WESTFALEN-BLATT (Bielefeld): Kommentar zu Hanau
ID: 1794900
Tat von Hanau macht fassungslos. Was mag in einem Menschen vorgehen, der sich
zum Herrn über Leben und Tod aufschwingt, der wahllos wildfremde Menschen
umbringt und auch vor der eigenen Mutter nicht Halt macht?
Ein Verrückter? Das muss man wohl annehmen, auch wenn die Informationen über den
mutmaßlichen Täter noch nicht umfassend sind. Ein krudes Manifest, Gedanken über
Geheimdienste, die die Gehirne von Menschen fernsteuern, dazu eine abstruse
Furcht vor fremden Völkern: Das liest sich wie ein Musterfall aus einem
psychiatrischen Lehrbuch. Da war kein kühl kalkulierender Terrorplaner am Werk,
sondern ein rassistischer Wirrkopf.
Allerdings: ein Wirrkopf mit Waffe, für die er sogar ganz legal einen
Waffenschein besaß. Warum das so war, müssen jetzt die Ordnungsbehörden klären.
Angeblich hat der Täter seine Gedankenwelt schon im November vergangenen Jahres
dem Generalbundesanwalt offenbart - in einer wirren "Strafanzeige". Wäre damals
ein Blick ins Waffenregister geworfen worden, die Tragödie hätte womöglich
verhindert werden können. Auf die beteiligten Behörden fällt jetzt zumindest ein
Schatten.
Doch die Bluttat von Hanau hat ja nicht nur eine bürokratische Dimension,
sondern auch eine gesellschaftliche. Und die reicht viel weiter. Woher rührt
dieser unsägliche Hass auf alles Fremde, der sich ja offensichtlich auch beim
Täter von Hanau Bahn gebrochen hat? Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat es
auf den Punkt gebracht: "Solche Wahnsinnstaten geschehen nicht im luftleeren
Raum, sie wachsen in einem vergifteten gesellschaftlichen Klima."
Die AfD hat die Tat von Hanau verurteilt. Schnell und deutlich. Das enthebt die
Partei und ihr Umfeld allerdings nicht der Verantwortung dafür, dass sie mit
ihren Parolen der fortschreitenden Verrohung des politischen Diskurses Vorschub
geleistet haben. Hass - und sei es der gezielt, fahrlässig oder auch nur
stillschweigend geschürte - kann zur tödlichen Waffe werden. Das hat die Bluttat
von Hanau erneut bewiesen - gerade einmal vier Monate nach den tödlichen
Schüssen von Halle. Juristisch ist das nicht zu fassen. Allenfalls moralisch,
falls dieser Begriff heute noch einen Wert hat.
In den sogenannten sozialen Medien wurde jedenfalls schon am Morgen nach dem
Massaker munter weiter gepöbelt, gehetzt und krakeelt. Die Opfer von Hanau: Sie
hätten ein bisschen mehr Respekt verdient.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 585-261
wb@westfalen-blatt.de
Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/66306/4526025
OTS: Westfalen-Blatt
Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 20.02.2020 - 21:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1794900
Anzahl Zeichen: 3024
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 530 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"WESTFALEN-BLATT (Bielefeld): Kommentar zu Hanau"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Das Erste, Freitag, 21. Februar 2020, 5.30 - 9.00 Uhr Gäste im ARD Morgenmagazin ...
7.15 Uhr, Lars Klingbeil, SPD-Generalsekretär, Thema: Hanau 8.15 Uhr, Annette Widmann-Mauz, CDU, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Migration, Thema: Hanau Pressekontakt: Weitere Informationen unter www.ard-morgenmagazin.de Redaktion: Martin Hövel WDR Kommunika
Konsequent gegen Clans - Kommentar von Philipp Siebert ...
Drei Männer drangen im März 2017 ins Berliner Bode-Museum ein, stahlen eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze mit einem Wert von mehreren Millionen Euro, sägten das Unikat danach vermutlich klein und verkauften die Einzelteile weiter. Dass Wissam und Ahmed R. vom Berliner Landgericht dafür am
Mitteldeutsche Zeitung zu Leopoldina ...
Für Halle ist die Leopoldina einer der mittlerweile vielen Leuchttürme. Sie wirkt indes weit über Halle hinaus. Ihre Stellungnahmen zu bedeutenden gesellschaftlichen Entwicklungen haben Gewicht - und werden noch wichtiger werden. Daher ist es richtig, dass die Leopoldina noch schneller als
Mitteldeutsche Zeitung zu IG Metall ...
Die Gewerkschaft verzichtet nicht nur auf Muskelspielereien, sondern zunächst auch auf eine Tarifforderung. Die Arbeitgeber hingegen sehen keine Chance, Beschäftigungssicherung mit Wirkung fürs ganze Land zu versprechen. Aber sie zeigen sich konstruktiv, was die notwendigen Gespräche auf be




