Geldwäsche-Bekämpfung: Die Financial Intelligence Unit verliert offenbar ihren Chef

Geldwäsche-Bekämpfung: Die Financial Intelligence Unit verliert offenbar ihren Chef

ID: 1822170
(ots) - Der Chef der Anti-Geldwäscheeinheit Financial Intelligence Unit, Christoph Schulte, wird nach NDR Informationen offenbar seinen Posten räumen. Der Behörde, die dem Bundesfinanzministerium zugeordnet ist, droht derweil neuer Ärger mit den Landeskriminalämtern. Mittlerweile hat sich auch das Bundesjustizministerium in den Streit eingeschaltet.

Schulte soll entsprechend der NDR Informationen künftig eine neue Abteilung beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz leiten. Die Financial Intelligence Unit (FIU) ist Deutschlands wichtigste Behörde im Kampf gegen Geldwäsche und dem Zoll unterstellt. Ein Sprecher der Generalzolldirektion sagte dem NDR, man äußere sich zu Einzelpersonalien grundsätzlich nicht.

Schulte war vor knapp zwei Jahren zu Deutschlands Zentralstelle im Kampf gegen Geldwäsche gewechselt. Sein Abgang ist bereits der zweite Wechsel an der Spitze der erst im Jahr 2017 von Grund auf neu organisierten Behörde. Die Einheit war damals vom Bundeskriminalamt zum Zoll gewechselt - und damit von der Zuständigkeit des Bundesinnenministeriums in die des Bundesfinanzministeriums.

Die FIU nimmt Geldwäsche-Verdachtsmeldungen von Banken, Händlern und anderen Verpflichteten entgegen, bewertet und filtert diese Meldungen und leitet sie dann an die zuständigen Staatsanwaltschaften oder Landeskriminalämter weiter. Dabei kam es immer wieder zu Problemen: Zunächst hakte die Software und Banken konnten Verdachtsmeldungen monatelang nur per Fax schicken. Zudem kämpfte die FIU um qualifiziertes Personal, konnte jahrelang seine Planstellen nicht besetzen. Und es stauten sich die nicht abschließend bearbeiteten Verdachtsmeldungen - ohne Weitergabe an Staatsanwaltschaften oder Landeskriminalämter startet keine Ermittlung. Die Ermittler kritisierten die Behörde dafür regelmäßig.

Schulte konnte einige dieser Probleme angehen: Er installierte Verbindungsbeamte bei den Landeskriminalämtern, um die Zusammenarbeit mit den Ermittlern zu verbessern. Außerdem sorgte er dafür, dass der FIU wichtige Polizei-Datenbanken zugänglich gemacht wurden, mit denen die Meldungen besser bewertet werden sollen.



Auch was den Stau an unbearbeiteten Meldungen angeht, schien die FIU auf einem besseren Weg. Den Durchbruch sollte ein neuer sogenannter "risikobasierter Ansatz" bringen: Der sieht vor, eingehende Verdachtsmeldungen nach verschiedenen Kriterien zu prüfen und dann priorisiert nach dem für die einzelne Meldung vermuteten Risiko weiterzuleiten. Die FIU erklärte dazu, dieser Ansatz und "die Konzentration auf Kernrisiken" mache die Behörde deutlich effektiver. Außerdem entspräche es "der internationalen Praxis der FIUs und wird von den einschlägigen europäischen Regelungen gedeckt".

In der Praxis, so heißt es aus Ermittlerkreisen, habe das aber dazu geführt, dass die Zahl der überhaupt weitergeleiteten Meldungen regelrecht eingebrochen sei. Ermittler sagten dem NDR, sie gingen davon aus, dass weniger als zehn Prozent aller Meldungen weitergeleitet werden. Vor einigen Jahren habe diese Quote noch bei mehr als 50 Prozent gelegen. Bei der FIU hieß es dazu, man könne "über die im FIU-Jahresbericht hinausgehenden statistischen Auswertungen" keine Zahlen zur Verfügung stellen. Über die Quote der weitergeleiteten Meldung ist offenbar vor wenigen Wochen ein Streit ausgebrochen. Mehrere Landeskriminalämter kritisierten nach NDR Informationen die FIU demnach unlängst in einer Schaltkonferenz dafür, dass seit Monaten kaum noch Meldungen bei ihnen ankämen. In der Konferenz sollen einzelne Ermittler die FIU vor rechtlichen Konsequenzen gewarnt haben. Durch liegen gebliebene Meldungen könnten Straftaten gegebenenfalls nicht erkannt werden. Die FIU liefe Gefahr, Strafvereitelung im Amt zu betreiben, sagten Ermittler dem NDR. Ein Sprecher der FIU sagte, den Inhalt von "internen, vertraulichen Besprechungen" kommentiere man nicht.

Auch zwei Landesjustizministerien haben sich inzwischen in den Streit eingeschaltet. Die beiden Behörden haben sich schriftlich an das Bundesjustizministerium gewandt, um darauf hinzuweisen, dass die FIU offenbar gegen bestehende Regularien verstoße. Das Bundesjustizministerium bestätigte auf Anfrage, dass die Schreiben dort bekannt seien, wollte sich aber inhaltlich nicht dazu äußern. Ein Sprecher erklärte lediglich, dass man dazu im Austausch mit dem Bundesfinanzministerium (BMF) stehe.

