Ein krankes System / Kommentar von Jens Anker zuüberarbeitete Ärzte

Ein krankes System / Kommentar von Jens Anker zuüberarbeitete Ärzte

ID: 1780039
(ots) - Kurzform: Die Kliniken bekommen die Folgen der Überbelastung im
Gesundheitswesen längst selbst zu spüren. Immer mehr Ärzte gehen in Teilzeit
oder verlassen gar die Einrichtungen, um in medizinnahen Berufen zu arbeiten.
Statt diejenigen zu belohnen, die mit möglichst wenig Personal auskommen, müssen
diejenigen Anerkennung erfahren, die Kranken am besten helfen.

Der vollständige Kommentar: Wenn kranke Ärzte kranke Menschen behandeln, dann
läuft im Gesundheitswesen etwas eindeutig falsch. Die Zahlen aus einer Befragung
der Mediziner in Berlin und Brandenburg im Auftrag der Ärzte-Gewerkschaft
Marburger Bund zeigen jedoch ein dramatisches Bild. Ein Drittel der Ärzte an
Krankenhäusern gaben an, regelmäßig Burn-out-Symptome an sich zu erkennen. Um
die Überarbeitung zu kompensieren, machen viele Mediziner zudem Abstriche bei
der Qualität der Behandlung - was die Krankheitssymptome noch verschärft, da
nicht nur die Patienten, sondern auch die Ärzte darunter leiden. Die Ursache
dafür liegt im Wesen des deutschen Gesundheitssystems. Krankenhäuser sind
angehalten, kostendeckend zu arbeiten. Viele Einrichtungen spezialisieren sich
deshalb auf besonders kostenintensive Behandlungsarten, weil die das meiste Geld
bringen. Eine fatale Entwicklung, an deren Ende Ärzte und Patienten leiden. Die
einen, weil sie mit der Arbeit überfordert und unzufrieden sind, die anderen,
weil sie die Mängel am eigenen Leib zu spüren bekommen. Die vom Marburger Bund
geforderte Festlegung einer Personaluntergrenze, wie sie in der Pflege gerade
eingeführt wurde, kann da nur der erste Schritt sein. Tatsächlich muss sich die
Gesellschaft fragen, welche Gesundheitsversorgung sie sich für kranke Menschen
wünscht: eine möglichst kostendeckende oder eine möglichst wirksame. Die
Kliniken bekommen die Folgen der Überbelastung im Gesundheitswesen längst selbst


zu spüren. Immer mehr Ärzte gehen in Teilzeit oder verlassen gar die
Einrichtungen, um in medizinnahen Berufen zu arbeiten. Statt diejenigen zu
belohnen, die mit möglichst wenig Personal auskommen, müssen diejenigen
Anerkennung erfahren, die Kranken am besten helfen.

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Datum: 16.12.2019 - 21:11 Uhr
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