Großer Wurf bleibt aus: Deutsche Umwelthilfe kritisiert Fangquoten für Atlantik und Nordsee als rechtswidrig
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EU-Fischereirat beschließt gesetzeswidrige Fangquoten für 2020 in Atlantik und
Nordsee
- Überfischung wird dadurch nicht bis 2020 beendet, wie in der
Gemeinsamen Fischereipolitik vorgegeben
- Kabeljaubestand in der Nordsee kann sich nicht erholen
- Illegale Rückwürfe werden nur mit besseren Kontrollen eingedämmt
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Initiative Our Fish kritisieren die am
frühen Morgen bekannt gegebenen Fangquoten für 2020 in Atlantik und Nordsee als
teilweise rechtswidrig. Die Fangquoten orientieren sich zwar so stark wie nie
zuvor an wissenschaftlichen Empfehlungen, liegen für einige Bestände dennoch
deutlich zu hoch. Das in der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) gesetzlich
vorgeschriebene Ziel, die Überfischung bis 2020 zu beenden, wird deshalb
verfehlt.
Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: "Die
EU-Fischereiminister hatten 6 Jahre, um die Überfischung zu beenden, doch sie
schafften es auch dieses Mal nicht. Seit Jahren werden die Empfehlungen der
Wissenschaft ignoriert. Die Konsequenz dessen sieht man aktuell beim Kabeljau in
der Nordsee und beim kollabierten Dorschbestand in der Ostsee. Von einem
gesunden ökologischen Zustand sind in unseren Meeren viele Bestände weit
entfernt. Deutschland hat im nächsten Jahr die EU-Ratspräsidentschaft inne. Wir
erwarten von der zuständigen Ministerin Julia Klöckner daher, dass die
Fangmengen ausnahmslos wissenschaftlichen Empfehlungen folgen."
Die EU-Fischereiminister verhandelten vom 16. bis 18. Dezember die Fangquoten
für das Jahr 2020 für über 100 Fischbestände in der Nordsee und im Atlantik.
Über die für Deutschland kommerziell interessanten Fischbestände verhandelte die
EU bereits vorab unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit Norwegen. Die DUH
begrüßt zwar die Bemühungen der EU-Kommission, die gesetzlichen Vorgaben
einzuhalten. Die schließlich in einem Kompromiss mit Norwegen ausgehandelte
Fangquote für den Kabeljaubestand in der Nordsee übersteigt dennoch deutlich die
wissenschaftlichen Empfehlungen. Der Internationale Rat für Meeresforschung
(ICES) empfahl für 2020 eine drastische Reduzierung der Kabeljau-Fangmengen für
2020 von 61 Prozent im Vergleich zu 2019, festgelegt wurde aber nur eine Kürzung
von 50 Prozent.
Rebecca Hubbard, Direktorin der Our Fish-Kampagne, sagt: "Die
EU-Fischereiminister haben heute grünes Licht für eine Fortführung der
Überfischung gegeben und so eine schockierende Ignoranz gegenüber der
Biodiversitäts- und Klimakrise gezeigt. Die jahrzehntelange Überfischung unserer
Fischbestände ist ein Grund für die schwindende Artenvielfalt in unseren Meeren.
Zusätzlich bedroht der Klimawandel unsere Meeresumwelt. Mit einem Ende der
Überfischung hätten die Fischereiminister eine effektive Klimaschutzmaßnahme auf
den Weg bringen können, denn nur gesunde Meere voller Leben können uns aktiv vor
der Klimakrise schützen. Doch leider wurden erneut kurzfristigen Gewinnen
einiger Weniger der Vorrang vor Natur, Küstengemeinden und der Gesundheit
unserer Meere gewährt. Auch wenn Deutschland keine große Fischereination ist,
wäre dessen Einsatz für ein Ende der Überfischung ein richtiger und wichtiger
Schritt gewesen, um der Forderung von Bundeskanzlerin Merkel nach mehr
Klimaschutz nachzukommen."
Neben zu hoch festgelegten Fangmengen gefährden die nicht gemeldeten illegalen
Rückwürfe die Erholung der überfischten Fischbestände, vor allem in der
Grundschleppnetzfischerei. Seit 2017 gilt das Rückwurfverbot auch für den
Kabeljau in der Nordsee. Dieses wird jedoch nicht ausreichend kontrolliert. "Die
EU-Mitgliedstaaten haben es versäumt, das Rückwurfverbot umzusetzen und
ausreichende Kontrollsysteme zu etablieren. Deshalb geht die Verschwendung
unserer kostbaren Ressourcen auf See weiter. Deutschland hätte dem Vorbild
Dänemarks folgen und den Einsatz elektronischer Fernüberwachung für diejenigen
Fangschiffe fordern müssen, die gefährdete Bestände befischen und ein hohes
Rückwurf-Risiko aufweisen. Aber ohne den politischen Willen werden die illegalen
Rückwürfe weitergehen wie bisher", so Sascha Müller-Kraenner weiter.
Über Our Fish:
Die Initiative Our Fish will sicherstellen, dass die EU-Mitgliedstaaten die GFP
umsetzen und für nachhaltige Fischbestände in den europäischen Gewässern sorgen.
Die DUH koordiniert diese Arbeit in Deutschland.
Links:
- ICES Webseite: http://ots.de/Jb2HZO
- Empfehlung für Nordsee Kabeljau: http://ots.de/TpGpdC
- Zu einer aktuellen Studie über die Umsetzung der GFP:
http://l.duh.de/p191216
- Mehr über Our Fish: http://our.fish/de/
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de
Rebecca Hubbard, Programmdirektorin Our Fish
+34 657669425, rebecca@our.fish
Dr. Katja Hockun, Projektmanagerin Meeresnaturschutz DUH
030 2400867-895, hockun@duh.de
DUH-Pressestelle:
Ann-Kathrin Marggraf, Marlen Bachmann
030 2400867-20, presse@duh.de
www.duh.de , www.twitter.com/umwelthilfe ,
www.facebook.com/umwelthilfe , www.instagram.com/umwelthilfe
Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/22521/4472335
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Datum: 18.12.2019 - 08:45 Uhr
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