Stellungnahme von Bischof Oster zum "Monitor Jugendarmut"
ID: 1851513
"'Wir sind überzeugt, dass die Zukunft der Gesellschaft davon abhängt, welche Perspektiven und Chancen sie jungen Menschen eröffnet.' So heißt es im neuen Monitor Jugendarmut. Diese Überzeugung teile ich, teilen wir als Kirche uneingeschränkt. Ich bin daher dankbar für diesen Monitor, der uns die Situation benachteiligter junger Menschen bei uns besser verstehen lässt. Mit Sorge betrachten wir die Befunde, die in hier zusammengestellt wurden. Etwa 3,2 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland waren schon vor der Pandemie von Armut bedroht. Die meisten von ihnen leben in Haushalten, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Das Arbeitsministerium schätzt nun, dass die Zahl der Haushalte mit Grundsicherung durch die Corona-Krise noch um 1,2 Millionen steigen wird.
Die Folgen sind dramatisch, schon in den vergangenen Monaten fehlte es in vielen Familien an den finanziellen und technischen Möglichkeiten, um zum Beispiel an Homeschooling und digitalem Unterricht überhaupt in einem ausreichenden Maß teilnehmen zu können. Eine Digitalisierung des Unterrichts darf aber Kinder und Jugendliche nicht ausschließen. Auch die gegenwärtige Krise der Wirtschaft trifft junge Menschen besonders hart: Es fehlen tausende Ausbildungsplätze und die Jugendarbeitslosigkeit steigt in ganz Europa im erschreckenden Ausmaß - und sie steigt auch bei uns in Deutschland.
Ausgerechnet Jugendliche und junge Erwachsene, die eigentlich doch voller Zuversicht in eine Ausbildung oder in ein Studium starten sollten, sind von Armut bedroht wie keine andere Altersgruppe! Jeder vierte junge Mensch bei uns erlebt Armut alltäglich, und diese wirkt sich auf das gesamte Leben, auf ihre Gesundheit und ihre Bildungschancen aus. Keine Krise darf aber dazu führen, dass Kinder und Jugendliche als erste oder gar noch mehr abgehängt werden. Unsere Gesellschaft und unsere Hilfesysteme dürfen gerade junge Menschen nicht im Stich lassen.
Wir brauchen weiterhin eine starke Kinder- und Jugendhilfe, die auch in diesen Zeiten armutsgefährdete Jugendliche und junge Erwachsene unterstützen und individuell fördern kann. Eine staatliche Grundsicherung für die Familien muss immer so ausgestattet sein, dass sie Kinder und Jugendliche besonders fördert und nicht in eine Armutsspirale treibt oder eine Armutsspirale nur fortsetzt. Die Wirtschaft ist gefordert, auch in Krisenzeiten ausreichend Ausbildungsplätze für alle Jugendlichen bereitzustellen. Wo dies nicht oder ungenügend gelingt, brauchen wir verstärkt außerbetriebliche Angebote. Ich schließe mich hier der Auffassung der Bundesgemeinschaft und ihrer Vorsitzenden Lisi Maier an: Junge Menschen haben ein Recht auf Zukunft und ein Recht auf Ausbildung und Teilhabe. Dafür steht und streitet auch die katholische Jugendsozialarbeit.
Besonders eindrücklich für mich sind in diesem Monitor aber nicht allein die Fakten und Zahlen sondern auch die Eindrücke aus der praktischen Jugendsozialarbeit wie aus dem Don Bosco Jugendwerk in Nürnberg, hier beispielhaft die Geschichte von Steffen. Wie junge Menschen in prekären Lebenssituationen dann doch wieder selber Mut fassen und ermutigt werden, durch Menschen, die sie stützen und begleiten und dann ihre erste, zweite, dritte oder vielleicht auch erst die vierte Chance ergreifen, dies wird hier eindrücklich deutlich - begleitet von engagierten Menschen, die ein Herz haben für Jugendliche in Not. Daher bin ich der Überzeugung, dass wir als Kirche gemeinsam mit allen gesellschaftlichen Kräften mithelfen müssen, dass junge Menschen positiv in ihre persönliche und berufliche Zukunft schauen können. Und ich danke besonders denjenigen, die sich in den Einrichtungen und Strukturen der Jugendsozialarbeit für junge Menschen engagieren und sich als Anwälte für die Interessen der jungen Generation einsetzen. Als Glaubende geben wir schließlich auch ein Zeugnis dafür, dass unser Gott ein besonderes Herz für junge Menschen und deren gelingendes Leben hat."
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Datum: 12.10.2020 - 16:02 Uhr
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