressekontakt:
Agnes Toellner, Presse und Information Das Erste,
Tel: 089/5900 23876, E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de
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