Eine Abfrage des NDR unter den Landeskriminalämtern bestätigt, dass die FIU seit Jahresbeginn immer weniger Geldwäscheverdachtsfälle an die Strafermittler weiterleitet. Zahlreiche Landeskriminalämter kritisierten zudem, dass die Berichte der FIU Mängel aufwiesen. So hieß es etwa vom LKA Hamburg, die "von der FIU angefertigten Analyseberichte genügen zumeist nicht den (...) Mindeststandards".

Für die FIU kommt der Wechsel an der Spitze zu einem ungünstigen Zeitpunkt. In der Behörde laufen die Vorbereitungen auf die sogenannte FATF-Prüfung: Die sogenannte Financial Action Task Force (FATF) ist das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, angesiedelt bei der OECD. In diesem Gremium versichern sich die Länder gegenseitig, bestimmte Standards einzuhalten.

Regelmäßig überprüft die FATF die Umsetzung der Standards und die Effektivität der Geldwäsche-Bekämpfung der Mitgliedsstaaten. In diesem Jahr ist Deutschland an der Reihe. "Diese Prüfung ist von enormer Relevanz, da die Ergebnisse der Prüfung das wirtschaftliche und politische Ansehen der Bundesrepublik Deutschland beeinflussen werden", schrieb das Bundesjustizministerium in einer Mitteilung zur FATF-Prüfung.

Wer Schulte nachfolgt, ist bislang unklar.

Pressekontakt:

Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
Tel.: 040 / 4156-2304
Mail: i.bents@ndr.de http://www.ndr.de
https://twitter.com/NDRpresse

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/6561/4618827
OTS: NDR Norddeutscher Rundfunk

Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  ZDF-Programmänderung ab Woche 28/20 Korrektur: Geldwäsche-Bekämpfung: Die Financial Intelligence Unit verliert offenbar ihren Chef
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 09.06.2020 - 18:19 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1822170
Anzahl Zeichen: 6238

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Hamburg



Kategorie:

Medien und Unterhaltung



Diese Pressemitteilung wurde bisher 827 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Geldwäsche-Bekämpfung: Die Financial Intelligence Unit verliert offenbar ihren Chef"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

NDR Norddeutscher Rundfunk (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

„Risotto brutale“ (AT) mit Axel Milberg und Maren Eggert: Dreh für neuen NDR Fernsehfilm ...
Ein gefeierter Gastrokritiker (Axel Milberg) schreibt unter Verlust seines Geschmackssinns quasi aus Versehen eine völlig vernichtende Kritik und ruiniert damit ein brandneues Spitzenrestaurant. Als er sich ausgerechnet in dessen Sterneköchin und Mitinhaberin (Maren Eggert) verliebt, muss er sich

NDR Filmpreis für den Nachwuchs 2026 für den Film „Staatschutz“ von Faraz Shariat ...
Regisseur Faraz Shariat hat für seinen Film "Staatschutz" am Sonntagabend, 7. Juni, den NDR Filmpreis für den Nachwuchs 2026 erhalten. Die Auszeichnung wurde im Rahmen des 36. Internationalen Filmfests Emden-Norderney vergeben. Der Preis ehrt traditionell den deutschen Erstlings- oder zw

NDR startet Publikumsaktion „VEREINt im Norden“ zu generationsverbindenden Vereinen ...
Startschuss für VEREINt im Norden 2026: Im Mittelpunkt der diesjährigen NDR Publikumsaktion stehen Vereine, Initiativen und Projekte, die Jung und Alt zusammenbringen und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Unter dem Motto „Zusammen stärker – Vereine, die Generationen verbinde


Weitere Mitteilungen von NDR Norddeutscher Rundfunk


ZDF-Programmänderung ab Woche 28/20 ...
Woche 28/20 Mo., 6.7. Bitte nochmalige Beginnzeitkorrekturen ab 23.45 Uhr beachten: 23.45 ZDF SPORTextra (VPS 23.44/Fub/HD/UT) Bundesliga Relegation, Rückspiel 2. Bundesliga - Bundesliga Zusammenfassung 0.15 heute Xpress (VPS 23.45) 0.20 Das k

ZDF-Programmänderung ab Woche 24/20 ...
Woche 24/20 Fr., 12.6. 18.00 SOKO Kitzbühel Bitte streichen: Audiodeskription Woche 27/20 Do., 2.7. Bitte Programmänderung und Beginnzeitkorrekturen ab 23.15 Uhr beachten: 23.15 ZDF SPORTextra (VPS 23.14/Fub/HD/UT) Bundesliga Relegation, Hinspiel

mein ausland spezial: Ein Land, viele Welten - Wie tickt unser Nachbar Polen? - Donnerstag 18.06.2020, 21.00 ...
Polen und die Pandemie - unsere Nachbarn organisieren das Leben in Krisenzeiten äußerst kreativ. DJ Wika zieht den Lippenstift nach, bevor sie die Maske drüberzieht. In Polen herrscht Maskenpflicht bis ein Impfstoff gefunden ist. Die coole DJane findet das okay, gehört sie doch mit ihren 82 Jahr

Kirchliche Sendungen zu Fronleichnam und am Wochenende 13./14. Juni 2020 im Ersten (FOTO) ...
Donnerstag, 11. Juni 2020, um 10:00 Uhr Katholischer Gottesdienst zu Fronleichnam - Übertragung aus der St. Ansgar-Kapelle in Hamburg Das Fronleichnamsfest erinnert an das letzte Abendmahl Jesu mit seiner noch kleinen Gemeinschaft. In diesem Jahr wird der Gottesdienst zu diesem Fest aus der St. An


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z