Experte: Bei Karl May geht es um einen Kulturkampf
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Professor Brenne fordert Reform des umstrittenen Karl-May-Museums in Radebeul
Osnabrück. Was wird aus dem Karl-May-Museum in Radebeul bei Dresden? Seit dem plötzlichen Rücktritt seines Direktors Martin Wacker im Mai wird um den Kurs des Hauses gestritten. Zugleich geht es um mehr. Das meint Karl-May-Experte Andreas Brenne. "Es geht um einen Kulturkampf. Es geht um eine bestimmte Sicht auf Karl May und seine Geschichte. In diesem Konflikt wird auch die koloniale Vergangenheit verhandelt. Zu den Exponaten in dem Museum gehören Relikte aus der Kolonialzeit, deren Geschichte nie erforscht worden ist", bezieht Brenne im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) Position. Brenne ist Professor für Kunst und ihre Didaktik an der Universität Osnabrück und Mitglied der Karl-May-Gesellschaft. Brenne gehörte zu den Kuratoren der Ausstellung "Blutsbrüder. Der Mythos Karl May in Dioramen", die im Osnabrücker Museumsquartier gezeigt wurde.
Brenne verweist auf den doppelten Kulturstreit, der gerade in Radebeul tobt. Dabei geht es nicht nur um das Museum und den Rücktritt seines Direktors, sondern auch um die Kontroverse um den Schriftsteller Jörg Bernig, dessen inzwischen annullierte Wahl zum Leiter des Kulturamtes einen Streit auslöste. Bernig wird als Publizist zur neuen Rechten gezählt. Gestriges Gedankengut beherrscht nach Brennes Meinung auch das Karl-May-Museum. "Es gibt in dem Museum auch Bilder des nationalsozialistischen Malers Wilhelm Emil "Elk" Eber, der gleichzeitig Mitglied des Münchener Cowboy-Clubs und ein von Adolf Hitler favorisierter Künstler war. Seine Bilder hängen dort. Restaurative Kräfte möchten das alte Bild des Fremden und des großartigen Europäers aufrechterhalten", wertet Brenne den Status quo in dem Haus.
Deutliche Kritik äußert Karl-May-Experte Brenne auch zur erneuten Berufung des vormaligen Museumsleiters René Wagner. "Wagner war inoffizieller Mitarbeiter (IM) und hat jahrelang im Auftrag der Staatssicherheit der DDR die Szene der indianistischen Hobbyisten rund um Dresden beobachtet. Diese Szene entwickelte sich im Kontext des Indianermuseums (so der offizielle Name des Karl-May-Museums in der DDR). Karl May war in der DDR nicht geschätzt, weil er als reaktionärer Imperialist galt. Die Hobbyisten-Szene orientierte sich an der Pionierzeit der USA, wurde deshalb in der DDR als nicht systemkonform argwöhnisch betrachtet und überwacht", beschreibt Brenne den Hintergrund.
Zugleich fordert der Universitätsprofessor eine Reform des Museums in Radebeul: "Das Museum hat aus meiner Sicht nur eine Perspektive, wenn es sich mit zeitgenössischen Themen beschäftigt, die Herkunft seiner Exponate erforscht und Karl May als kulturhistorische Figur ernst nimmt. Dazu gehören auch gern verschwiegene Themen wie die sublime Homosexualität Karl Mays. Genau das hat der vormalige Museumsleiter Wacker ja versucht", nimmt der Experte Partei für den zurückgetretenen Museumsdirektor und fügt an: "Manche Leute in der Stiftung sehen Karl May als Thema eines Disneylands des "wilden Ostens". Das Museum wird eher als Unterhaltungs- denn als Bildungsort verstanden. Das alte Haus ist aber stark renovierungsbedürftig. Auch viele der Figuren, die dort ausgestellt werden, müssten überarbeitet und erneuert werden. Zugleich nehmen die Besucherzahlen ab."
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Datum: 08.06.2020 - 01:00 Uhr
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