Kommentar: Egoismus first - so geht es nicht
(ots) - In der Krise zeigen Menschen ihr wahres Gesicht: Nachbarn werden zu Hamsterkäufern, Kollegen werden von Teamspielern zu Egoisten. Und Unternehmen, die sonst viel Aufwand treiben, um als guter Arbeitgeber der Region dazustehen, entpuppen sich plötzlich als üble Nationalisten. So könnte es auch beim Technologiekonzern 3M sein. Das Unternehmen, dessen Deutschland-Zentrale in Neuss liegt, war schon immer groß im Selbstmarketing. Doch es war auch schon immer groß darin, vor dem amerikanischen Mutterkonzern und der US-Politik zu kuschen. Als Donald Trump die Zollgrenzen hochzog, traute man sich keine klaren Worte dagegen, um es sich nicht mit dem US-Präsidenten zu verderben. Nun steht 3M abermals im Verdacht, es ginge um "America First". Die Zollbehörde Mönchengladbach hat hochwertige Atemschutzmasken und Schutzkleidung beschlagnahmt, die für Ärzte und die Bevölkerung bestimmt sein sollen. Diese sollten offenbar illegal in die USA und die Schweiz exportiert werden. Die Fahnder haben gute Arbeit geleistet. Noch sind Details unklar, und wie stets gilt die Unschuldsvermutung. Doch allein, dass der 3M-Konzern in seinen ersten Stellungnahmen laviert und den Verdacht nicht ausräumt, er wolle Liebesgrüße ins Weiße Haus senden, ist ungeheuerlich. So darf ein Weltkonzern nicht handeln, so viel Werbung kann er nach der Krise gar nicht machen, um diesen Imageschaden zu heilen. In der Corona-Krise wird noch vieles knapp werden. Derzeit sind es nur die Schutzmasken, später werden es Intensivbetten und Beatmungsgeräte sein. Umso wichtiger ist es, dass alle Recht und Gesetz beachten, also auch Ausfuhrverbote. Dass sich alle an die Regeln halten, die der Staat zur fairen Verteilung der knappen Güter ausgegeben hat. Sollte sich der Verdacht erhärten, hat sich 3M als Konzern unmöglich gemacht.
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Datum: 19.03.2020 - 20:25 Uhr
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