Nach Recherchen von "ZAPP" und "Spiegel": Bauer Media Group stellt sich ihrer Geschichte
ID: 1785007
Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gegenüber angekündigt, einen Historiker
einzusetzen, der sich mit ihrer Verlagsgeschichte zu Zeiten der
nationalsozialistischen Herrschaft beschäftigen soll. Bisher sind auf der
Internetseite der Bauer Media Group die Jahre von 1926 bis 1945 ausgespart. Eine
Aufarbeitung des Verlages selbst oder eine systematische externe Untersuchung
gibt es bisher nicht.
Die Recherchen von "ZAPP" und "Spiegel" legen den Schluss nahe, dass sich die
damaligen Verlagsinhaber mit dem Naziregime arrangiert hatten. Dieses betrifft
vor allem das publizistische Wirken sowie umstrittene Immobilienkäufe von Alfred
Bauer in den späten 1930er-Jahren. Die Rundfunkzeitschrift "Funk-Wacht" des
Bauer-Verlages erlebte in dieser Zeit ein beachtliches Wachstum. Die Auflage
verzehnfachte sich. Die Recherchen von "ZAPP" und "Spiegel" geben Hinweise
darauf, dass der Bauer-Verlag mit seinem Zugpferd "Funk-Wacht" im Sinne der
nationalsozialistischen Machthaber arbeitete. In den Archiven finden sich
eindeutig politische, das System stützende Titelbilder wie auch ein bereits im
Herbst 1933 erschienener Fortsetzungsroman, der - anders als die sonst an dieser
Stelle abgedruckten seichten Unterhaltungsromane - eindeutig in Diktion und
Weltanschauung nationalsozialistisch geprägt ist.
In den Jahren 1936 bis 1938 kaufte Alfred Bauer in Hamburg mehrere Immobilien,
darunter auch welche von jüdischen Eigentümern. Bauer erwarb die Immobilien zu
günstigen Preisen, denn viele Juden waren gezwungen, Besitz zu verkaufen. Was
aus den Immobilien geworden ist, ist heute unklar. Zumindest damals hat Bauer
offenbar von den Bedingungen profitiert, die sich durch den Druck der Nazis auf
jüdische Eigentümer ergaben.
Auf die Anfragen von "ZAPP" und "Spiegel" äußerte sich die Bauer Media Group
schriftlich und erklärte, das Verlagshaus könne ausschließen, dass sich heute
Grundstücke oder Liegenschaften aus "Arisierung" in seinem Besitz befänden.
Wörtlich heißt es: "Wir verfügen über keinerlei Dokumentation über unsere
Geschichte und besitzen keine Firmenunterlagen mehr aus der Zeit des
Nationalsozialismus. Wir werden noch im Laufe des Jahres 2020 einen Historiker
damit beauftragen, die Geschichte und die Vorgeschichte des Bauer-Verlages zu
recherchieren und mit der Öffentlichkeit zu teilen."
Verlage wie Du Mont und Bertelsmann haben ihre Verlagsgeschichte und die
Verstrickungen ihrer Chefetagen mit dem Naziregime wissenschaftlich aufarbeiten
lassen. Über Verlage wie Holtzbrinck und Verleger wie Axel Springer gibt es
Arbeiten, die ihr Wirken auch in der Zeit beleuchten. Mit der angekündigten
Aufarbeitung stellt sich nun, 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, auch
die Bauer Media Group ihrer Geschichte.
Weiteres dazu auf www.NDR.de/ZAPP, in der Sendung "ZAPP" im NDR Fernsehen
(Mittwoch, 15. Januar, 23.20 Uhr) sowie auf www.Spiegel.de.
Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
Tel.: 040 / 4156-2304
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Datum: 15.01.2020 - 06:00 Uhr
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