Die rechte Eskalation / Leitartikel von Christian Unger zu rechtsextremer Terrorgruppe
ID: 1793723
Heute kann man dem Staat, der Regierung und den Sicherheitsbehörden keine
Untätigkeit mehr vorwerfen. Im Gegenteil: Polizei und Geheimdienste rüsten im
Bereich "rechts" auf. Die Bundesregierung von Union und SPD macht mit dem
Netzwerkdurchsetzungsgesetz Druck auf Facebook und Co. - um dem Hass Herr zu
werden. Der Weg ist der richtige: Razzien und Festnahmen zermürben die Szene.
Gesetze gegen Hass schwächen die Hetzer. Am Ende ist der Staat nur so stark wie
seine Bürger. Im Kampf gegen Extremisten braucht er mutige Nachbarn.
Der vollständige Leitartikel: Werner, Michael, Thomas, Tony, Thorsten, Ulf,
Wolfgang, Markus, Frank, Marcel, Stefan, Steffen. Zwölf Vornamen. Sie klingen
wie Nachbarn. Vertraut. Deutsch. Es sind die Vornamen der zwölf Tatverdächtigen,
die am Freitag von der Polizei festgenommen wurden. Die Ermittler werfen ihnen
vor, eine rechtsterroristische Gruppe gegründet und unterstützt zu haben. Sie
wollten Moscheen angreifen, möglicherweise "Kommandos" bilden. Chaos stiften.
Die zwölf Vornamen klingen harmlos. Aber sie sind Symbol einer brutalen
Realität: Rechte Gewalt ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Wieder einmal. Die
Tatverdächtigen sind nicht im Teenageralter, wie das oft bei islamistischen
Dschihadisten der Fall ist. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen und Terrorhelfer
sind zwischen 31 und 60 Jahre alt. Sie kommunizierten verschlüsselt, agierten
konspirativ. Stimmen die Erkenntnisse der Ermittler, drohte Deutschland ein
kalkulierter, sorgfältig geplanter rassistischer Terrorismus. Wer in den rechten
Netzwerken recherchiert, merkt: Extremisten sammeln sich, auf Facebook, im
russischen Netzwerk vk.com, auf Messenger-Diensten wie Telegram, auf Plattformen
wie Twitch, Gab oder Steam. Es sind Namen, die viele zum ersten Mal lesen. Doch
wer die Szene beobachtet, erkennt schnell Hunderte, gar Tausende, die sich dort
anstacheln und gegen politische Gegner und Minderheiten hetzen. So wie es einen
globalen digitalen "Dschihad" gibt, existiert ein "Heiliger Krieg" von rechts.
Die gewaltbereite Szene wird organisiert von Kadern, die schon lange militant
sind, früher vielleicht in Kameradschaften mit Bomberjacke und Springerstiefeln
organisiert waren. Sie finden über das Internet schnell neue Szene-Mitglieder,
die sie ködern. Das Netz ist anonym. Es bietet Schutz - auch denjenigen, die
Hass säen wollen. Doch eines fällt auf: Deutschland und andere Staaten erleben
eine Beschleunigung rechtsextremer Gewalt. Der Mordanschlag auf CDU-Politiker
Walter Lübcke, der Anschlag auf die Synagoge und den Dönerimbiss in Halle. Der
Massenmord gegen Muslime in Moscheen in Neuseeland, die Anschläge von Anhängern
der "White Supremacy" in den USA mit Dutzenden Opfern - all das passiert
innerhalb weniger Monate. Teile der radikalen Rechten setzen nicht mehr auf
einen Umschwung des bestehenden politischen Systems, sie zählen nicht mehr auf
Wahlen extremistischer Parteien, um ihren Staat zu gründen. Manche wollen Chaos
- an dessen Ende aus Angst und Anstachelung tatsächlich bürgerkriegsähnliche
Zustände entstehen. Diese Gefahr, das zeigt der hohe Grad der Bewaffnung der
rechtsextremen Szene, ist ernst zu nehmen. Jahrelang ignorierte die Politik den
Ernst der Lage. Heute kann man dem Staat, der Regierung und den
Sicherheitsbehörden keine Untätigkeit mehr vorwerfen. Im Gegenteil: Polizei und
Geheimdienste rüsten im Bereich "rechts" auf. Die Bundesregierung von Union und
SPD macht mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz Druck auf Facebook und Co. - um
dem Hass Herr zu werden. Doch die Maßnahmen wirken hilflos angesichts der Masse
der Chatforen und Gruppen. Löscht Facebook ein Profil, hat der Extremist kurze
Zeit später ein neues. Sperrt Twitter Nutzerkonten, weichen die Militanten auf
kleinere, unbeaufsichtigte Plattformen aus. Dennoch ist der Weg der richtige:
Razzien und Festnahmen zermürben die Szene. Gesetze gegen Hass schwächen die
Hetzer. Am Ende ist der Staat nur so stark wie seine Bürger. Im Kampf gegen
Extremisten braucht er mutige Nachbarn. Wachsame Werners, Michaels und Steffens.
Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Telefon: 030/887277 - 878
bmcvd@morgenpost.de
Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/53614/4522959
OTS: BERLINER MORGENPOST
Original-Content von: BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 17.02.2020 - 22:47 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1793723
Anzahl Zeichen: 4832
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 633 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Die rechte Eskalation / Leitartikel von Christian Unger zu rechtsextremer Terrorgruppe"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den
Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST
200 Seiten für mehr Kinderschutz / Kommentar von Franz Schmider ...
(...) Zwei Aufgabenfelder werden erkennbar: Zum einen müssen die Akteure in Verwaltung, Schulen, Polizei und Justiz zu einem neuen Verständnis dessen kommen, was Verantwortung bedeutet. Kernaufgaben staatlichen Handelns ist der Schutz jener, die schutzlos sind. Das bedeutet, nicht primär für
Kommentar zur Aushebung der rechten Terrorzelle ...
Dass den Sicherheitsbehörden ein Schlag gegen Neonazis gelungen ist, die Blaupausen für einen Bürgerkrieg in Deutschland zeichneten, ist wichtig. Was bei der Verteilung der Lorbeeren untergeht: Die Ermittlungen, die zum Erfolg führten, wurden durch das baden-württembergische Landeskrimina
Abschaffung der privaten Krankenversicherung Mehr Solidarität Andrea Frühauf ...
Seit Jahren fordern SPD und Grüne eine solidarische Bürgerversicherung, in die auch Beamte und Selbstständige einzahlen. Dass Bauarbeitern, die weniger verdienen und öfters krank sind als Verwaltungsbeamte, die den ganzen Tag im Warmen sitzen, der Eintritt in die private Krankenkasse verwehrt
Kommentar: Die Bestimmtheit der Schützen ist lobenswert ...
Die AfD sieht sich schon als Volkspartei. So tönte es zuletzt wieder aus dem Maschinenraum der rechten Partei. Gerade das Wahldebakel in Thüringen hat der AfD noch einmal einen guten Schub Größenwahn verliehen. Ihre Erfolge sind tatsächlich beachtlich. Doch selbst einige Funktionäre glauben




