Ein Jahr nach Halle: Jüdischer Weltkongress erinnert an Morde und fordert Handeln ein (VIDEO)
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Ronald S. Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses hatte die Synagoge bereits bald nach dem Anschlag im vergangenen Jahr besucht. Dabei unterstrich er, dass im globalen Kampf gegen Antisemitismus "Taten statt Worte" gefragt seien.
Maram Stern, Geschäftsführender Vizepräsident des Jüdischen Weltkongress zeigte sich auch ein Jahr nach dem Anschlag schockiert: "Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in Deutschland wieder passieren kann, dass eine Person in eine Synagoge eindringen will, um Menschen zu töten. Wenn man daran denkt, was hätte passieren können, nämlich ein Massaker, dann ist man entsetzt. Nur Glück und Zufall haben verhindert, dass hier Schlimmeres passiert. Dafür hat der Täter Unglück über andere gebracht und zwei Menschen außerhalb der Synagoge ermordet. Den Familien der Opfer spreche ich unser herzliches Beileid aus. Diese Morde zeigen, dass der Hass, der im Antisemitismus liegt, alle Menschen treffen kann und eine Gefahr für die ganze Gesellschaft ist."
Ausdrücklich erkannte Stern die Initiative von Bundesinnenminister Horst Seehofer an, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu einem stärkeren Bekenntnis gegen Antisemitismus zu bewegen und verantwortlich zu machen
Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster erinnerte in seiner Videobotschaft ebenfalls an die beiden Opfer. Zugleich verwies er darauf, dass das Attentat nur aufgrund der unzureichenden staatlichen Sicherheitsmaßnahmen möglich war.
Dr. Felix Klein, der Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus sprach im Rahmen der Gedenkveranstaltung von einer "neuen Qualität des Verbrechens". "Nach dem Anschlag von Halle kann niemand mehr die tödliche Gefahr des Antisemitismus und des Rechtsextremismus in Deutschland verneinen." Er erinnerte anhand zahlreicher Beispiele an die "sehr traurige Tradition antisemitischer Angriffe in Deutschland" und verwies auf den Beschluss der Bundesregierung, die Sicherheit jüdischer Einrichtungen mit zusätzlichen 22 Millionen Euro zu fördern.
Max Privorozki, der Gemeindevorsteher der Synagoge in Halle verwies auf die Erleichterung seiner Gemeinde, die in diesem Jahr zu Jom Kippur wieder ihre Gebete sprechen konnte. "Im letzten Jahr konnten wir unser wichtigstes Gebet nicht sprechen, weil wir alle entweder im Krankenhaus oder auf der Polizeiwache waren", so Privorozki.
Die stellvertretende Vorsitzende des European Jewish Congress (EJC), Raya Kalenova, nahm ebenfalls auf die Sicherheitslage Jüdischer Einrichtungen Bezug und forderte stärkeres Engagement in ganz Europa. "Alle Angriffe auf Juden oder jüdische Symbole haben in Deutschland natürlich eine besonders schmerzliche Bedeutung", so Kalenova. Sie fuhr fort: "Im letzten Jahr hat die Bundesregierung die Sicherheitslücken erkannt und wir begrüßen die Zusage an den Zentralrat der Juden, die Sicherheit jüdischer Einrichtungen im ganzen Land zu verstärken."
Mit starken Appellen an die Öffentlichkeit und die jüdischen Gemeinden weltweit beteiligten sich drei Vertreter der kommenden Generation aus dem Diplomatischen Korps des Jüdischen Weltkongresses an der Veranstaltung.
Michaela Fuhrmann kritisierte, dass der Anschlag in der Politik als "Warnsignal" bezeichnet wurde: "Es war kein Warnsignal, sondern das Ergebnis dessen, dass man alle vorherigen Warnsignale ignoriert hat".
Gila Baumoehl wies darauf hin, dass der Anschlag die Jüdische Gemeinde in Deutschland bis ins Mark erschüttert habe. "Alle von uns haben sich an diesem Tag gefühlt, als ob sie selbst in der Synagoge Halle gewesen wären", so Baumoehl und rief den Wahlspruch des Jüdischen Weltkongress in Erinnerung: "Alle Juden sind füreinander verantwortlich".
Vor dem Imbiss, einem der beiden Tatorte, erklärte Eugen Balin: "Es ist unsere Pflicht und die Pflicht der ganzen Gesellschaft, gegen jede Form von Hass aufzustehen, gegen Antisemitismus, Rassismus und Islamfeindlichkeit."
Zum Abschluss rief die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) gemeinsam mit der Europäischen Union Jüdischer Studenten zu einer Spendenaktion auf. Unter dem Titel "Solidarität mit dem Kiez-Döner" waren innerhalb der ersten Tage bereits mehr als 17.000 Euro zusammengekommen, erklärten Noa Luft und Ruben Gerczikow.
Über den Jüdischen Weltkongress
Der Jüdische Weltkongress (WJC) ist die internationale Organisation, die jüdische Gemeinden in 100 Ländern gegenüber Regierungen, Parlamenten und internationalen Organisationen vertritt.
Link zur Video-Aufzeichnung: https://www.youtube.com/watch?v=YfbgTp0uGII
Link zur Spendenkampagne: https://bit.ly/36ho1fO
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Datum: 01.10.2020 - 09:01 Uhr
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