Schweinemastbetrieb nach "Report Mainz"-Recherche geschlossen / Sendung heute, 6.10.2020, 21:45 Uhr im Ersten
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Das Veterinäramt Rottweil hat am Montag einem Ferkelzucht- und Schweinemastbetrieb im Landkreis Rottweil "tierschutzgerecht" geschlossen. Die Behörde hatte sich zu der radikalen Maßnahme nach einer Anfrage von "Report Mainz" entschlossen. Dem Magazin liegen Bilder aus dem Betrieb vor, die den Verdacht erhärten, dass der Landwirt massiv gegen das Tierschutzgesetz verstoßen hat.
Anwohner meldet im Juli 2020 Tierschutzverstöße Ein Anwohner hatte bereits im Juli das zuständige Veterinäramt Rottweil verständigt. Er hatte bei einem Spaziergang Tiere im Schweinestall schreien hören und filmte mit seinem Smartphone durch ein Fenster den Stall. "Report Mainz" liegen diese Bilder vor. Sie zeigen sehr kleine Kastenstände. Außerdem erklärte der Anwohner, es habe in dem Stall bestialisch gestunken.
Tierrechtsgruppe legt umfangreiches Bildmaterial vor "Report Mainz" liegt außerdem umfangreiches Bildmaterial von diesem Betrieb vor, das die Redaktion von der Tierrechtsgruppe Soko Tierschutz bekommen hat. Es dokumentiert den Zustand der Schweine in diesem Betrieb über einen Zeitraum von acht Wochen. Zu sehen sind schwer kranke Muttersauen, übersät mit offenen Wunden. Viele Tiere mit angebissenen Ohren. Schweine, die sich gegenseitig an- und auffressen. Gefilmt wurde auch der Landwirt, der seine Tiere prügelt oder durch die Halle wirft.
Schweinehalter Manfred Haas ist Kreisobmann im Bauernverband Der verantwortliche Schweinehalter ist in der Region kein Unbekannter. Sein Name ist Manfred Haas. Er ist Ortsvorsteher in einer Schwarzwaldgemeinde und Kreisobmann im Bauernverband. Mit den Aufnahmen konfrontiert, sagte er, die Tiere hätten gestritten. So sei es zum Kannibalismus gekommen. Dies sei auch nicht normal. Man mache alle sechs Monate eine Kontrollgruppe mit langen Schwänzen. Doch dann hätten die Tiere begonnen sich anzufressen. Bei der jetzigen Gruppe sei der Schwanz abschnitten, da sei alles okay.
Tierschutzverstöße sind eine Straftat
"Report Mainz" legte die Aufnahmen zur Begutachtung der Veterinärin und hessischen Tierschutzbeauftragten Madeleine Martin vor. Sie erklärt im Interview: "Das kann man nur als Straftat fachlich werten. Weil die gezeigten Tiere mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erheblich und langanhaltend gelitten haben. Amtstierärzte müssen handeln, wenn sie eine solche Tierquälerei sehen, dann müssen sie Maßnahmen ergreifen."
Veterinäramt Rottweil reagiert zögerlich Vor zehn Tagen konfrontierte das ARD-Magazin das Veterinäramt mit den Rechercheergebnissen. Die Behörde erklärte schriftlich, der Betrieb sei bislang nicht auffällig gewesen. Eine Überprüfung habe jedoch erhebliche tierschutzrelevante Mängel offengelegt. Sofortmaßnahmen hätten die Mängel jedoch nicht deutlich verbessert. Nach einer erneuten Anfrage beim Veterinäramt und dem zuständigen Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg kam es am vergangenen Wochenende zu einer erneuten Kontrolle des Betriebes. Die angetroffene Lage habe ein sofortiges Einschreiten erforderlich gemacht. Der Tierbestand soll nun nach und nach tierschutzgerecht aufgelöst werden. Zudem wurde Strafanzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet.
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Datum: 06.10.2020 - 17:31 Uhr
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